Verhütungspille

Heute gab’s in meiner Zeitung einen Artikel über die Verhütungspillen (fr), insbesondere die der 3. und 4. Generation. Anlass war eine Veröffentlichung eines Berichtes der ANSM, indem gezeigt wird, dass die Pillen der 3. und 4. Generationen mehr als eine Verdopplung der Thrombusrisiken und Todesfälle verursachen, verglichen mit den Pillen der 1. und 2. Generationen. Die absoluten Zahlen sind nicht sehr hoch, aber das Risiko steigt trotzdem mit den neuen Pillen.

Ich habe die Pille 2001 aufgehört, als ich mich von Stefan getrennt habe. Ich habe die Pille nicht immer genommen, nur wenn ich eine Beziehung hatte. Die letzte Pille war übel. Ich weiß nicht mehr, welche Marke es war, was es drin gab und zu welcher Generation sie gehörte. Ich erinnere mich aber genau daran, wie ich mich damals beim Abbruch gefühlt habe. Plötzlich befreit. Als ob auf einmal mir eine große Last von den Schultern genommen wäre. Das Leben war wieder schön. Ich habe mich so erleichtert gefühlt, dass ich häufig am Seufzen war und allen meinen Freunden erzählt habe, wie gut es mir wieder ging. Dabei hatte ich gar nicht gemerkt, dass ich mich vor dem Aufhören der Pille schlecht gefühlt hatte.

Ich habe dann in den letzten Jahren zurückgeblickt und festgestellt, dass ich mich über Sachen total aufgeregt hatte, die mir nach der Pille völlig unwichtig erschienen haben. Ich finde diese Erkenntnis sehr erschreckend. Es mag vielleicht nicht so schlimm wie bei den Psychopharmaka sein, aber ich habe den starken Eindruck, dass meine Persönlichkeit sich mit der Pille geändert hatte. Und nicht so schlagartig wie mein Befreiungsgefühl nach Abbruch der Pille. Die Veränderung muss sehr progressiv stattgefunden haben, sonst hätten die Leute in meinem Umfeld es gemerkt und mir gesagt – hoffe ich mindestens. Ich war während der Einnahme von der Pille sehr gereizt geworden. Diese Persönlichkeitsveränderung hat bestimmt eine Rolle bei meiner Trennung mit Stefan gespielt, wobei ich denke, so schlimm war es nicht, wir haben sowieso nicht wirklich miteinander gepasst. Und ich habe mich seitdem häufig gefragt, wer bin ich eigentlich?

Wenn meine Meinungen, Stimmungen, Empfindungen durch Einnahme eines Medikamentes sich so ändern, dann bin ich nicht mehr die gleiche Person. Nur wegen ein paar Hormone… Es ist schlimmer als das. Ich habe nach der Pille gemerkt, wie empfindlich ich auf meinen eigenen Zyklus reagiere. Um den Eisprung bin ich optimistisch, manchmal sogar euphorisch. Um meine Periode bekomme ich traurigen Gedanken, bin sehr pessimistisch, schlecht gelaunt und kann sogar Tränenausbrüche haben (genau wie in den Stereotypen). Bestimmte Männer fand ich beim Eisprung sehr attraktiv, obwohl ich mich für sie während meiner Periode gar nicht interessierte. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass es von meinem Zyklus kommt. Die Stimmungsschwankungen waren nach Abbruch der Pille sehr extrem und haben sich jetzt verbessert, seitdem ich bewusst psychologisch dagegen steuere. In welchem Moment in meinem Zyklus bin ich dann die wahre ich? Das ist mir nicht klar.

Ich fand es erschreckend, weil ich noch fest an einem Leben nach dem Tod glauben wollte, und feststellen musste, dass wenn es eine Seele gibt, diese nur ein Produkt der Aktivität der Hormone und des Gehirns sein könnte. Wie auch immer, ich habe mich arrangiert, um meinen noch einzigen Glaubensstück zu erhalten – ohne Leben nach dem Tod kriege ich beim zu vielen Nachdenken wieder eine Depression wie am Anfang von meinem Studium, das muss ich nicht noch mal machen. Vielleicht erzähle ich irgendwann mal darüber. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass ich nie wieder die Pille nehmen will.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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Aktionstag in den Thermen

Ich habe mich gestern richtig auf einen Entspannungstag in den lokalen Thermen gefreut. Freunde angerufen, die konnten doch nicht mitkommen, egal, alleine geht’s auch, ich gehe so gerne hin… Mal abschalten, das habe ich wirklich nötig, letzte Woche war ziemlich anstrengend.

Knapp nach 10:00, an der Kasse begrüßt mich eine Angestellte, sie gibt mir ein Chip Coin und ich gehe rein. Runter zu meinen üblichen Umkleidekabinen… Augen reiben, nein, ich sehe richtig, alle 200 Fächer sind schon benutzt. Das habe ich noch nie erlebt. Zurück zum Erdgeschoss, um festzustellen, dass dort auch alle Fächer voll sind, ein Mann ist gerade dabei, seine Sachen im letzten unbenutzten Fach zu packen. Pfff… Das kann doch nicht sein, über 700 Menschen[1] sind an einem Montag so früh schon da? Nun, jetzt wo ich den Chip in der Hand habe, denke ich, erst mal hier bleiben, vielleicht ist es drin doch nicht so schlimm… Also hoch zur ersten Etage, es sind noch einige freie Fächer da, ich kriege einen Schlüssel, um mich umziehen zu können (Nr 786). Auf der Etage sind keine Einzelkabine; nach mehr als 10 Jahren in Deutschland habe ich mich aber an die etwas andere Definition von Anstand in Deutschland gewöhnt[2], außerdem ist die Großraumumkleide links nur für Frauen, den großen Schild mit einer skizzierten Frau und der Schrift „Nur Frauen“ an die Tür kann man nicht übersehen. Tja, unglaublich, wie viele Männer „versehentlich“ in unsere Umkleide gekommen sind. Sind sie alle blind oder zu blöd, um den Schild zu verstehen? Ich denke, sie waren einfach nur geile Böcke.

Geduscht, ab zum eigentlichen Thermenbereich… Überall nur Menschen, man weißt nicht mehr richtig, wie man sich frei bewegen kann. Ich habe es so wirklich noch nie erlebt. Selbst am Wochenende im Sommer. Na gut, ich gehe sonst immer früh nachmittags wieder weg, genau um den großen Drang zu vermeiden. Nun, da war’s relativ früh morgens, und an einem Arbeitstag auch noch. Ich gehe also Richtung Außenbecken, es ist so kalt draußen, da werden bestimmt weniger Leute sein. Ich gehe die Treppen runter zum Becken, vor mir geht eine andere Frau die Treppe ins Wasser runter. Als sie Wasser bis zur Brust bekommt beschließt sie plötzlich, schwimmend ins Wasser zu gehen. Ich bekomme mit voller Kraft ihren rechten Fuß in den unteren Bauch getreten. Auf einmal von Schmerz in zwei gebeugt, die Frau denkt auch noch, ich würde simulieren, da sie halb lachend mich fragt, ob es mir gut geht. Blöde Zicke. Hoffentlich bekommt sie das zurück bezahlt. Mir tut heute der Bauch noch ein bisschen weh. Ich hätte darauf bestehen sollen, eine Unfallmeldung zu machen, nur aus Prinzip und weil ihre Reaktion so unpassend war. So schlimm ist es auch nicht[3], aber ich möchte nicht wissen, wie es einer schwangeren Frau dabei gegangen wäre.

Nach einer Stunde Aufenthalt, in der ich mich nun wirklich nicht entspannen konnte, beschließe ich, wieder nach Hause zu gehen. Gesamte Aufenthaltsdauer: mit Duschen gerade anderthalb Stunden (wo ich sonst üblicherweise 5 Stunden bleiben kann), Erholungsgrad null, Gereiztheit aufs Maximal gedreht. Der Grund für die überfüllten Thermen: Aktionstag, Eintrittspreis um 40% reduziert. Nie wieder will ich an einem Aktionstag zu den Carolus Thermen gehen. Definitiv. Selbst mit dem Rabatt war jeder Euro zu viel, da man die in der Werbung versprochene Entspannung nicht bekommen kann. Wenigstens hätte die Frau am Eingangsbereich mich warnen können, hätte ich gewusst, wie viele Leute schon da waren, wäre ich gleich wieder nach Hause gegangen, und hätte mir den ganzen Ärger gespart. Gut, dass meine Freunde doch nicht mitkommen konnten.

[1] Kann nicht sein, also im Ernst, kann es wirklich so viele Leute in den Thermen geben? Beim nächsten Mal zähle ich die Fächer durch. Es kommt mir doch viel zu viel vor.
[2] Als meine Mami zu Besuch kam haben wir natürlich die Thermen besucht. Ich habe nicht daran gedacht, sie zu warnen; sie war schon schockiert zu sehen, dass Leute im Duschenbereich einfach ungeniert vor Anderen nackt spazieren gehen.
[3] Verflucht, mein Bauch tut mehr weh, als ich dachte. Vielleicht muss ich doch zum Arzt gehen.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.