Boah nee

Jetzt ist der andere Nachbar unter meiner Wohnung dran, der, der unter dem Wohnzimmer wohnt (die seit neulich Cannabis rauchenden Studenten sind unter meinem Schlafzimmer). Gegen 21:30 ist er mit zwei Mädels zurück gekommen, die waren schon sehr auffällig im Treppenhaus, jetzt ist Party angesagt. Laute Musik, Bufta-Bufta, Mädels schreien und jubeln, als ob sie in einer Disko wären. Manchmal denke ich, ich sollte super krass sein und mich bei seiner Mutter beschweren. Ich habe sie zufällig vor knapp zweieinhalb Jahren kennen gelernt, als ich mal wieder die Apotheke wechseln musste, um gegen meine Ischias-Schmerze Diclofenac zu kaufen. Ich war zur Apotheke neben dem Luisenhospital gegangen. Diesmal hatte ich sogar ein ärztliches Rezept dabei, also war alles kein Problem. Als sie auf dem Rezept meine Adresse gesehen hatte, meinte sie ganz überrascht, „Aber mein Sohn ist gerade dort eingezogen“. Deswegen war also in dieser Zeit so viel los in dieser Wohnung. Ich hatte damals gerade meine Wohnung mit dem vorderen Teil auf die Straße erweitert, der jetzt das Wohn- und Gastzimmer ist, als mein Nachbar, der Deutschlehrer, ausgezogen war. Dem Sohn der Apothekerin bin ich einmal unwissend auf der Kreuzung bei mir um die Ecke begegnet. Ich stand vor dem Hotel an der Ampel, er ist gleichzeitig angekommen und hat ebenfalls vor mir gestanden. Ich hatte ihn noch nie gesehen und wusste nicht, wer er war. Auf der anderen Straßenseite ist ein Mädchen vorbei gegangen, ich schätze, in den Abiturjahren vom Alter her. Anscheinend kannte er sie, er hat sie mit ihrem Namen gerufen, und dabei so dämlich spöttisch gelacht, dass ich sofort gedacht hatte, „So kriegst du keine, mein Junge“. Er hat mir sehr stark den Eindruck von einem Jungen mit sehr wenig Bildung und Verstand gelassen. Nur als wir beide vor meiner Haustür ankamen und er mit seinem Schlüssel die Tür öffnete, wusste ich, dass er mein neuer Nachbar war. Leider scheint er sich jetzt offensichtlich im Umgang mit Mädels verbessert zu haben. Direkt unter ihm wohnt meine Vermieterin. Sie soll sich darum kümmern, mir reicht’s, ständig diejenige zu sein, die sich wegen Lärmbelästigung beschwert.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Ich mache mir Sorgen

Sollte ich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben? Seit Tagen bin ich ohne Nachricht, meine Emails bleiben immer unbeantwortet, die letzte war von heute Morgen… Was kann denn den Mitarbeitern meines Jobcenters bei der Arbeitsagentur geschehen sein? Sind sie alle entführt worden? Angerufen habe ich nicht, aus Prinzip, bei den Preisen… Am Ende der letzten Email meines aktuellsten Bearbeiters vor zwei Wochen stand in den Kontaktdaten:

01801 555 111*
[…]
* Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min

Das heißt, Arbeitslose müssen bezahlen, wenn sie mit ihrem Bearbeiter sprechen wollen, es gibt nur diese 01801 Sonderrufnummer, die Flatrate der Telekom hilft nicht mehr weiter. Das ist ganz schön unverschämt, dass man sich noch auf dem Rücken der Arbeitslose auf dieser Weise Geld verdient. Da mache ich nicht mit.

Dabei wollte ich nur wissen, ob ich mich bei einem bestimmten Personaldienstleister bewerben sollte, da eine Anzeige von ihnen in meiner heutigen Email der Jobbörse stand. Ich hatte nie drauf geachtet, aber bei diesem Vermittlungsunternehmen stand auf der Internet-Seite, dass sie bei erfolgreich vermittelten Bewerbern 10% des monatlichen Gehaltes zu sich nehmen. Blutsäuger. Jetzt weiß ich, warum meine ehemalige Beraterin mir sagte, ich sollte die Finger von solchen Angeboten lassen. (Ist es der Grund, warum sie anscheinend nicht mehr dort arbeitet?) Wer aber einen Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur hat, kann kostenlos ermittelt werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich einen solchen Gutschein habe, oder Anspruch drauf hätte.

Dann frage ich mich, ist es nicht besser, doch auf einen Teil des eigentlich verdienten Gehaltes zu verzichten, wenn man endlich wieder arbeiten kann? Seit einigen Tagen frage ich mich schon, sollte ich nicht bezahlen, um wieder arbeiten zu dürfen? Vermittler von Arbeitskräften haben ein großes Interesse daran, Bewerber zu einem neuen Job zu schicken, vielleicht geben sie sich mehr Mühe oder können bei den Arbeitgebern mehr Druck machen, um den gewünschten Kandidaten einzustellen.

Die wichtige Frage ist: Haben sie auch eine Ahnung von den Anforderungen für die Stellen, und verstehen sie wirklich, was auf dem Lebenslauf der Bewerber steht? Ich habe da meine Zweifel. Anfang Dezember habe ich eine Jobmesse besucht und bin ins Gespräch mit dem Leiter einer solchen Personalleihfirma gekommen. Er hat mich dann schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wo ich ihm konkret erklärt habe, wo meine Stärken liegen und was meine Spezialisierung ist. Ich hätte doch vorher besser auf seiner Visitenkarte aufpassen sollen. Magister Artium. Der Mann vermittelt Ingenieure und Wissenschaftler, versteht aber nur Bahnhof davon, was sie machen sollen, er ist nur Manager. Ich habe angefangen, ihm grob und vereinfacht von Magnetismus und frustrierten Spin-Systemen in Kupferverbindungen zu erzählen, und habe seinen wilden verrückten Gesichtsausdruck gemerkt, als er mir zuhörte. Als ich von den Cu2+ Ionen erzählt habe, sagte er dann: „Ja, wir haben Kontakte mit einer Firma, die Kupfer herstellt und umformt, da könnten Sie also arbeiten“. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht getraut, ihm zu widersprechen. Er sah so erleichtert aus, das Stichwort „Kupfer“ gehört zu haben, endlich hatte er den Eindruck, etwas zu verstehen. Mit Metallurgie habe ich aber gar nichts zu tun. Ich habe gedacht, ich wäre für seinen Job vielleicht besser als er geeignet. Ein anderes Beispiel habe ich letzte Woche bekommen. Eine Frau aus einer anderen Ingenieurdienstleistungsfirma hat mich angerufen und wollte wissen, ob ich an eine Stelle interessiert wäre. Ich habe ihr gesagt, sie sollte mir den Ausschreibungstext per Email schicken, damit ich es beurteilen kann. Die Anforderungen über die Kenntnisse waren aber sehr weit von dem entfernt, was ich studiert habe. Ich habe ihr gesagt, ich könnte es gerne machen, ich traue mir zu, die neuen Methoden zu lernen, aber ich könnte aufgrund meiner Kenntnisse nicht sofort einsatzbereit sein, da ich schon Einarbeitungszeit brauchen würde. Hätte ich vielleicht lügen sollen, Hauptsache arbeiten? Ich denke immer noch, wenn ich arbeite, will ich auch gut sein, sonst bringt es nichts, weder mir noch dem Arbeitgeber.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Geschichte eines Katers

Ich habe erst am Anfang des Jahres durch meine Vermieterin vom Kater erfahren. Er hat ab etwa Oktober angefangen, sich im Garten zu zeigen und rein bei ihr ins Haus zu wollen. Ursprünglich wollte sie ihn nicht adoptieren, weil sie dachte, er würde jemandem gehören, da er tätowiert war, und der Tod ihrer früheren Katze vor vielen Jahren hat sie sehr mitgenommen. Aber sie hat ihn rein gelassen und gefüttert, weil sie Katzen so gerne mag, und sie hat sowieso immer Katzenfutter dabei, für die gelegentlichen vierbeinigen Besucher.

Nach einigen Wochen, als der Kater täglich zu ihr gekommen ist und es kälter wurde, hat sie sich entschieden, mit ihm zum Tierarzt zu gehen. Er konnte seine Besitzerin ausfindig machen – daher kennt sie den Namen des Katers. Die Besitzerin hat aber keine Anzeige für den Kater abgegeben, weder beim Tierarzt noch bei Tasso. Meine Vermieterin wollte dann zu ihr gehen und sie darüber informieren, dass ihr Kater so häufig und lange bei ihr bleibt. Leider war sie anscheinend umgezogen, die Adresse stimmte nicht mehr (ich frage mich schon, ob das überhaupt normal ist, dass ein Tierarzt die private Adresse von anderen Kunden einfach so weiter gibt, aber egal). Entweder hat sie ihn einfach da beim Umzug verlassen, oder er hat die Flucht ergriffen, sehr viele Katzen mögen keine Umgebungsänderung – selbst unser Kater ist zum alten Haus zurück gegangen, als meine Eltern nach ihrer Scheidung das Haus verkauft hatten und meine Mutter innerhalb vom Dorf umgezogen war. Meine Vermieterin hat also den Kater vorübergehend zu sich genommen, und die üblichen Impfungen und Kuren gegen Flöhe und Würmer machen lassen, da er bei ihr nachtsüber bleiben wollte. Der Tierarzt hat ihr vorgeschlagen, beim nächsten Besuch der Besitzerin diese über seinen aktuellen Aufenthaltsort zu informieren.

Es war nun der Besitzerin anscheinend egal, da der Tierarzt eines Tages meiner Vermieterin sagte, die Frau wäre schon zu ihm mit einer neuen Katze gekommen. Das heißt, sie ist innerhalb der Stadt umgezogen, und gar nicht so weit weg, weil sie zum gleichen Tierarzt weiter geht. Sie hat sich aber nie nach dem Kater erkundigt, und der Tierarzt war dann mit meiner Vermieterin einverstanden, dass es ihm offensichtlich bei ihr besser ginge, und er wäre bei seiner früheren Besitzerin nicht so gut versorgt. Ich habe mich selber ab und zu um ihn gekümmert, wenn meine Vermieterin unterwegs ist. Er ist wirklich ein sehr lieber Kater, ganz ruhig, der keine Berührungsangst von anderen Menschen hat und sehr gerne schmust. Man merkt ihm an den Ohren, dass er viele Zeit draußen verbracht hat, weil er deutliche Spuren von Kämpfen mit anderen Katzen trägt. Ich verstehe nicht, warum seine frühere Besitzerin sich gar nicht um seinen Schicksal gekümmert hat.

Gestern ist meine Vermieterin zu meiner Etage gekommen, weil sie daran denkt, am Wochenende weg zu fahren. Sie hat erzählt, der Kater wäre vor kurzem zwei Tage lang verschwunden. Ich habe mir zuerst nichts dabei gedacht, unsere Katzen bei meinen Eltern hatten auch häufig längere Ausflüge gemacht. Aber dann sagte sie, er wäre mit einem fremden Halsband zurück gekommen. Ein Halsband wollte ihm meine Vermieterin nicht anziehen, weil die Würggefahr so groß ist – deswegen trägt meine Katze auch kein Halsband. Und er hätte sich erstmal ganz verängstigt verhalten. Zuerst wollte er nicht mehr raus gehen und hat sich nur noch mit weit geöffneten Augen auf einem Stuhl verkrochen. Ein Tag danach hat er sich wieder getraut, nach draußen zu gehen, ist aber nur im Garten geblieben, sehr ungewöhnlich für ihn. Die Vermutung meiner Vermieterin ist, dass er bei seiner früheren Vermieterin war, und diese ihn eingesperrt hat. Was hat sie ihm sonst angetan, dass er sich bei seiner Rückkehr so traumatisiert verhalten hat? Das muss sehr übel für ihn gewesen sein. Ich verstehe manche Menschen wirklich nicht.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.