Abnehmen

Gestern Abend habe ich wie jeden Sonntag mit meiner Mami telefoniert. Sie hat erzählt, dass sie ihre inzwischen ein Jahr alte Katze diese Woche kastrieren lassen hat. Die Tierärztin hat ihr danach gesagt, die Katze hatte schon ziemlich viel Fett am Bauch und müsste abnehmen.

Heute Morgen habe ich beschlossen, meine Stubentigerin ebenfalls zu wiegen. Wie geht das, wenn man eine sehr willensstarke Katze hat, die nicht einsieht, dass man sie manipuliert? Beim Tierarzt gibt’s immer einen riesen Theater, selbst ich darf nicht alles machen: Zähne oder Krallen beobachten kommt definitiv außer Frage. Na ja, die Zähne kann ich sehr gut beobachten, wenn sie versucht zu beißen – nicht häufig, nur, wenn sie aufgeregt ist. Die Lösung fürs Wiegen: Brillen an (so kurzsichtig bin ich), Katze in die Armen nehmen (zum Glück ist sie daran gewöhnt), schmusen, unauffällig auf die Waage steigen, Gewicht schnell lesen, Katze merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist und springt runter, Gewicht erneut lesen, Differenz rechnen… Schluck, 6 Kilos! Und noch mal Schluck, der zweite Gewicht war zu hoch. Da muss ich selber was machen.

Ab heute heißt es also, abnehmen. Keine Leckerlies mehr. Zum Sport konnte ich sie schon lange nicht mehr animieren. Seit meinem Rückenproblem habe ich viel weniger mit ihr etwas unternommen, weil ich so starke Schmerze hatte – selbst das Hochheben und in die Armen nehmen wenn ich nach Hause komme konnte ich die ganze Zeit nicht mehr machen, wir mussten uns danach wieder daran gewöhnen. Wir hatten uns früher häufig durch die Wohnung hinterher gejagt, das hatte richtig Spaß gemacht.

Zurzeit betreue ich den Kater meiner Vermieterin, die in den Urlaub gefahren ist. Ich wohne auf der vierten Etage, unter dem Dach, der Kater ist im Erdgeschoss. Vier Mal an Tag gehe ich nach unten, um nach ihm zu schauen, da er zwei Mal am Tag in den Garten geht. Heute wollte ich meine Katze mitnehmen. Die zwei kennen sich ja noch gar nicht. Meine ist aber echt ein Angsthase. Sie traut sich gar nicht mehr, die paar Etagen runter zu gehen. Früher hatte sie das gerne gemacht, ich musste sie häufig vor der Tür meiner Nachbarn auf der zweiten Etage abholen. Kann sein, dass die dritte Katze aus der ersten Etage, eine junge schwarze Katze mit stark dominanten Charakterzügen, sie dazu verängstigt hat, die zwei prügeln sich nur noch, wenn sie sich treffen, und fauchen sich an, bis meine sich wieder in der Wohnung versteckt.

Also heute Morgen, keine Chance, meine Mieze freiwillig runter gehen zu lassen. Ich habe sie nach einigen Versuchen in die Armen genommen und bin die Treppen runter gegangen. Sie hat sich aber so laut dagegen geäußert, dass ich sie nur eine Etage tiefer bringen konnte. Sie sah schon sehr ängstlich aus und hat sich in einer Ecke auf dem Flur verkrochen. Ich habe sie ein bisschen geschmust und bin weiter zum Kater gegangen. Als ich wieder nach oben ging, war meine Katze immer noch in ihrer Ecke. Ich habe gedacht, da sie ein bisschen Bewegung bekommen sollte, lasse ich sie da, bis sie sich traut, wieder nach oben zu gehen, und habe die Wohnungstür offen gelassen. Das hat gedauert. Ich habe mir einen Kaffee gemacht und habe mich vor dem Rechner hingesessen. Plötzlich muss es ein Geräusch gegeben haben, weil sie auf einmal sehr schnell die Treppe hoch gelaufen ist. Sie hat sich auf den Boden geschmissen und hat sich erst mal von ihrem Schreck erholen müssen. Angsthase. Das machen wir heute Nachmittag noch mal.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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