Ich mache mir Sorgen

Sollte ich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben? Seit Tagen bin ich ohne Nachricht, meine Emails bleiben immer unbeantwortet, die letzte war von heute Morgen… Was kann denn den Mitarbeitern meines Jobcenters bei der Arbeitsagentur geschehen sein? Sind sie alle entführt worden? Angerufen habe ich nicht, aus Prinzip, bei den Preisen… Am Ende der letzten Email meines aktuellsten Bearbeiters vor zwei Wochen stand in den Kontaktdaten:

01801 555 111*
[…]
* Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min

Das heißt, Arbeitslose müssen bezahlen, wenn sie mit ihrem Bearbeiter sprechen wollen, es gibt nur diese 01801 Sonderrufnummer, die Flatrate der Telekom hilft nicht mehr weiter. Das ist ganz schön unverschämt, dass man sich noch auf dem Rücken der Arbeitslose auf dieser Weise Geld verdient. Da mache ich nicht mit.

Dabei wollte ich nur wissen, ob ich mich bei einem bestimmten Personaldienstleister bewerben sollte, da eine Anzeige von ihnen in meiner heutigen Email der Jobbörse stand. Ich hatte nie drauf geachtet, aber bei diesem Vermittlungsunternehmen stand auf der Internet-Seite, dass sie bei erfolgreich vermittelten Bewerbern 10% des monatlichen Gehaltes zu sich nehmen. Blutsäuger. Jetzt weiß ich, warum meine ehemalige Beraterin mir sagte, ich sollte die Finger von solchen Angeboten lassen. (Ist es der Grund, warum sie anscheinend nicht mehr dort arbeitet?) Wer aber einen Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur hat, kann kostenlos ermittelt werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich einen solchen Gutschein habe, oder Anspruch drauf hätte.

Dann frage ich mich, ist es nicht besser, doch auf einen Teil des eigentlich verdienten Gehaltes zu verzichten, wenn man endlich wieder arbeiten kann? Seit einigen Tagen frage ich mich schon, sollte ich nicht bezahlen, um wieder arbeiten zu dürfen? Vermittler von Arbeitskräften haben ein großes Interesse daran, Bewerber zu einem neuen Job zu schicken, vielleicht geben sie sich mehr Mühe oder können bei den Arbeitgebern mehr Druck machen, um den gewünschten Kandidaten einzustellen.

Die wichtige Frage ist: Haben sie auch eine Ahnung von den Anforderungen für die Stellen, und verstehen sie wirklich, was auf dem Lebenslauf der Bewerber steht? Ich habe da meine Zweifel. Anfang Dezember habe ich eine Jobmesse besucht und bin ins Gespräch mit dem Leiter einer solchen Personalleihfirma gekommen. Er hat mich dann schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wo ich ihm konkret erklärt habe, wo meine Stärken liegen und was meine Spezialisierung ist. Ich hätte doch vorher besser auf seiner Visitenkarte aufpassen sollen. Magister Artium. Der Mann vermittelt Ingenieure und Wissenschaftler, versteht aber nur Bahnhof davon, was sie machen sollen, er ist nur Manager. Ich habe angefangen, ihm grob und vereinfacht von Magnetismus und frustrierten Spin-Systemen in Kupferverbindungen zu erzählen, und habe seinen wilden verrückten Gesichtsausdruck gemerkt, als er mir zuhörte. Als ich von den Cu2+ Ionen erzählt habe, sagte er dann: „Ja, wir haben Kontakte mit einer Firma, die Kupfer herstellt und umformt, da könnten Sie also arbeiten“. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht getraut, ihm zu widersprechen. Er sah so erleichtet aus, das Stichwort „Kupfer“ gehört zu haben, endlich hatte er den Eindruck, etwas zu verstehen. Mit Metallurgie habe ich aber gar nichts zu tun. Ich habe gedacht, ich wäre für seinen Job vielleicht besser als er geeignet. Ein anderes Beispiel habe ich letzte Woche bekommen. Eine Frau aus einer anderen Ingenieurdienstleistungsfirma hat mich angerufen und wollte wissen, ob ich an eine Stelle interessiert wäre. Ich habe ihr gesagt, sie sollte mir den Ausschreibungstext per Email schicken, damit ich es beurteilen kann. Die Anforderungen über die Kenntnisse waren aber sehr weit von dem entfernt, was ich studiert habe. Ich habe ihr gesagt, ich könnte es gerne machen, ich traue mir zu, die neuen Methoden zu lernen, aber ich könnte aufgrund meiner Kenntnisse nicht sofort einsatzbereit sein, da ich schon Einarbeitungszeit brauchen würde. Hätte ich vielleicht lügen sollen, Hauptsache arbeiten? Ich denke immer noch, wenn ich arbeite, will ich auch gut sein, sonst bringt es nichts, weder mir noch dem Arbeitgeber.

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2 Gedanken zu “Ich mache mir Sorgen

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