Jedes Mal wenn die Sonne scheint

Vierzehn Jahren her bin ich für mein Studium nach Deutschland umgezogen. Es war damals ein noch warmer September, als ich wie jeden Tag den steilen Weg zum Institut ging. Links, auf der anderen Seite der Einbahnstraße, standen zwei älteren Männer vor einem Auto mit hochgeklappten Motorhaube. Einer der beiden Rentner, der einen Hut trug, rief zu mir: „Entschuldigung!“ Als ich mich näherte fragte er dann, ob ich Zeit hätte. „Wofür?“, wollte ich wissen. Breites Lächeln. „Ich wohne hier in dieser Straße, wir könnten bei mir Kaffee trinken. Ich mache auch gerne Fotos und fände Sie als Modell interessant.“

Schluck. „Nein“, ich war nicht daran interessiert, und wollte gleich weiter gehen, er musste mir aber unbedingt seine Telefonnummer in die Hand drücken. Die ich gleich in den nächsten Mülleimer geworfen habe. Das war aber leider nur die erste Begegnung. Denn jedes Mal, wenn die Sonne scheint und die Temperaturen sich erhöhen, treffe ich ihn auf dieser Straße, wo ich nach dem Studium noch jahrelang gearbeitet habe, und werde von ihm angesprochen. Egal ob er allein ist oder mit seinem Kumpel von damals, zu Fuß, auf dem Fahrrad oder im Auto… Und so häufig, dass ich jetzt für andere unwissende Fußgänger als unhöfliche Person gelte, da ich auf seine „Guten Tag“ oder „Verzeihung“ gar nicht antworte und ihn völlig ignoriere. Es sind schon vierzehn Jahre, und in all der Zeit ist mein ständiges Ablehnen immer noch nicht in sein Gehirn durchgedrungen.

Ich habe übrigens durch Diskussionen mit meinen Kolleginnen erfahren, dass ich nicht die einzige bin, die so häufig von ihm belästigt wird.


Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

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