Einschlafen

Ich habe heute Nacht schlecht geschlafen. Ich konnte einfach nicht einschlafen, bis etwa 03:00. Und heute Morgen, wie jeden Dienstag, bin ich kurz nach 07:00 von der Müllabfuhr geweckt worden.

Der Grund fürs schwierige Einschlafen ist mir um 02:30 klar geworden. Meine chinesische Freundin Mei hat mich gestern angerufen und wollte nach der Arbeit in die Stadt. Sie ist mit einer anderen chinesischen Frau, Li, gekommen, die in Kürze ihre Doktorarbeit anfangen wird, und die ich seit einigen Monaten kenne. Sie haben vorgeschlagen, zu einem kleinen Lokal zu gehen, wo man Bubble Tea trinken kann. Bubble Tea kannte ich noch nicht und habe es also zum ersten Mal probiert. Ich habe danach nicht mehr dran gedacht. Aber Tee nach 17:00 zu trinken, wie Kaffee, Cola oder Orangensaft, ist bei mir eine sehr schlechte Idee. Es gab eine Zeit, als ich mit Kollegen jeden Tag nach dem Mittagessen Kaffee getrunken hatte. In dieser Zeit hatte ich extreme Schwierigkeiten beim Schlafen. Ich habe aber nicht sofort gewusst, woran es lag. Erst als ich ein paar Mal ausnahmsweise keinen Kaffee getrunken hatte und direkt danach gut schlafen konnte, habe ich mit der Gewohnheit nach dem Mittagessen aufgehört. Morgens kann ich aber ohne Problem Kaffee trinken. Kein Wunder also, dass ich heute Nacht nicht früh schlafen konnte.

Andererseits ist es gut, dass ich lange wach geblieben bin. Gegen 02:30 habe ich wieder an den Kater meiner Vermieterin gedacht. Sie ist aus ihrem kurzen Urlaub noch nicht zurück gekommen. In der Woche brauche ich mich nicht um den Kater zu kümmern, da die Kollegin meiner Vermieterin in der Praxis tagsüber da ist, sie versorgt ihn schon. Wie war das noch? Abends soll ich ihn in die Praxis wieder rein lassen, stimmt… Ach du Sch…! Steh auf, zieh dich wieder an, mach ganz leise die Tür auf, geh die Treppe runter bis zum Erdgeschoss, öffne die Tür der Praxis, mach die Tür zum Garten auf, der Kater kommt sofort angerannt, mach die Tür und die Rollladen zu, Entschuldigungsschmusen, gib ein paar Leckerlies, mach die Tür wieder zu, gehe die vier Etagen leise wieder hoch, zurück in die Wohnung, ausziehen, zurück ins Bett… Und dann, nach ein bisschen Lesen, bin ich endlich eingeschlafen.

Ich habe sonst gestern etwas von meinem Bearbeiter beim Jobcenter doch gehört. Er hat versucht, mich anzurufen, als ich beim Fitness-Studio war. Zurück rufen konnte ich nicht, die Nummer wurde nicht angezeigt. Als ich wieder zu Hause war und Thunderbird geöffnet habe, habe ich eine Email von ihm gefunden. Er hat mir eine vom Arbeitsamt bezahlte Weiterbildung für Qualitätsmanagement ab Juni in meiner Stadt angeboten, mit anschließender TÜV-Zertifizierung. Da bin ich sofort auf die Gelegenheit gesprungen und habe mein Interesse angekündigt. Es gibt immer wieder Stellenanzeigen für QM, da könnte ich eine sinnvolle neue Fähigkeit erwerben. Die Weiterbildung soll nun drei Monaten Vollzeit dauern. Ich habe gleich angemerkt, dass man bei einem solchen Zeitaufwand nicht erwarten kann, dass ich mich so intensiv wie jetzt bewerben werde. Er hat mich für die Weiterbildung vermerkt, ich hoffe, ich kann tatsächlich daran teilnehmen.

Und heute Nachmittag habe ich einen Termin bei einer Fotografin in meinem Viertel, um neue Bewerbungsfotos zu machen. Ich denke, mit meinen zurzeit vermerkten Stellenanzeigen werde ich warten, bis ich das neue Foto habe. So lange wird es nicht dauern, sie meinte, bis nächster Woche sollten sie fertig sein. Wir machen gleich eine Serie von Fotos und ich soll danach entscheiden, welche ich behalten will. Der Preis ist schon hoch, aber ich habe ihre Arbeiten auf ihrer Internet-Seite gesehen und bin begeistert.

Training

Wir haben heute Morgen mit meinem Trainer am Fitness-Studio einen neuen Plan erstellt. Dabei soll vor allem mein Rücken verstärkt werden, Bauchmuskulatur wird nicht vergessen. Ich habe es gleich probiert und bin damit zufrieden.

  1. 10mn warm trainieren auf dem Cross-Trainer.
  2. Eine für mich neue Übung: In Rückenlage auf einer Liege, eine Hantel (2kg) in beiden Händen nehmen und mit gestreckten Armen über den Kopf nach unten halten, und zurück nach vorne direkt übers Gesicht. Es tut dem Rücken gut und meine Arme werden sehr beansprucht. Langsam hin und her, 3-mal 15 Wiederholungen. Zur Steigerung soll ich beide Beine vom Boden heben, damit der Bauch auch arbeitet. Sehr effizient!
  3. Adduktoren und Abduktoren auf dem Gerät trainieren, 3-mal 15 Wiederholungen bei 12kg. Eine Standard-Übung, ich kann nicht mehr die hohen Gewichten von früher benutzen. Hauptsache, ich fühle, dass die Muskeln arbeiten.
  4. Gekreuzte Sit-ups, nach links und rechts, ich schaffe erstmals 3-mal 12 Wiederholungen (also 6 pro Seite). Die Liege war ein bisschen erhöht auf der Kopfseite, aber es ging so gut, beim nächsten Mal stelle ich sie waagerecht.
  5. 3-mal 15 Wiederholungen am Lat, für die langen Muskeln im Rücken, erstmals 5kg bis ich mich am Gerät gewöhnt habe.
  6. Seiten-Muskulatur am Rotary-Torso, auch 3-mal 15 Wiederholungen mit 10kg.
  7. Untere Rückenmuskulatur, da habe ich heute gerade 1-mal 6 Wiederholungen und danach 2-mal 5 Wiederholungen geschafft. Das kommt noch.
  8. Wieder 20mn auf dem Cross-Trainer, diesmal mit Ziel auf Gewichtreduzierung.
  9. Dehnen.

Ich denke, 2-3 Male in der Woche das Programm durchzuziehen. Wir werden sehen. Da die Dermatologin meinte, Psoriasis wäre häufig mit Diabetes verbunden, kann ich mit dem Training vielleicht dagegen steuern. Schließlich waren meine beiden Omas mit Diabetes krank, ich sollte aufpassen. Keine Ahnung, ob man wirklich mit Sport dagegen arbeiten kann. (Hmm, habt ihr eigentlich gemerkt, dass das Logo für die „American Diabetes Association“ sehr ähnlich wie das Logo der Arbeitsagentur aussieht?)

Ich habe mir am Wochenende eine neue Waage besorgt. Die alte mit Nadel war mir zu ungenau, nachdem ich gesehen habe, dass meine Katze in zwei Wochen 1kg abgenommen haben soll, was völlig Quatsch ist, so schnell kann eine Katze gar nicht abnehmen. Das hat, genau wie bei meiner Trinkschokolade-Auswahl, sehr lange gedauert. Ich habe mich einfach vor dem Regal am Boden hingesessen und mir die genaue Beschreibung von allen Waagen durchgelesen. Am Ende habe ich eine digitale Waage von Soehnle mit großer Anzeige ausgesucht, damit ich die Brillen nicht extra dafür auf der Nase haben muss. Ich war hin und her gerissen, aber der Solarbetrieb hat gewonnen. Sie kann sonst nichts Besonderes, es war also ganz schön teuer, aber doch nicht so viel, wenn man denkt, dass man keine Batterie wechseln muss. Hoffentlich ist sie ohne eingeplante Obsoleszenz. Na ja, ich weiß nicht, ob ich von der Waage so begeistert bin. Der Zweck war eigentlich, meine Katze besser wiegen zu können. Ich habe sie in den Armen genommen und habe unser kombiniertes Gewicht gelesen. Als sie runter gesprungen ist, hat sich das Gewicht aber nicht aktualisiert. Ich musste runter und wieder auf die Waage steigen, um mein eigenes Gewicht zu lesen. Das fand ich doof, so hatte ich es mir nicht vorgestellt.

Neue Woche

Schlechter als letzte Woche kann sie nicht anfangen. Die nächste „wichtige“ Stellenanzeige, für die ich sehr gut passe, hat ihre Bewerbungsfrist am 1. Mai, also noch ein bisschen Geduld, bevor ich etwas höre. Der Vorteil wäre, dass die Stelle in München ist, und diese Stadt gefällt mir sehr. Ich will auch meine Wochenenden im Englischen Garten verbringen. Ach ja, ich habe mich auf eine andere Stelle dort beworben, als zweite Kontaktwissenschaftlerin für ein Großforschungsgerät, aber obwohl ich sehr gut geeignet wäre, erwarte ich dort nichts. Ich habe mich nur beworben, weil die Stelle in der Jobbörse der Arbeitsagentur stand, ich will Vorwürfe vermeiden. Diese Stelle war schon letztes Jahr in Februar ausgeschrieben. Ich bin sogar Ende April zum Gespräch eingeladen worden. Und dann nichts, keine Rückmeldung, oder keine direkte Rückmeldung. Mein damaliger Chef war später dienstlich dort und hat mit dem Leiter des Forschungszentrums gesprochen, und der hat ihm gesagt, die Stelle wäre noch zu besetzen. Von allen Kandidaten, die sich beworben hatten, haben sie niemanden genommen.

Heute scheint die Sonne. Ich habe gleich um 09:00 einen Termin mit einem Trainer aus meinem Fitness-Studio. Ich war wegen meines Ischias sehr lange nicht mehr dort, hatte das Abo aber nicht gekündigt, weil ich nicht einsehen wollte, dass es so lange dauern würde. Sie haben viele neue Geräte in dieser Zeit gekauft, die muss ich kennen lernen, bevor ich sie benutze. Ich bin wieder regelmäßig dort. Und brauche gut 8kg los zu werden. Ich will mein BMI wieder im grünen Bereich haben und einen Sicherheitsabstand zur oberen Grenze haben. Ich will wieder eine super Ausdauer haben, so dass ich nach einem Sprint zum Bus nicht fünf Minuten lang noch brauche, um meinen Atem zum normalen Niveau zu bekommen. Und ich will wieder meine Muskeln trainieren.

Ich hoffe sehr, dass das regelmäßige Sport-Training mir mehr seelische Kraft gibt, um Absagen bei wichtigen Stellen besser zu verkraften. Als ich am Wochenende das Geschirr aus der Spülmaschine raus holen und aufräumen wollte, bin ich auf einmal und völlig überraschend zusammen gebrochen. Fast hätte ich den Gegenstand in meiner Hand weg geworfen, ich wollte plötzlich alles in die Gegend rum schmeißen. Das hat mich sehr erschrocken, ich konnte mich nur noch an der Spüle fest halten und erstmals heulen. Blödes Verhalten. Es war wie ein Impuls, an einem Moment stehst du da und hast nur Aufräumen im Kopf, am nächsten Moment flippst du aus. Dabei dachte ich, mir ging’s schon besser. Ich traue mich nicht, in diesem Zustand andere Menschen für längere Zeit zu sehen. Vor allem Menschen, die über meine Bewerbungsversuche informiert sind. Ich habe kein Bock auf Nachfragen. Und kein Bock auf billiges nicht wirklich gemeintes Mitleid.

Ich fange sonst schon die vierte Woche im Kurs Datenmanagement mit SQL an. Letzte Woche ging’s um relationaler Entwurf von Datenbank und Dekomposition. Es war schon ein sehr großes Stück auf einmal, ich musste viele Videos mehrmals schauen, bevor ich die Selbsttests machen konnte. Mal schauen, wie ich diese Woche bei der Hausaufgabe war. Wahrscheinlich nicht so gut wie bei den ersten zwei. Man hat eine Stunde Zeit, ich hatte bei der ersten Hausaufgabe nicht mal zehn Minuten gebraucht, bei der zweiten 23 Minuten. Gestern hat es viel länger gedauert.

Mein Drucker

Ich wollte es eigentlich im Eintrag von heute Morgen schreiben und habe es vergessen. Ich habe mir Ende September oder Anfang Oktober einen Drucker für zu Hause besorgt, um alle Stellenangebote auf die ich mich bewerbe zu drucken. Ich wollte nur schwarz/weiß drucken, beidseitig, und die Möglichkeit haben, über WLAN den Drucker zu benutzen. Ein Kollege hat mir das Modell Brother HL-2250DN empfohlen. Der Drucker war noch relativ günstig, und es sollte einfach sein, generische Patrone zu benutzen, statt der original super teueren Patrone von Brother.

Anfang Dezember habe ich plötzlich eine Fehlermeldung bekommen. Der Drucker sagte „Toner leer“, und weigerte sich, weiter zu drucken. Es hat mich sehr überrascht, weil ich in der Qualität meiner gedruckten Seiten keine Probleme gesehen hatte. Ich habe den Toner raus und wieder rein getan, die Fehlermeldung war noch da. Ich habe im Internet gesucht, und bin fündig geworden. Brother soll seine Drucker mit einem Programm ausstatten, der nach einer bestimmten Zeit entscheidet, dass der Nutzer den Toner wechseln soll – unabhängig von der realen Nutzung des Druckers. Es ist allerdings einfach, das Problem umzugehen (als Notiz für mich selbst, falls die verlinkte Seite verschwindet):

• Drucker ausschalten
• Tonerklappe öffnen
• GO-Taste drücken, halten und Drucker gleichzeitig wieder einschalten
• Wenn alle LED-Lampen leuchten, GO-Taste los lassen, bis die LED-Lampen wieder aus sind
• GO-Taste zwei Mal schnell drücken und warten, bis alle LED-Lampen leuchten
• GO-Taste sechs Mal schnell drücken, anschließend soll eine LED-Lampe blinken
• Tonerklappe wieder zu machen

Das war’s, der Drucker ist nach dem Aufheizen wieder einsatzbereit. Bis heute habe ich den Toner noch nicht wechseln müssen. Nach einiger Zeit habe ich Mängel auf meinen Dokumenten gemerkt, dann habe ich den Toner raus genommen, hin und her gekippt, wieder rein getan, und es ging wieder super. Es würde mich schon ärgern, eine nicht leere Patrone weg zu werfen, zum einen, weil es teuer ist, zum anderen, weil es nicht gerade umweltfreundlich ist.

Geplanter Verschleiß von Produkten

Ein sehr interessanter Artikel zu diesem Thema in der Süddeutsche:

Plötzlicher Tod der Glühbirne

Ich erinnere mich, dass meine Eltern das schon mal erwähnt hatten, wenn die Waschmachine oder der Backofen mal ein Problem hatten. Mein Patenonkel, der ein Laden im Bereich Elektrogeräte betrieben hatte, meinte, es wäre unverschämt, wie die neuen Produkte eine immer geringere Lebensdauer hätten, obwohl man es mit dem Fortschritt in Materialwissenschaften nicht erwarten würde (ok, der Satz ist von mir umformuliert, aber so meinte er es trotzdem).

Ja, dieser ganze Zwang zum Konsumwahnsinn ist furchtbar. Es gibt aber noch schlimmere Geschichten, ja, wirklich, die für mich ein noch größerer Skandal sind, und die genau auf derselben Logik aufbauen. Ein früherer Student von mir hat es mir erzählt. Er musste während seines Studiums ein Praktikum absolvieren. Da hat er sich in unserer Stadt nach Firmen umgeschaut, und hat sich für ein Institut an der Uni entschieden, das zusammen mit einer Firma medizinische Prothesen herstellt. Am Ende des Praktikums hat er sogar ein Angebot bekommen, für diese Firma zu arbeiten. Das hat er abgelehnt. Weil er dort erfahren hat, dass die Prothesen, die hergestellt werden, absichtlich mit eingeplanten Schwachstellen gebaut werden, damit die Patienten nach einiger Zeit die Prothese wechseln müssen. Was natürlich mit einer neuen Operation verbunden ist: Narkose und ihre Risiken, danach Schmerze, Reha… Es gibt tatsächlich Leute, die sich darüber Gedanken machen, wie sie ältere Leute, die Hüfte- oder Knieprothesen brauchen, dazu bringen, immer wieder unnötigerweise operiert zu werden, nur um mehr Prothesen verkaufen zu können. Das ist ekelhaft. Den Namen der Firma wollte mein Student nicht verraten, weil er Angst hatte, dadurch Probleme zu bekommen.

Trinkschokolade

Ich habe plötzlich wieder Lust auf Trinkschokolade bekommen. Wie in meiner Kindheit, Kakaopulver in einer Tasse mit heißer Milch rühren, lecker. Ich war beim Kaufhof einkaufen und habe mir die verschiedenen Trinkschokoladenmarken genauer angeschaut. Die Liste ist nicht exhaustiv. Ich habe blöderweise das Gewicht vergessen zu notieren, die Mengen unten sind teilweise auf Internet wieder gefunden worden.

Swiss Miss, Milk Chocolate, 4,79€, 280g
Zucker, Glukosesirup, Süßmolkenpulver, Kakaopulver stark entölt, Kokosöl gehärtet, Magermilchpulver, Salz, Stabilisator: Kaliumphosphate, Emulgator: Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Verdickungsmittel: Carragen, Aroma, Dextrine, Dextrose.

Caotina Original, 5,99€, 500g
Zucker, fettarmer Kakao, Traubenzucker, Schokolade, Kalziumphosphate, Vanillin, Kochsalz, Vitamine (B1, B2, Niacin, B6, Folsäure, B12, Pantothensäure)

Krüger Trinkschokolade, 2,99€, 250g
Zucker, Süßmolkenpulver, Kakaopulver, pflanzliches Öl gehärtet, Magermilchpulver, Salz, Stabilisator: E339

Gepa Feine Bio Trinkschokolade, 3,99€, 250g
Rohrohrzucker, Kakaopulver schwach entölt, Emulgator: Soja-Lezithine

Und die Variante für die ich mich letztendlich entschieden habe:
Sarotti, 2,99€, 250g
Zucker, Kakaopulver, Emulgator: Soja-Lezithine

„Keep it simple“… Eigentlich, genau wie bei der Trinkschokolade von Gepa, ich hatte leider nicht gemerkt, dass es eine fair trade Marke ist. Beim nächsten Mal.
Interessant, dass die teuerste Trinkschokolade am meisten Mist enthält…

Gerade rechtzeitig gerettet

Da hat sich meine Mieze etwas Neues einfallen lassen. Gerade als ich ein Getränk aus dem Kühlschrank nehmen wollte, hat sie angefangen, mit etwas Längliches und Rotes auf dem Boden zu spielen. Ohne Brillen dachte ich zuerst, es wäre ein längliches Blatt von meiner Palme auf der Fensterbank, sie werden rot, wenn sie trocknen. Ich habe trotzdem näher geschaut und einen Stück Kunststoff in ihrem Mund entdeckt – ich hatte heute Nachmittag eine Packung Reiswaffeln geöffnet und anscheinend den gelben Sack nicht getroffen. Natürlich wollte ich es weg ziehen, da rebellierte meine Mieze. Wir haben uns durch die Wohnung gejagt, dabei versuchte sie, das Stück weiter zu kauen und zu schlucken. Bis ich auf die Idee kam, ein paar Leckerlies auf der Fensterbank im Schlafzimmer zu verteilen. Da war sie viel zu sehr abgelenkt, und ich konnte endlich das Stück ganz raus ziehen. Sie hatte schon eine beeindruckende Länge geschluckt.

Boah nee

Jetzt ist der andere Nachbar unter meiner Wohnung dran, der, der unter dem Wohnzimmer wohnt (die seit neulich Cannabis rauchenden Studenten sind unter meinem Schlafzimmer). Gegen 21:30 ist er mit zwei Mädels zurück gekommen, die waren schon sehr auffällig im Treppenhaus, jetzt ist Party angesagt. Laute Musik, Bufta-Bufta, Mädels schreien und jubeln, als ob sie in einer Disko wären. Manchmal denke ich, ich sollte super krass sein und mich bei seiner Mutter beschweren. Ich habe sie zufällig vor knapp zweieinhalb Jahren kennen gelernt, als ich mal wieder die Apotheke wechseln musste, um gegen meine Ischias-Schmerze Diclofenac zu kaufen. Ich war zur Apotheke neben dem Luisenhospital gegangen. Diesmal hatte ich sogar ein ärztliches Rezept dabei, also war alles kein Problem. Als sie auf dem Rezept meine Adresse gesehen hatte, meinte sie ganz überrascht, „Aber mein Sohn ist gerade dort eingezogen“. Deswegen war also in dieser Zeit so viel los in dieser Wohnung. Ich hatte damals gerade meine Wohnung mit dem vorderen Teil auf die Straße erweitert, der jetzt das Wohn- und Gastzimmer ist, als mein Nachbar, der Deutschlehrer, ausgezogen war. Dem Sohn der Apothekerin bin ich einmal unwissend auf der Kreuzung bei mir um die Ecke begegnet. Ich stand vor dem Hotel an der Ampel, er ist gleichzeitig angekommen und hat ebenfalls vor mir gestanden. Ich hatte ihn noch nie gesehen und wusste nicht, wer er war. Auf der anderen Straßenseite ist ein Mädchen vorbei gegangen, ich schätze, in den Abiturjahren vom Alter her. Anscheinend kannte er sie, er hat sie mit ihrem Namen gerufen, und dabei so dämlich spöttisch gelacht, dass ich sofort gedacht hatte, „So kriegst du keine, mein Junge“. Er hat mir sehr stark den Eindruck von einem Jungen mit sehr wenig Bildung und Verstand gelassen. Nur als wir beide vor meiner Haustür ankamen und er mit seinem Schlüssel die Tür öffnete, wusste ich, dass er mein neuer Nachbar war. Leider scheint er sich jetzt offensichtlich im Umgang mit Mädels verbessert zu haben. Direkt unter ihm wohnt meine Vermieterin. Sie soll sich darum kümmern, mir reicht’s, ständig diejenige zu sein, die sich wegen Lärmbelästigung beschwert.

Ich mache mir Sorgen

Sollte ich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgeben? Seit Tagen bin ich ohne Nachricht, meine Emails bleiben immer unbeantwortet, die letzte war von heute Morgen… Was kann denn den Mitarbeitern meines Jobcenters bei der Arbeitsagentur geschehen sein? Sind sie alle entführt worden? Angerufen habe ich nicht, aus Prinzip, bei den Preisen… Am Ende der letzten Email meines aktuellsten Bearbeiters vor zwei Wochen stand in den Kontaktdaten:

01801 555 111*
[…]
* Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min

Das heißt, Arbeitslose müssen bezahlen, wenn sie mit ihrem Bearbeiter sprechen wollen, es gibt nur diese 01801 Sonderrufnummer, die Flatrate der Telekom hilft nicht mehr weiter. Das ist ganz schön unverschämt, dass man sich noch auf dem Rücken der Arbeitslose auf dieser Weise Geld verdient. Da mache ich nicht mit.

Dabei wollte ich nur wissen, ob ich mich bei einem bestimmten Personaldienstleister bewerben sollte, da eine Anzeige von ihnen in meiner heutigen Email der Jobbörse stand. Ich hatte nie drauf geachtet, aber bei diesem Vermittlungsunternehmen stand auf der Internet-Seite, dass sie bei erfolgreich vermittelten Bewerbern 10% des monatlichen Gehaltes zu sich nehmen. Blutsäuger. Jetzt weiß ich, warum meine ehemalige Beraterin mir sagte, ich sollte die Finger von solchen Angeboten lassen. (Ist es der Grund, warum sie anscheinend nicht mehr dort arbeitet?) Wer aber einen Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur hat, kann kostenlos ermittelt werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich einen solchen Gutschein habe, oder Anspruch drauf hätte.

Dann frage ich mich, ist es nicht besser, doch auf einen Teil des eigentlich verdienten Gehaltes zu verzichten, wenn man endlich wieder arbeiten kann? Seit einigen Tagen frage ich mich schon, sollte ich nicht bezahlen, um wieder arbeiten zu dürfen? Vermittler von Arbeitskräften haben ein großes Interesse daran, Bewerber zu einem neuen Job zu schicken, vielleicht geben sie sich mehr Mühe oder können bei den Arbeitgebern mehr Druck machen, um den gewünschten Kandidaten einzustellen.

Die wichtige Frage ist: Haben sie auch eine Ahnung von den Anforderungen für die Stellen, und verstehen sie wirklich, was auf dem Lebenslauf der Bewerber steht? Ich habe da meine Zweifel. Anfang Dezember habe ich eine Jobmesse besucht und bin ins Gespräch mit dem Leiter einer solchen Personalleihfirma gekommen. Er hat mich dann schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wo ich ihm konkret erklärt habe, wo meine Stärken liegen und was meine Spezialisierung ist. Ich hätte doch vorher besser auf seiner Visitenkarte aufpassen sollen. Magister Artium. Der Mann vermittelt Ingenieure und Wissenschaftler, versteht aber nur Bahnhof davon, was sie machen sollen, er ist nur Manager. Ich habe angefangen, ihm grob und vereinfacht von Magnetismus und frustrierten Spin-Systemen in Kupferverbindungen zu erzählen, und habe seinen wilden verrückten Gesichtsausdruck gemerkt, als er mir zuhörte. Als ich von den Cu2+ Ionen erzählt habe, sagte er dann: „Ja, wir haben Kontakte mit einer Firma, die Kupfer herstellt und umformt, da könnten Sie also arbeiten“. Ich muss gestehen, ich habe mich nicht getraut, ihm zu widersprechen. Er sah so erleichtet aus, das Stichwort „Kupfer“ gehört zu haben, endlich hatte er den Eindruck, etwas zu verstehen. Mit Metallurgie habe ich aber gar nichts zu tun. Ich habe gedacht, ich wäre für seinen Job vielleicht besser als er geeignet. Ein anderes Beispiel habe ich letzte Woche bekommen. Eine Frau aus einer anderen Ingenieurdienstleistungsfirma hat mich angerufen und wollte wissen, ob ich an eine Stelle interessiert wäre. Ich habe ihr gesagt, sie sollte mir den Ausschreibungstext per Email schicken, damit ich es beurteilen kann. Die Anforderungen über die Kenntnisse waren aber sehr weit von dem entfernt, was ich studiert habe. Ich habe ihr gesagt, ich könnte es gerne machen, ich traue mir zu, die neuen Methoden zu lernen, aber ich könnte aufgrund meiner Kenntnisse nicht sofort einsatzbereit sein, da ich schon Einarbeitungszeit brauchen würde. Hätte ich vielleicht lügen sollen, Hauptsache arbeiten? Ich denke immer noch, wenn ich arbeite, will ich auch gut sein, sonst bringt es nichts, weder mir noch dem Arbeitgeber.

Geschichte eines Katers

Ich habe erst am Anfang des Jahres durch meine Vermieterin vom Kater erfahren. Er hat ab etwa Oktober angefangen, sich im Garten zu zeigen und rein bei ihr ins Haus zu wollen. Ursprünglich wollte sie ihn nicht adoptieren, weil sie dachte, er würde jemandem gehören, da er tätowiert war, und der Tod ihrer früheren Katze vor vielen Jahren hat sie sehr mitgenommen. Aber sie hat ihn rein gelassen und gefüttert, weil sie Katzen so gerne mag, und sie hat sowieso immer Katzenfutter dabei, für die gelegentlichen vierbeinigen Besucher.

Nach einigen Wochen, als der Kater täglich zu ihr gekommen ist und es kälter wurde, hat sie sich entschieden, mit ihm zum Tierarzt zu gehen. Er konnte seine Besitzerin ausfindig machen – daher kennt sie den Namen des Katers. Die Besitzerin hat aber keine Anzeige für den Kater abgegeben, weder beim Tierarzt noch bei Tasso. Meine Vermieterin wollte dann zu ihr gehen und sie darüber informieren, dass ihr Kater so häufig und lange bei ihr bleibt. Leider war sie anscheinend umgezogen, die Adresse stimmte nicht mehr (ich frage mich schon, ob das überhaupt normal ist, dass ein Tierarzt die private Adresse von anderen Kunden einfach so weiter gibt, aber egal). Entweder hat sie ihn einfach da beim Umzug verlassen, oder er hat die Flucht ergriffen, sehr viele Katzen mögen keine Umgebungsänderung – selbst unser Kater ist zum alten Haus zurück gegangen, als meine Eltern nach ihrer Scheidung das Haus verkauft hatten und meine Mutter innerhalb vom Dorf umgezogen war. Meine Vermieterin hat also den Kater vorübergehend zu sich genommen, und die üblichen Impfungen und Kuren gegen Flöhe und Würmer machen lassen, da er bei ihr nachtsüber bleiben wollte. Der Tierarzt hat ihr vorgeschlagen, beim nächsten Besuch der Besitzerin diese über seinen aktuellen Aufenthaltsort zu informieren.

Es war nun der Besitzerin anscheinend egal, da der Tierarzt eines Tages meiner Vermieterin sagte, die Frau wäre schon zu ihm mit einer neuen Katze gekommen. Das heißt, sie ist innerhalb der Stadt umgezogen, und gar nicht so weit weg, weil sie zum gleichen Tierarzt weiter geht. Sie hat sich aber nie nach dem Kater erkundigt, und der Tierarzt war dann mit meiner Vermieterin einverstanden, dass es ihm offensichtlich bei ihr besser ginge, und er wäre bei seiner früheren Besitzerin nicht so gut versorgt. Ich habe mich selber ab und zu um ihn gekümmert, wenn meine Vermieterin unterwegs ist. Er ist wirklich ein sehr lieber Kater, ganz ruhig, der keine Berührungsangst von anderen Menschen hat und sehr gerne schmust. Man merkt ihm an den Ohren, dass er viele Zeit draußen verbracht hat, weil er deutliche Spuren von Kämpfen mit anderen Katzen trägt. Ich verstehe nicht, warum seine frühere Besitzerin sich gar nicht um seinen Schicksal gekümmert hat.

Gestern ist meine Vermieterin zu meiner Etage gekommen, weil sie daran denkt, am Wochenende weg zu fahren. Sie hat erzählt, der Kater wäre vor kurzem zwei Tage lang verschwunden. Ich habe mir zuerst nichts dabei gedacht, unsere Katzen bei meinen Eltern hatten auch häufig längere Ausflüge gemacht. Aber dann sagte sie, er wäre mit einem fremden Halsband zurück gekommen. Ein Halsband wollte ihm meine Vermieterin nicht anziehen, weil die Würggefahr so groß ist – deswegen trägt meine Katze auch kein Halsband. Und er hätte sich erstmals ganz verängstigt verhalten. Zuerst wollte er nicht mehr raus gehen und hat sich nur noch mit weit geöffneten Augen auf einem Stuhl verkrochen. Ein Tag danach hat er sich wieder getraut, nach draußen zu gehen, ist aber nur im Garten geblieben, sehr ungewöhnlich für ihn. Die Vermutung meiner Vermieterin ist, dass er bei seiner früheren Vermieterin war, und diese ihn eingesperrt hat. Was hat sie ihm sonst angetan, dass er sich bei seiner Rückkehr so traumatisiert verhalten hat? Das muss sehr übel für ihn gewesen sein. Ich verstehe manche Menschen wirklich nicht.