Mein Ischias – Schmerztherapie

Teil 1Teil 2 – Teil 3

Ab zur Schmerztherapie also. Es war schon kurz vor Weihnachten als ich nach einem Termin fragte, ich bekam ihn für Ende Januar. Ich sollte im Vorfeld ein dickes Formular mit vielen Fragen füllen, über meine Schmerze, die ich auf einer Skala von 1 bis 10 mehrmals einstufen sollte, über ihre Auswirkungen auf mein Leben, ob sich mein soziales Umfeld dadurch geändert hat (ja, ich konnte von weitem nicht mehr so viel mit Freunden unternehmen und habe für die Arbeit fast nur noch vor dem Rechner zu Hause gesessen, mit der Weiterleitung meiner Büronummer zu meinem eigenen Handy), ob ich suizidale Gedanken bekommen habe (zum Glück noch nicht)… Es war sehr umfangreich und mindestens 30 Seiten lang.

Bei der Schmerztherapeutin angekommen hatte ich den Eindruck, zum ersten Mal seit dem Anfang meines Rückenproblems richtig zugehört zu werden. Das tat wirklich gut. Bei den anderen Ärzten hatte ich immer angefangen, etwas zu erzählen, die hatten aber nie wirklich Zeit, und meinten sofort, mein Problem erkannt zu haben, bevor ich zu Ende erzählt hatte. Ich hatte ja den Befund der Röntgen-Tomographie immer dabei, auf dem Stand, dass bei L4/5 sich ein „Bandscheibenprolaps von 3,5mm“ befindet, „der an die links abgehende Nervenwurzel L5 heranreicht und diese beengt“… Klarer Fall von Bandscheibenvorfall. Nur komisch für mich, dass die Ischias-Schmerze fast zwei Monaten nach dem Anfang meines Rückenproblems aufgetreten sind. Ich hatte zuerst gedacht, dass die Schmerze durch eine sich verschlimmernde Blockade verursacht wurden, meine Ärzte haben mir aber so viel von einem Bandscheibenvorfall erzählt, dass ich bei der Schmerztherapie fest überzeugt war, dass die Ursache des Schmerzes darin lag. Sonst wäre ich nicht so eifrig auf eine Operation geworden.

Umso verblüffter war ich also, als die Schmerztherapeutin sagte, laut meiner Beschreibung und Einstufung der Schmerze könnte es sich nicht um einen Bandscheibenvorfall handeln, da die Schmerze viel zu stark waren, es wäre bestimmt eine Blockade bei einem Gehgelenk. Sie hat ein paar Beweglichkeitstests mit mir gemacht, und mich zu einem Osteopathen geschickt. Wie fühlt man sich in einem solchen Moment? „Ha! Ich hatte doch recht!“ Es war bis jetzt also alles umsonst gewesen, die Cortison-Spritzen, auch die besonders schmerzhafte unter Tomographie, die Krankengymnastik mit der Anweisung, am Bandscheibenvorfall zu arbeiten… Das konnte nicht funktionieren, da der Vorfall doch als Folge der Blockade kam, und nicht als Ursache des Schmerzes. Und das nur, weil die Ärzte auf mein Bauchgefühl nicht hören wollten. Ich weiß noch, wie ich einmal ohne Schmerzmittel zum Orthopäden gegangen war, damit er mich besser untersuchen konnte, und zu Hause angekommen nur noch am Boden gleiten konnte und wegen der starken Schmerze und Verzweiflung noch gut zehn Minuten heulend liegen blieb.

Die Behandlungstermine beim Osteopathen haben meine Meinung auch bestätigt. Er fragte mich, mich nach vorne zu beugen, während er beide Daumen in den zwei Vertiefungen am unteren Teil des Rückens hielt. Dann hat er mir die Hüfte blockiert, als ich mit den Beinen abwechselnd nach vorne und hinten pendeln sollte. Nach dem zweiten oder dritten Termin habe ich schon eine deutliche Verbesserung gemerkt. Schmerzmittel musste ich noch nehmen, manchmal fragte ich mich aber, ob es wirklich notwendig war. Nach einer zweiten Überweisung zu ihm, also knapp zehn Monaten nach dem Anfang meiner Rückenproblemen, konnte ich endlich definitiv mit Diclofenac aufhören. Ab und zu habe ich die Übung vom Osteopathen gemacht, wenn ich wieder eine kleine Blockade gespürt habe (was mir schon komische Blicke von meinen Kollegen gebracht hat), ich brauche es aber immer seltener. Es war fast vor zwei Jahren.

Heute geht es mir immer noch nicht wie davor. Die Schmerze haben stark nachgelassen, aber manchmal stören sie mich schon. Die sind nur in einem Maße, in dem ich keine Schmerzmittel brauche und treten nur auf, wenn ich zu lange stehe oder unterwegs bin. Bei Vorstellungsgesprächen habe ich schon mal Diclofenac genommen, aber nur, damit ich keine unbewusste Haltung nehme, die vermitteln könnte, dass ich nicht so gut arbeiten könnte. Wenn ich bei Spaziergängen für einige Minuten sitzen kann, kann ich dann gut weiter gehen. Nach schlechten Nächten, wenn ich nicht genug geschlafen habe, spüre ich die Schmerze stärker, oder wenn ich mit dem Wecker wach werde. Es geht aber sehr langsam besser. Wie eine Feder, die nach starker Beanspruchung langsam zu ihrem Gleichgewicht zurückkommt, so fühlt sich die Verbesserung in meinem Rücken an. Immerhin bin ich gut 8-9 Monaten blockiert geblieben. Seit einigen Monaten kann ich sogar ein bisschen zum Fitness-Studio zurück gehen, um auf den Geräten Kardiotraining zu machen. Nur ganz vorsichtig, übertreiben will ich nicht. Primär geht es mir darum, mich wieder fit zu fühlen, auch wenn ich nichts dagegen hätte, die in dieser langen Zeit ohne Sport zugelegten Kilos wieder los zu werden.

Damit bin ich dem Wunsch meiner Freundin Mei nachgegangen, die meinte, ich sollte doch die ganze Geschichte mal aufschreiben.

Teil 1Teil 2 – Teil 3


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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5 Gedanken zu “Mein Ischias – Schmerztherapie

  1. Dass du so viele Fortschritte gemacht hast und der Schmerz sich gebessert hat, freut mich. Auch dass du nicht fälschlicherweise eine Operation über dich ergehen lassen musstest und die Schmerztherapeutin die richtige Diagnose gestellt hat. Sobald man in der Ischiasbehandlung wieder leicht Sport machen kann, ist man wirklich schon ein Stück weiter und dann geht es meist auch bergauf. Ich habe mal ein wenig bei den aktuellen Beiträgen gelesen und zum Beispiel gesehen, dass du auf den Seychellen warst. Ich hoffe, dass du es dort schmerzfrei genießen konntest.

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