Blechkuchen mit Mirabellen

Der erste Einsatz vom Backofen seit dem Umzug. Vorher war es eh zu warm um zu backen.

Die gemahlenen Mandeln habe ich zum Teig gegeben, weil sie verbraucht werden mussten. Ohne Mandeln kann man 300 g Mehl statt 250 g nehmen.

Die Mirabellen kommen aus dem Pasinger Viktualienmarkt.

Die Zutaten (für 12 Stücke)

  • 250 g Mehl
  • 50 g gemahlene Mandeln
  • 1/2 Päckchen Backpulver
  • 150 g Zucker
  • 3 Eier
  • 200 g Butter
  • 125 mL Buttermilch
  • 1 Esslöffel Schnaps (vorzugsweise Mirabellenschnaps, aber ich wollte keine ganze neue Flasche für den einen Kuchen kaufen und habe Kirschwasser aus dem Clafoutis benutzt)
  • 1 kg Mirabellen
  • Puderzucker

Die Zubereitung

  • Die Mirabellen putzen, trocknen, halbieren und entkernen.
  • Den Backofen bei 180 °C Umluft vorheizen.
  • In einer großen Schüssel, die sanft geschmolzene Butter mit dem Zucker schäumig schlagen.
  • Die Eier mit der Butter-Zucker-Mischung rühren.
  • Mehl, gemahlene Mandeln und Backpulver in der Schüssel zu einem Teig rühren.
  • Zuerst Buttermilch hinein rühren, dann Schnaps.
  • Der Teig ist am Ende nicht sehr fest. Nicht so flüssig wie für Crêpes, aber er fällt schnell vom Schneebesen zurück in die Schüssel.
  • Ein Backblech mit Backpapier belegen.
  • Den Teig auf dem Backpapier glatt streichen.
  • Die Mirabellenhälfte auf dem Teig verteilen.
  • Den Kuchen 40 Minuten bei 180 °C im Backofen backen lassen.
  • Kuchen raus nehmen, abkühlen lassen und mit Puderzucker bestreuen.

Nährwertangaben

pro Stück fürs Rezept
Energie (kcal) 356,8 4282
Eiweiß (g) 5,8 69,3
Kohlenhydrate (g) 40,2 482,4
davon Zucker (g) 25,1 301,1
Fett (g) 17,8 213
Ballaststoffe (g) 2,1 24,6

Ich finde die Kalorienanzahl pro Stück heftig. Eventuell könnte man nur 100 g Butter nehmen und dafür so Pi mal Daum insgesamt 200 mL Buttermilch benutzen, um den Verlust an Flüssigkeit zu kompensieren. Der Teig schmeckt auch recht süß, obwohl ich die Zuckermenge aus dem ursprünglichen Rezept halbiert habe. Meiner Meinung nach reichen 100 g locker.

Im Nahhinein… Andererseits sind die Stücke ganz schön groß. Halbiert man sie, ist es schon nicht mehr so schlimm. Das Rezept ist dann eher für 24 Stücke.

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Ich habe Steam für mich entdeckt

Daher heißt es ab jetzt endgültig: Tschüß Windows!

Seitdem meine Windows-Festplatte letztes Jahr den Geist aufgegeben hat, hatte ich mit Divine Divinity ein paar Sachen unter Ubuntu ausprobiert, und war beim Wine stehen geblieben. Nachteil: Ich konnte das Spiel nicht im Vollbildmodus spielen, weil es recht instabil war. Das Spiel ist häufig abgestürzt, bis ich beschlossen habe, lieber in dem kleinen Fenster zu spielen.

Ich hatte lange gedacht, ich sollte dann weiter mit der Installation von anderen Spielen in Wine vorgehen, wie Baldur’s Gate. Eine Anleitung hatte ich mir sogar ausgesucht, aber dazu bin ich doch nie gekommen. Zu aufwendig.

In letzter Zeit dachte ich, ich sollte mir vielleicht einen neuen Rechner mit Windows 10 kaufen. Um zu schauen, ob ich meine alte Spiele noch drauf installieren kann. Wenn die CDs noch heil sind. Das ist auch etwas, was mir ein bisschen Sorgen macht. CD-Laufwerke wird es nicht immer geben. Und wenn die CDs unlesbar werden, was mache ich aus meinen Spielen?

Und eigentlich, die ganze Zeit gab’s schon Steam! Wo ich meine Lieblingsspiele auch für Linux herunterladen kann!!! Gut, der Nachteil ist, dass man die Spiele neu kaufen muss. Obwohl ich die schon habe. Aber sie auf CDs für Windows zu haben, und deswegen nicht mehr spielen zu können, ist, wie wenn ich die CDs nicht mehr hätte. Bei Steam sind die Spiele immer verfügbar, selbst wenn ich Ubuntu neu installieren muss. Die Spiele bleiben in meinem Konto (so lange es Steam gibt).

Ich habe Baldur’s Gate Enhanced Edition getestet. Die Installation lief in Steam unglaublich schnell und unkompliziert. Als angenehme Überraschung: Das Spiel wurde noch verbessert! Ja, klar, Enhanced Edition halt, der Name sagt es schon. Das Spielen ist komfortabler geworden, zum Beispiel löst jetzt das Öffnen vom Inventar die Pause aus (vorher konnte man währenddessen angegriffen werden)… Und es gibt neue Charaktere.

Es kann also gut sein, dass ich mich hier rar mache. Wenn ich nicht fleißig mein MVV-Tagebuch pflege, beseitige ich das Chaos in Faerûn. Es ist eh zu warm, um etwas anderes zu unternehmen.

Der Iberia-Alptraum

Ich soll demnächst für eine Dienstreise nach Spanien. In den Norden.

Ich dachte am Anfang naiv, jetzt, wo ich im privaten Sektor arbeite, müsste ich mich nicht mehr selber um Reiseplanung kümmern. Falsch. Die Zeiten der peniblen Auseinandersetzungen für die Erstattung von Reisenkosten bei jedem Euro zu viel sind zwar vorbei, Taxifahrten werden sogar selbstverständlich zurück bezahlt, aber ich darf weiterhin selber alles organisieren. Was es mir schon an Zeit und Nerven gekostet hat, für diese eine Reise! Dabei habe ich bis jetzt nur versucht, eine Flugverbindung zu buchen.

Es ist nicht so, als ob ich noch nie vorher Flüge gebucht hätte. Im Gegenteil. Mit Iberia war’s aber das erste Mal. Und das Letzte, wage ich mal zu behaupten.

Die Verbindung habe ich durch Google Flights gefunden. Preislich und zeitlich unschlagbar. Die anderen Fluglinien in der Preiskategorie haben häufig eine ganze Nacht zwischen beiden Flügen für meine Strecken. Direktflüge gab es nicht. Bei den teuren Flügen landet man schon oberhalb von 1500€. Viel zu viel.

Ich bin dem Link von Google Flights gefolgt, um meine ausgewählte Verbindung auf der Website von Iberia zu buchen. Google Flights benutze ich auch nicht zum ersten Mal. Nachdem ich bei Iberia alle meine Daten eingetragen habe, wollte ich zahlen. Und da ging es los: Jedesmal, nach dem Klick auf dem Knopf zum Bezahlen, habe ich eine Fehlermeldung bekommen. Es gab „Verbindungsprobleme“ mit der Webseite, die die Bezahlung genehmigen soll. Selbst nach der Deaktivierung von Ghostery und Werbeblockern, und nachdem ich die Popups in Firefox wieder erlaubt habe. Am Ende hatte ich schon die Faxen dicke, weil die Webseite von Iberia meine Verbindung irgendwann nicht mehr anzeigen wollte. Ich musste wieder über Google Flights die Verbindung suchen, und dort war sie plötzlich um 80€ teurer!

Da in der Fehlermeldung die Möglichkeit angegeben war, die Buchung zu reservieren, ohne zu bezahlen, habe ich es gemacht. Eine Buchungsbestätigung ist per Email angekommen, mit dem Hinweis, dass ich bis morgen Zeit hätte, um zu bezahlen. Bei der Fehlermeldung war auch eine Telefonnummer angegeben: 06950073874. Verzweifelt, habe ich dort angerufen. Zuerst musste man Zahlen auswählen: „Drücken Sie die 1 für…“ Für was denn? Die Stimme auf dem Band war kaum zu verstehen! Eine Sekretärin, die Deutsch als Muttersprache spricht, hat aus ihrem Telefon angerufen und konnte nicht besser als ich verstehen. Nicht vollständig, gehackt… „Es muss die 1 sein“, meinte sie nach einer Weile. Ich habe die 1 gewählt. Die anderen Fragen waren leicht besser zu hören. Als ich alle Zahlen angegeben hatte, dachte ich, es würde eine Weile dauern, bis jemand ran geht. Angenehm überrascht war ich, als sich ein Mann sofort meldete. Ich habe meine Buchungscode angegeben. Er konnte sehen, dass ich mehrmals erfolglos versucht hatte zu bezahlen. „Welchen Browser benutzen Sie?“ „Firefox,“ war meine Antwort. „Versuchen Sie Internet Explorer oder Google Chrome,“ hat er vorgeschlagen. „Wenn es nicht klappt, rufen Sie wieder an.“

Also zurück zum Rechner… Eigentlich dürfte schon die Webseite für Firefox funktionieren. Eine Schlamperei ist das, wenn nicht alle gängigen Browser unterstützt werden. Es ging sowieso schnell. Mit Internet Explorer, das ich sonst nie benutze, kam die gleiche Fehlermeldung. Und nach Herunterladen und Installation von Google Chrome kam ich auch nicht weiter.

Nochmal angerufen. Natürlich war ein anderer Mitarbeiter dran. Ich habe das Problem von vorne wieder geschildert und ergänzt, dass die Fehlermeldung beim Bezahlen unabhängig vom Browser auftritt. Er hat angefangen, irgendwas an seinem Rechner zu machen, keine Ahnung was, und hat auf einmal mit einer plötzlich wärmerer Stimme gefragt, ob ich denn schönes Wetter in München hätte. Ich, völlig aus der Bahn geworfen: „Ja!“ Menno… Man weiß doch, dass man bei Telefonaten mit Hotlines niemals „Ja“ sagen soll! Bei einer Hotline von einer Fluggesellschaft wird es aber nicht passieren, dass ich plötzlich eine Rechnung für einen Vertrag bekomme, von dem ich noch nie was gehört habe, oder? „Wird das Gespräch aufgenommen?“ „Ja,“ sagte er. Ich habe darauf bestanden, dass die Aufnahme gelöscht wird. Der Mitarbeiter klang danach nicht mehr so freundlich.

Weiter ging’s mit der Bearbeitung meiner Buchungsdaten. Er fragte viele Details, die er eigentlich aus meiner Buchung sehen sollte. Es klang, als ob er die Buchung von vorne wieder machen würde. Nach der Frage zur Telefonnummer sagte ich, dass ich das Häckchen zur Nichtsendung von Newslettern angeklickt hatte. „Dann mache ich das auch“, sagte er. Ich habe den Verdacht, dass er es sonst unerwähnt gelassen hätte. Das war auch ein Unding, dieses Häckchen auf der Webseite, wo man die Zahlungsdaten angibt. Mittlerweile ist man darauf konditioniert, kein Häckchen zur Sendung von Newslettern zu setzen. Auf Iberia muss man das Häckchen setzen, um keine Newsletter zu bekommen.

Wie es weiter ging… Er wollte gerade meine Kreditkartenummer abfragen, aber es ging nicht so schnell… Und plötzlich war die Telefonverbindung weg. Ich stand da mit dem Handy am Ohr und hörte nur noch „Tut tut tut“. „Der wird wohl zurück rufen, meine Nummer hat er ja,“ habe ich gedacht, als ich zurück zum Büro gegangen bin. Hat er nicht. Ich bin wieder dem Link zur Bearbeitung von meiner Buchung aus der Email gefolgt, doch hieß es, die Buchung könne nicht gefunden werden.

Diese Reise kann nicht gefunden werden. Möglicherweise wurde sie storniert. Bitte wenden Sie sich an die Stelle, wo die Reise gebucht wurde, um weitere Informationen zu erhalten. (4649) (4649)

Jetzt verstehe ich, warum wir alle Daten nochmal durchgehen mussten. Ich habe jetzt auch keine Buchungscode mehr, um mich an die Hotline zu wenden. Und nachdem ich schon zwei Stunden lang, ein Viertel meiner heutigen Arbeitszeit (!), damit verbracht habe, habe ich die Schnauze voll. Von mir aus kann jemand anders nach Spanien reisen.

Die Umzugsarbeiten gehen voran

Der Umzug ist schon seit zehn Tagen abgeschlossen. Ich hatte mir drei Tage Urlaub genommen, um dabei zu sein. Der Ehemann war an dem Mittwoch in Berlin, weil er am Anfang der Woche das Leeren der Wohnung beaufsichtigen musste, während ich hier gearbeitet habe, und danach für die Mieter ab August putzen und Spuren auf den Wänden beseitigen wollte.

Die Jungs von zapf haben am Mittwoch die ganzen Möbel zur Wohnung hoch getragen und zusammen gebaut, die Kartons geschleppt, angefangen aufzuräumen und die leeren Kartons wieder mitgenommen. Am Donnerstag gegen elf Uhr morgens waren sie fertig. Alles machen lassen, keinen Finger rühren, und gleich danach kann man wie vorher in der Wohnung leben. Das war die Idee, es kam anders.

Ein Teil des Chaos kam dadurch zustande, dass wir in Berlin zwei Arbeitszimmer hatten, hier aber nur einen Raum, den wir uns teilen. Dieser Raum ist oben, und es gibt Dachschräge. Also mussten die zwei Meter hohen Bücherregale aus den Arbeitszimmern unten ins Wohnzimmer unterbracht werden. Die Kartons mit deren Inhalten wurden aber alle mit „Arbeitszimmer“ beschriftet, von wem auch immer. Darauf stand, aus welchem Regal die Sachen stammen, aber entziffern konnten es die Jungs nicht immer, und sie haben zuerst auch gar nicht darauf geachtet. Es half nicht, dass nicht alle da waren, die in Berlin eingepackt haben. Drei der Jungs waren aus dem Münchener Raum und nur zum Entladen am Umzug beteiligt.

Die Jungs haben alle Kartons ins Arbeitszimmer gebracht und standen plötzlich vor dem Problem, dass der Raum schon voll war, und viele Kartons noch rein „mussten“. Weil eben deren Inhalt jetzt im Wohnzimmer gehört. Erst dann haben sie mich gerufen und gefragt, wohin mit dem Rest. Außerdem hatten sie den Raum voll mit Kartons gefüllt, obwohl noch Möbel für diesen Raum montiert werden mussten. Sie waren nicht begeistert, die Kartons zwischendurch zum Nachbarraum bringen zu müssen, aber ich verstehe nicht, warum sie nicht zuerst alle Möbel zur Wohnung gebracht haben und erst dann die Kartons.

Aufgeräumt haben sie, irgendwie. Ich hatte sie darum gebeten, mir die Kartons mit den Büchern ins Wohnzimmer zu bringen, und ich würde die Bücher selber aufräumen, aber das haben sie nicht verstanden. Oder wollten es nicht verstehen, ich weiß es nicht. Ich konnte ein paar Bücherstappel vorbereiten, den Rest hatten die anderen Jungs schon in irgendwelchen Schränken verstaut, wo sie ursprünglich nicht gehört hatten, da es Schränke unter der Dachschrägen sind, die die Vermieter für uns gelassen hatten. Ich musste am Freitag alle Bücher ausfinding machen und habe zwei Tage gebraucht, um sie auf den Regalen zu sortieren. Um dann zuzusehen, wie der Ehemann seine von mir liebevoll sortierte Bücher umsortiert hat.

Die Küche war ein Graus. Als ich die Schublade mit dem Besteck geöffnet habe, wurde mir klar, dass die Jungs keine Ahnung davon haben, wie eine Küche funktioniert. Wahrscheinlich kocht noch Mama für sie. Alles war ein gemischtes Durcheinander. Die Gläser waren sehr chaotisch im Schrank verteilt. Die Gewürze und Vorräte waren überall verstreut. Das musste auch ordentlich wieder sortiert werden. Ich hätte es lieber von vorne rein selber gemacht, aber es gehörte zum Vertrag, dass sie alles „aufräumen“ und die leeren Kartons entsorgen. Beleidigt hat es sie ein bisschen, als ich vorgeschlagen habe, dass sie alles in Stapeln lassen und ich selber weiter mache.

Begeistert war ich nicht, dass nichts in der Küche angeschlossen werden konnte. Dafür konnten die Umzugsleute nichts. Für die Spüle und die Spülmaschine fehlt das Eckventil. Es müsste zur Wohnug gehören, meinen sie, aber die Vermieter haben es scheinbar bei ihrem Auszug mitgenommen. Ich habe da keine Ahnung, und in dem halben Jahr, seitdem ich schon hier wohne, ist es dem Ehemann nicht aufgefallen. Bis jetzt hatte ich mein Geschirr in dem kleinen Spülbecken im Badezimmer gespült. Das muss ich erstmals weiter so machen. Das Herd konnte auch nicht angeschlossen werden, da eine spezielle Steckdose fehlt. Die Vermieterin war gestern hier, nachdem der Ehemann ihr das Problem geschildert hatte. Sie meinte, die Steckdose wäre wohl da, sie wurde nur zugespachtelt, und für uns also unsichtbar. Sie steht jetzt hinter einem sehr schweren, langen Möbelteil mit Granitplatte. Blöd für uns. Wir müssen darauf warten, dass ein Handwerker kommt und die Steckdose frei macht. Solange kann ich nicht kochen. Abgesehen davon, hätte ich keine Lust, große Töpfe im Badezimmer zu putzen.

Fürs Wochenende hatte ich mir den Kleiderschrank vorgenommen. Wir haben ihn von den Vermietern bekommen. Er wurde genau fürs Schlafzimmer angefertigt und erstreckt sich über eine ganze Wand bis zur Decke. Super praktisch mit Schiebetüren. Ich habe gestern unsere Kleidung aufgeräumt. Und was macht der Ehemann heute? Er räumt wieder alles um. Vermutlich eine Ingenieur-Macke. Soll er weiter machen. Ich liege jetzt auf der Couch.

Eine schwere Heimfahrt

Darauf bin ich nicht stolz, aber mein Tagebuch ist auch nicht da, um die schlechten Sachen auszublenden.

Ich habe mich gestern Abend überraschenderweise mit Pawel in der Stadt verabredet. Es hätte nicht so überraschend sein dürfen. Bei unserem letzten Treffen in Berlin hatte er erwähnt, dass er in Kürze nach München kommen würde. Ich hatte es vergessen. Als seine Nachricht gestern nach der Mittagspause kam, habe ich natürlich meine Pläne verschoben[1] und mich mit ihm verabredet.

Wir haben uns in einem tollen Burger-Lokal getroffen. Ich dachte, wir könnten vielleicht dabei das England-Kroatien-Spiel gucken. Nicht, dass ich viel Wert drauf lege. Fußball interessiert mich nicht. Aber mit Kollegen kann man es sich antun. Gestern gab es tatsächlich einen Fernseher im Lokal, und von der Terrasse aus konnte man das Spiel sehen. Mit einem Detail: Es war doch nicht England-Kroatien, sondern Frankreich-Belgien. Sagte ich schon, dass Fußball nicht meine Stärke ist?

Wir haben Bier getrunken. Viel Bier. Pawel kann Unmengen trinken. Ich kenne nicht viele Polen persönlich, aber die, die ich kenne, trinken viel. Wie Pawel. Blöd war nur, dass ich selber nicht aufgepasst habe und munter mit bestellt habe. Im Nachhinein: Bläh, sage ich nur. Wie konnte ich so dumm sein? Ach ja. Der Sieg musste gefeiert werden. Klar. Fußball ist mir so was von egal. Eigentlich. Aber ein Bier geht doch noch. Frankreich hat gewonnen. Nochmal Bläh. Um Mitternacht haben wir als letzte Gäste das Lokal verlassen, weil der Barman schließen wollte.

An der U-Bahn-Station haben wir uns getrennt. Wir mussten in entgegengesetzten Richtungen fahren. Ich merkte schon, wie mein Mund anfing, sich ganz betäubt anzufühlen. Die Zunge vor allem. Nicht gut. Ich habe noch dem Ehemann um 00:15 am Stachus angeschrieben, dass ich besoffen auf dem Weg nach Hause war und eine halbe Stunde auf die S8 warten musste. „Nimm dir ein Taxi,“ schrieb er zurück. „Nee, schlechte Erfahrung,“[2] war meine Antwort.

Ab dann kann ich mich am Ablauf der Rückfahr nicht mehr so gut erinnern. Stand ich wirklich in Pasing, bis die S8 angekommen ist? Das kann nicht sein. Es muss am Stachus gewesen sein. Oder habe ich eine Bahn bis Pasing genommen und bin dort ausgestiegen? Und warum habe ich Pawel über Whatsapp dieses Foto von einer U-Bahn-Station geschickt, das ich einige Tage zuvor aufgenommen hatte?

Jedenfalls erinnere ich mich daran, dass ich zuerst auf einer Bank gesessen habe, bis sich eine Person neben mir hingesessen hat und eine Zigarette anzünden wollte. Ich bin aufgestanden und habe weiter weg im Stehen auf die Bahn gewartet. Ich bin eingestiegen, als die S8 angekommen ist. Ich habe noch wahrgenommen, wie Leute in Neuaubing ausgestiegen sind und habe gedacht, „ein Nickerchen darf sein, aber vergiss nicht, in Neugilching auszusteigen“. Ha! Das nächste Mal, als ich die Augen öffnete, standen die Türe breit offen, und eine Person stieg aus, als eine Durchsage „Weßling“ ankündigte. Wie, Weßling? Ich bin ganz schnell ausgestiegen.

Weßling. Halb zwei. Immer noch betrunken. Kein Taxi in Sicht. Und vermutlich fährt um die Uhrzeit keine S-Bahn mehr in die andere Richtung[3]. Kann es schlimmer werden? Ich informiere den in Berlin längst schlafenden Ehemann über Whatsapp über mein Missgeschick, nachdem ich den Hinweis über den niedrigen Akku-Stand weg klicke. Nach dem Senden der Nachricht schaltet sich das Handy von alleine aus. Tschüß, Feierabend. Mein Akku war noch am Morgen voll geladen. Der hält keinen Tag mehr durch.

Ich stehe also um halb zwei am Bahnhof Weßling, voll betrunken, im Dunkel, mit niemandem herum und ohne Handy, um mich zu navigieren oder doch ein Taxi anzurufen.

Zu Fuß nach Hause, also. Wenigstens war ich schon mal in Weßling, den Weg dürfte ich in Erinnerung haben, auch wenn ich damals nicht zum Bahnhof gekommen war. Ich gehe in die Richtung, aus der die Bahn gekommen ist. Muss schon stimmen. Ich gehe und gehe und sehe keine Schilder. Als ich endlich hinter mir ein Auto höre, winke ich frenetisch. Der Fahrer hält an! Und sagt gleich in einem für mich nicht identifizierbaren ausländischem Akzent, er hat keine Zeit, er muss zur Arbeit. Ich will nur wissen, in welcher Richtung Gilching liegt. „Zurück!“, ruft er, und fährt weiter. Na gut. Ich gehe zurück und komme zu einem Kreisverkehr. Stand er vorher wirklich schon da? Ein Schild zeigt mir die Richtung nach Gilching. Es sind 4,2 oder 4,8 Kilometer, so genau weiß ich nicht mehr. Ich gehe auf dem Radweg. Zwei Autos fahren in die gleiche Richtung wie ich vorbei und bremsen nicht mal, als ich auffällig winke. Soviel zum Thema Hilfsbereitschaft in Bayern. Als ich am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt vorbei gehe, weiß ich wenigstens, dass ich mich nicht verlaufen habe. Den Weg erkenne ich wieder.

Um 02:15 bin ich zu Hause. Ich falle ins Bett, nachdem ich mir die Zähne geputzt habe und dem Ehemann eine beruhigendere Nachricht schicken konnte. Der hat eh die ganze Aufregung durchgeschlafen.

Es hätte schlimmer sein können. Ich hätte in Herrsching aufwachen können.

[1] Heute hat nämlich unser Umzug aus Berlin statt gefunden, nachdem die Jungs schon zwei Tage lang unsere Sachen aus der alten Wohnung gepackt haben. Ich wollte gestern Abend im Voraus einige Sachen vorbereiten. War im Nachhinein betrachtet doch nicht wichtig. Der Umzug ist übrigens noch nicht fertig, morgen geht es weiter.

[2] Stimmt. Darüber habe ich noch nicht geschrieben.

[3] Geprüft. Tatsächlich wäre die nächste S8 nach Hause um 04:57 angekommen.

Zum letzten Mal nach Berlin pendeln

Wir sitzen seit schon fast drei Stunden in dem Zug. Aktuell haben wir etwas wie zwanzig Minuten Verspätung. Es ist uns in unserem exklusiven Abteil in ersten Klasse egal. Exklusiv, weil außer uns keiner einen Sitzplatz in dem Abteil reserviert hat. Die Verbindung hatten wir gebucht, weil sie ziemlich günstig war, auch wenn ich dafür den halben Tag frei nehmen musste[1]. „Wir“, weil der Ehemann mitreist. Wir haben morgen eine Abschiedsfeier in unserer Berliner Wohnung geplant, bevor der Umzug nächste Woche statt findet.

Der Grund für die Verspätung ist „eine technische Störung am Zug“. Das könnte erklären, warum wir nahe Nürnberg so sehr geschüttelt wurden. Es muss irgendeine Resonanz gegeben haben, die den ganzen Wagen extrem zum Ratteln gebracht hat.

Wir fahren auch nicht die schnellste Strecke nach Berlin. Fünf Stunden (oder zwanzig Minuten mehr, mit der Verspätung) sind aber immer noch ein Luxus, verglichen mit November, als man noch fast sieben Stunden für die Fahrt brauchte. Oh, wir bleiben wieder mitten im Nichts stehen. Bei Truckenthal, sagt mein Navi. Gerade hat es fürchterlich gestunken, als ob etwas brennen würde. Und wir fahren weiter los.

Heute bin ich platt, und ich kann mich schwer für die Abschiedsfeier morgen begeistern. Schlafmangel. Aus irgendeinem Grund wache ich regelmäßig um halb sechs auf, selbst wenn es reichen würde, mit dem Wecker um sieben aufzustehen. Ich bin immer vorher wach. Vor Mitternacht kann ich aber schlecht einschlafen. Daher habe ich in letzter Zeit weniger Sport gemacht. Ich fühle mich nicht gut genug. Heute kommen leichte Kopfschmerze dazu. Ich habe die erste Stunde im Zug gedöst, bin aber trotz Cola wieder platt. Daran, dass ich überhaupt Cola trinke, erkennt man, wie schlecht es mir geht. Ich bin sonst mit Wasser sehr zufrieden. Der andauernd wechselnde Druck wegen den vielen Tunnels hilft jetzt auch nicht. Wenigstens ist der Brenngeruch vorbei.

Vielleicht bin ich allgemein müde. Seit Januar habe ich ununterbrochen gearbeitet und bin regelmäßig an Wochenenden zwischen München und Berlin gependelt. Außerdem geht jetzt die Arbeit in eine Richtung, die mir nicht wirklich gefällt. Unsere neue Leitung hat beschlossen, dass die Wissenschaftler mehr Management-Aufgaben bekommen sollen. Ich inklusiv. Ich bin plötzlich für Verträge verantwortlich, mit denen ich bis dahin nichts zu tun hatte, und über die ich kaum informiert wurde, und muss schauen, dass ich die richtigen Ansprechpersonen finde, um sicher zu stellen, dass die Projekte rechtzeitig laufen. Dafür habe ich nicht Physik studiert! Mit Physik hat meine Stelle jetzt auch nur wenig zu tun, aber meine Programmierfähigkeiten und letzten wissenschaftlichen Arbeiten waren der Grund für meine Einstellung! Das hat bis jetzt auch Spaß gemacht! Aber Management? Bläh. Deswegen war mir eine Karriere als Professorin oder Gruppenleiterin nie attraktiv. Als Wissenschaftler hat man scheinbar nur wenige Jahre, wo die Arbeit richtig spannend ist, egal ob an der Uni oder in der Industrie. Danach muss man sich mit Gremien, Berichten, Erklärungen für die Nichteinhaltung von Fristen und anderen langweiligen Tätigkeiten rumschlagen, ob man es will oder nicht. Hmf.

Noch über eine Stunde bis Berlin. Ich versuche wieder zu schlafen.

[1] Bin ich froh, jetzt nur halbe Tage frei nehmen zu können! In meiner früheren Arbeit in Berlin war das nicht möglich.

Sonntag in Cambridge

Wir sind am Sonntag letzter Woche recht spät aufgestanden, da wir nach dem Abendessen in London den letzten Zug nach Cambridge bekommen haben, der um Viertel vor zwei ankommt. Es war nach zwei Uhr morgens, als wir zu den Freunden vom Ehemann angekommen sind. Und drei, als wir endlich im Bett waren. Um elf aufgestanden.

Der Tag war also kurz. Wir haben zuerst gemütlich im Garten gefrühstückt. Es war schön sonnig und warm. Ich habe uns ein Avocado-Feta-Aufstrich mit Zitronensaft gemacht. Der Ehemann hat Rührei mit Tomaten vorbereitet. Das kann er sehr gut.

Wir haben uns gegen zwei auf den Weg zum Stadtzentrum gemacht. Diesen Teil von Cambridge mit der bunten Brücke hinter dem Bahnhof kannte ich noch nicht, obwohl ich vorher schon zweimal da war. Ich war sonst immer zur anderen Seite vom Bahnhof in Richtung Stadt gelaufen. Als wir am Pub vorbei gingen, hörte es sich an, als ob gerade ein Fußball-Spiel liefe.

Tatsächlich war England gerade am Spielen. Nicht, dass es mich sonderlich interessiert. Aber an dem Tag war es gut, weil wir eine Tour mit Stechkahn machen wollten, und wir dachten, es würde dadurch nicht so viele Leute auf der Cam geben.

Gestartet sind wir von der Magdalene Street aus. Wir haben eine Tour um 15:45 bekommen, die Dreiviertelstunde dauern sollte. Genug Zeit, um danach zum Bahnhof zu gehen, denn ich musste zurück zum Flughafen und hatte geplant, den Zug um 17:25 zu benutzen.

Punting, oder Stechkahn fahren, hat eine 3000 Jahre alte Geschichte, erzählte uns unsere Begleiterin, eine Studentin in einem der vielen Colleges in Cambridge. Früher wurde es hauptsächlich für Handel benutzt. Deswegen gibt es auf Flußseite ab und zu ein paar Türe zu den Gebäuden, wie in Venedig. Die Cam war doch recht gut besucht, es gab ab und zu Kollisionen. In allem war es aber sehr angenehm.

Die Holzbrücke ist die berühmte Mathematiker-Brücke, so genannt weil die Kurve aus tangentialen geraden Bögen entsteht. Als ich das letzte Mal in Cambridge war, wurde mir von einem Einheimischen erzählt, „dass die Brücke ursprünglich nur aus Holz bestand, und Studenten sie eine Nacht zum Spaß auseinander genommen haben und danach keiner sie mehr zurück bauen konnte, deswegen gibt es heute Nägel“. Dies, informierte uns unsere Begleiterin, ist nur ein von vielen Mythen, die über diese Brücke erzählt werden aber nicht wahr sind.

Auf dem Rückweg sind wir an einem Chor vorbei gegleitet. Die Studenten vom King’s College waren am Singen, und zwar so schön, dass unsere Begleiterin erstmal nichts mehr erzählt hat. Danach waren wir wieder am St John’s College, dessen Gebäude perfekt symmetrisch gebaut wurde, außer für die Adler-Statue, die angeblich den Kopf zur Seite dreht, um die verachteten Rivalen vom Trinity College nicht zu sehen. St John’s gehört auch die Seufzerbrücke, die aber nichts mit der gleichnamigen Brücke in Venedig zu tun hat. Ich glaube nicht, dass sich schlecht benehmende Studenten auf dieser Brücke zu ihrer Todesstrafe geführt wurden.

Nachdem die Tour doch eine ganze Stunde gedauert hat, sind wir in ein Taxi gesprungen. Ich konnte am Bahnhof eine Fahrkarte noch kaufen, bevor ich in den Zug eingestiegen bin. Erst dort habe ich die Email gemerkt, die ich während der Taxi-Fahrt bekommen habe: Der Flug um 20:15 war jetzt für 21:30 geplant! Verdammt!

Fast alle Flüge in Stansted waren verspätet, und die Leute haben sich massenweise in diesem einen zentralen Raum gepackt, weil man die Gate-Information nur Dreiviertelstunde vor Abflug dort mitgeteilt bekommt. Es war eine sehr lange Warterei. Etwas shoppen, und die Zeit zu vertreiben? Es waren so viele Leute unterwegs, dass ich kein Bock dazu hatte. Ich bin Richtung Gates >80 gegangen und habe dort eine ruhige Zone mit freien Sitzplätzen im Flur gefunden. Es war auch kein offizieller Wartebereich. Ich hätte theoretisch bei der Frau hinter ihrer Theke eine Begründung abgeben sollen, warum ich in verbotener Richtung zurück zur Wartehalle gehen wollte, wenn sie nicht in dem Moment einen Ansturm von Leuten bekommen hätte.

Statt um elf Uhr abends in München zu landen, waren wir am Ende erst um Viertel nach zwölf aus dem Flugzeug raus. Die allerletzte S8 nach Hause sollte um 00:44 abfahren. Wie sollte ich es schaffen? Ich hatte kein Gepäck, aber ich kenne mich im Flughafen München gar nicht aus! Ich bin wie eine Irre gerannt und zwei anderen Personen gefolgt, die ebenfalls gerannt sind. Mir haben die Lungen am Ende gebrannt, als wir zur Passkontrolle angekommen sind. Die Passkontrolle hatte geschlossen. Niemand war da und alle Ausgänge waren gesperrt. Selbst die elektronischen Lesegeräte für die Pässe liefen nicht. Der Mann, dem ich gefolgt war, hat eine Klingel entdeckt und diese betätigt. Eine überraschte Polizistin ist aus einem Nebenraum gekommen. Sie wurde gar nicht informiert, dass ein verspäteter Flugzeug angekommen war. Echt eine Schlamperei.

Ich hatte Glück und bin als erste durch gekommen. Doch kein so großer Glück, weil ich danach nicht wusste wohin. Der Mann, der gerade die Rolltreppe putzte und mich verwirrt ankommen sah, hat mir die ungefähre Richtung gezeigt. Die Beschilderung war nicht zu verstehen. Als ich raus kam, konnte ich nicht erkennen, durch welche Tür ich zum anderen Gebäude gehen sollte, wo man zur S-Bahn gelangt. Es war alles dunkel. Die drei Sicherheitsleute waren auch nicht hilfreich und haben nur zugeguckt, wie ich nach der Tür gesucht habe. Es gibt nur Glaswände, finde die Glastür dazwischen…

Am Ende konnte ich am Automaten eine Anschlusskarte zu meinem Abo kaufen, bevor ich in die Bahn eingestiegen bin. Das hätte ich mir sparen können, keiner hat kontrolliert. Um zwei Uhr morgens war ich zu Hause. Die ganze Woche habe ich mich nur noch müde gefühlt.

Samstag in London

Gemeint ist Samstag vor einer Woche. Der Ehemann ist auf langer Motorragtour und besucht bei der Gelegenheit einige Freunde, bevor unser Umzug statt findet. Daher haben wir uns am letzten Wochenende in England getroffen.

Ich bin am Freitagabend von München aus nach Stansted geflogen. Ich dachte, ich hätte mit Lufthansa gebucht, aber sie haben mir einen Flug mit Eurowings angedreht. Der kam eine Stunde später als geplant. Ich hatte schon nachmittags leichte Kopfschmerze im Büro gehabt. Im Flugzeug wurde es zu einer richtigen Migräne mit Übelkeit und allem. Zum Glück hatte die Stewardess Aspirin. Gepriesen sei diese Frau. Nochmal zum Glück hatte ich einen Sitzplatz in der allerletzten Reihe und keine Sitznachbarn, obwohl das Flugzeug recht voll war. Ich konnte mich hinlegen und schlafen. Beim Aussteigen ging es schon besser.

Die Freunde leben in Cambridge und ich bin mit dem Zug dahin gefahren. Wir haben in der Stadt bei einem Vietnamesen gegessen und sind dann schlafen gegangen. Es war spät. Am Samstag wollten wir den Tag in London verbringen.

Am Vormittag waren der Ehemann und ich alleine unterwegs. Nach ein bisschen Shopping sind wir in Richtung Carnaby Street gegangen. Der Ehemann wollte unbedingt hin. Auf dem Weg sind wir an NOPI vorbei gegangen. Schöne Fotos konnte ich nicht machen, weil sich davor viele Kontainer mit Müll von der Baustelle um die Ecke angereiht hatten. Egal, ich hatte uns einen Tisch für den Abend reserviert.

Wir sind durch die engen Straßen geschlendert und zum Kingly Court gekommen. Ein Hof voll mit Restaurants. Mich interessierte in dem Moment vor allem die Toiletten, und ich muss sagen, ich habe selten welche gesehen, die dreckiger waren als dort. Von vier waren zwei völlig unbenutzbar, und die dritte war besetzt. Was bringt Frauen dazu, sich so ekelhaft zu verhalten? Der Ehemann erlebt sowas nie.

Von Carnaby Street war der Ehemann enttäuscht. Die Straße hat viel von ihrem ursprünglichen Charakter verloren. Jetzt findet man nur noch mainstream Läden, wie überall. Die Schlange vor dem Cupcake Laden war beeindruckend. Ein Kunde in der Schlange trug sogar ein T-Shirt vom Laden. Hardcore Cupcake Fan. Auf den Fotos sind die Leute ohne erkennbare Gesichter, Datenschutz oblige.

Wir sind einfach so ohne Ziel gelaufen. Auf dem Weg zum Piccadilly Circus sind wir am italienischen Restaurant von Jamie Oliver vorbei gelatscht. Kurz danach haben wir die Demo zum „Exit From Brexit“ getroffen. Es waren sehr viele Leute da, ich schätze, noch mehr als beim March For Science letztes Jahr in Berlin.

Am alten War Office konnte man das London Eye sehen und ich habe vorgeschlagen, dahin zu gehen. Auf dem Weg ging’s durch die Whitehall Gardens (klein). Die Themse haben wir über die Golden Jubilee Bridges überquert. Auf der anderen Seite der Brücke war viel los. Hier ist die Touris-Ecke. Die Schlange zum Riesenrad war auch riesig, und ich habe beschlossen, dass es doch nicht so spannend sein kann. Es war sowieso wolkig, die Aussicht konnte nicht so toll sein. Dazu kommt die Umweltverschmutzung, die in London beachtlich ist und die Luft noch trüber macht.

Wir haben uns auf den Weg zum Hyde Park gemacht, wo wir uns mit den Freunden vom Ehemann treffen wollten. In dem Park leben viele Tiere. Die Eichhörnchen fand ich süß. Die bunten Sittiche hatte ich nicht erwartet. Auf der Arche von Henry Moore ist ein Reiher gelandet.

Beim überqueren der Serpentine ist uns das letzte Werk von Christo aufgefallen, eine schwebende ‚Mastaba‘, die aus über 7000 Ölfässern besteht. Auf der anderen Seite der Brücke sind wir zum Diana Memorial gekommen. Der Anblick von den Kindern, die bei der Hitze im Wasser gespielt haben, war zu verlockend. Ich habe die Ballerinas ausgezogen und bin auch im Wasser geplatscht.

Wir haben anschließend ein Glas in einem Kneipengarten getrunken. Es gab viele Familien von Enten, Schwänen und Blässhühnern mit putzigen Kindern unterwegs. Die Kastanien waren am blühen. Ziemlich spät. Ich erinnere mich, dass wir mal im Biergarten am chinesischen Turm Ende April waren, als die Kastanien in München geblüht hatten.

Endlich war es Zeit, essen zu gehen… Auf dem Weg haben wir uns das Albert Memorial angeschaut. Um das Memorial befinden sich vier Gruppen von Statuen, eine pro Kontinent. Äh. Kurze Pause. Ich hatte doch in der Schule von fünf Kontinenten erzählt bekommen… Ach so. Nicht mal Wikipedia ist sich einig, wieviele es gibt.

Als ich vor Europa stand, kam eine kleine Gruppe von Jugendlichen vorbei. „Also, mit Europa hat das nichts zu tun“, meinte einer autoritativ auf Englisch, der offensichtlich noch nie was von griechischer Mythologie gehört hat.

Zum Schluß, das, worauf ich mich die ganze Zeit gefreut hatte: Abendessen bei NOPI! Es war nicht so voll. Ich hatte spät gebucht, aber ich hätte mehr Gäste erwartet. Vielleicht sind sie jetzt alle beim ROVI. Ich war schon mal hier essen, in November mit Kate, aber damals hatte mich der Akku von meinem Handy im Stich gelassen. Diesmal hatte ich die Kamera dabei. Für Aufnahmen bei schwachem Licht ist sie leider nicht gut. Ich wollte auch nicht mit Blitz Fotos machen, wir waren primär zum essen da und die anderen Gäste wollte ich nicht stören.

Nach einem Aperitiv (Jasmine & Edelflower „tea“ für mich), sind wir nach unten gegangen. „Downstairs“ ist die Karte nicht so ausführlich wie „Upstairs“, dafür hat man den Blick zur Küche. Man sitzt an großen Tischen mit anderen Gästen zusammen.

Wir haben uns viele Vorspeisen zum Teilen bestellt, die nicht alle fotografiert wurden. Auf den Kohlrabi-Apfel-Salat war ich sehr gespannt und ich war begeistert! Die getrüffelte Polenta-Stäbchen wollte der Ehemann haben. Die hatte ich schon zu Hause gemacht. Als Nachtisch habe ich die Financiers bestellt. Eigentlich konnte ich nicht mehr. Aber es musste probiert werden. Wir haben sie uns geteilt.

Zum Schluß ein Besuch der Toiletten mit den vielen Spiegeln, viel erfreulicher als am Vormittag in Kingly Court (und ja, das bin ich):

Spaziergang am Biotop Stoawies’n

Gestern Nachmittag hatte ich Zeit. Ich hatte einen Termin mit Vodafone-Technikern zu Hause, weil ein Problem mit meiner Internet-Verbindung festgestellt wurde. Selber habe ich nichts bemerkt, aber scheinbar hatte ich nicht die Geschwindigkeit, die dem Tarif entspricht. Doch nicht so sorgenfrei, der Umzug. Ich musste den halben Tag dafür frei nehmen.

Der Termin war ab 16:00 und um 13:00 habe ich die Arbeit verlassen. Das Wetter war angenehm. Ich habe beschlossen, ein bisschen zu laufen. Bis zum Bahnhof Gräfelfing ist die Strecke schön, an Feldern vorbei. Letzte Woche wimmelte es dort nur von Mäusen, die gut getarnt aber nicht leise an den langen Blättern der Pflanzen geknabbert hatten. Gestern war das Feld geerntet und es war ganz still.

Nach den Feldern kommt man zum Biotop Stoawies’n:


Die ehemalige Erdbeerwiese mit steinreichem, nährstoffarmem Boden, wie der Name suggeriert, wurde vor einigen Jahren in ein Biotop für bedrohten Pflanzenarten umgewandelt. Dafür wurde der Boden noch nährstoffärmer gemacht, und Mähgut aus der Garchinger Heide und dem Schloss Nymphenburg wurde angesiedelt. Die neuen Bewohner bewundere ich seit längerer Zeit, seitdem ich ab und zu da lang spaziere. Gestern konnte ich einige Nahaufnahmen vom Weg aus mit dem Handy machen:

Eine besondere Überraschung ist an mir vorbei geflogen und hat lange genug an den nelkenartigen Blumen geschnuppert: