Möhrensalat mit pochiertem Ei

Ein guter Diät-Salat. Sowohl wegen der Kalorienanzahl, wenn man es als einzige Speise fürs Abendessen vorbereitet, als auch wegen der Zubereitung. Karotten reiben kann sich nach einer Weile wie Krafttraining anfühlen.

Die Zutaten (für eine Person)

  • 1 große Karotte
  • 50 g Rucola
  • 1 Ei, kalt
  • 1 Teelöffel Olivenöl
  • Saft einer halben Zitrone
  • Essig, weiß
  • Salz
  • Pfeffer

Die Zubereitung

  • Die Karotte schälen und beide Ende abschneiden.
  • In einem tiefen Teller, den Rucola auf dem Boden flach anrichten.
  • In einem kleinen Topf, Wasser mit einem Schuss Essig zum Kochen bringen.
  • Währenddessen, in einer großen Schüssel, die Karotte händisch reiben. Das dauert, vor allem wenn man das Rezept für mehrere Personen zubereitet, aber geschmacklich kommen die verzehrfertigen geriebenen Karotten aus der Packung nicht ran.
  • Olivenöl und Zitronensaft mit einer Prise Salz in der geriebenen Karotte gut verteilen.
  • Hitzestufe für das Wasser so reduzieren, dass es danach nicht mehr sprudelt aber warm bleibt.
  • Die geriebene Karotte auf dem Rucola anrichten.
  • Das Ei aus der Schale lösen und in eine kleine Schüssel oder Tasse geben.
  • Das Ei im Wasser vorsichtig gleiten lassen, so dass es noch zusammen bleibt. Ab jetzt darf das Ei nicht länger als zwei Minuten im Wasser bleiben.
  • Mit einem Löffel, das Wasser sofort in eine Richtung so rühren, dass ein Wirbel entsteht. Darauf achten, dass das Ei am Boden vom Topf nicht kleben bleibt, und dass der Wirbel erhalten bleibt.
  • Mit einem Schaumlöffel, das Ei nach zwei Minuten herausnehmen und abtropfen lassen.
  • Das Ei in eine Vertiefung der geriebenen Karotte legen. In der Mitte einschneiden, damit das flüssige Gelb raus fließt.
  • Leicht pfeffern.

Nährwertangaben

fürs Rezept (eine Portion)
Energie (kcal) 189
Eiweiß (g) 9,3
Kohlenhydrate (g) 12,7
davon Zucker (g) 12
Fett (g) 10,5
Ballaststoffe (g) 5,5

Frühlingsvorbereitungen

Wir haben den regnerischen Sonntagnachmittag auf der Terrasse verbracht. Der Ehemann hat neue Blumenkästen geholt, um endlich die alten, undichten Kästen von den vorherigen Eigentümern der Wohnung zu ersetzen. In der Zeit habe ich einen anderen Erbstück beseitigt, eine Kletterpflanze, die schon bei unserem Umzug ganz vertrocknet war. Wir hatten uns bis jetzt nicht um diese Ecke der Terrasse gekümmert. Nun sollen Bohnen dort eingepflanzt werden. Sie klettern auch ganz schön.

Meinerseits hatte ich schon letzte Woche erste Vorbereitungen getroffen. Im Samenladen um die Ecke habe ich mir ein kleines Gewächshaus und Quelltabletten für die Züchtung von Pflanzen besorgt. Vorgesehen sind Thai-Basilikum, Skabiosen und Schokoladenblumen. Letztere sollen nach Schokolade riechen und Schmetterlinge und Bienen anziehen. Ich bin gespannt. Die ersten Keimlinge strecken schon den Hals:

Platz für einen Basilikum ist schon neben dem umgepflanzten Oregano vom letzten Sommer vorgesehen. Ich hoffe, der Oregano wird dieses Jahr wieder kommen. Ich weiß nicht, ob ich den richtig geschnitten habe. Der zweite Basilikum soll in einen Topf kommen.

Eine Überraschung haben wir erlebt, als wir die wilde Blumenmischung für Bienen umgepflanzt haben. Ein Neuling hatte sich im Kasten unbemerkt eingeschlichen. Beim Anfassen vom Kasten ist mir der Geruch von Thymian stark in die Nase gekrochen. Thymian? Wir hatten mal einen Topf auf der Terrasse, aber die Pflanze war uns eingegangen. Dieser muss von den Bienen oder Spatzen hierher transportiert worden sein. Dass er uns bis jetzt noch nicht aufgefallen war!

Einige Blumen hat der Ehemann ebenfalls ganz lieb mitgebracht und gleich eingepflanzt, weil ich mich am Samstag nicht so gut gefühlt hatte:

Über die Kuhschellen mit Schachbrettmuster habe ich mich besonders gefreut. Sie werden in ihrem Topf bleiben.

Ein Anruf der Arbeitsagentur

Ich bin letzte Woche im Urlaub angerufen worden. Die Nummer war versteckt, auf dem Display stand nur „Privat“. Normalerweise Grund genug für mich, um nicht ran zu gehen. Vor allem, da ich mich im Ausland befand und mit meinem O2 Vertrag für jeden eingehenden Anruf 0,75€ zahlen muss. Aber vielleicht war es doch etwas Wichtiges. Ich bin also vorsichtig mit meinem in solchen Fällen üblichen, nichts verratenden französischen „Allo?“ ran gegangen. Nach einer kurzen Verzögerung: „Guten Tag, ich bin Frau Dingsbums von der Arbeitsagentur, mit wem rede ich?“ Da sie angegeben hatte, von der Arbeitsagentur zu sein, habe ich nach einer ebenfalls kurzen Verzögerung meinen Nachnamen verraten. „Gut, das ist die Person, mit der ich reden wollte.“ Eine gute Dosis typisches deutsches Misstrauens, gleich am Anfang vom Gespräch.

Ab dem Zeitpunkt habe ich mich schon gefragt, warum sie mich anruft. Hätte ich meinen Arbeitsvertrag nicht verlängert bekommen, wäre ich ab dem 1. März arbeitslos geworden. Mein Vertrag wurde aber verlängert. Ich hatte natürlich schon im Februar meine Daten auf der Jobbörse der Arbeitsagentur aktualisiert, sobald ich den Vertrag unterschrieben hatte. Also hatte ich es sofort versucht. Das hatte sich als doch nicht so einfach erwiesen. Dazu eine etwas längere Erläuterung.

Ich habe mich schon mehrmals als Arbeitssuchende eintragen müssen. Beim ersten Mal, nach meiner Doktorarbeit, als eine Internet-Verbindung zu Hause für mich noch nicht in Frage kam, hatte ich zusammen mit einer Bearbeiterin des noch Arbeitsamtes ein Profil samt Lebenslauf erstellt. Ich habe erzählt und sie hat eingetragen. Ich habe mich danach für die kurze Dauer der Arbeitslosigkeit nicht mehr darum gekümmert, da ich keinen Zugang zu meinen Daten hatte. Ich hatte sowieso keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und musste daher keine Bewerbungsversuche vorweisen, da ich, zu meiner großen Überraschung, in den dreieinhalb Jahren meiner Beschäftigung an der Uni keinen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung bezahlt hatte. Ich konnte damals beim Unterschreiben vom Arbeitsvertrag kein Deutsch, aber es wurde drin auch nicht erwähnt… Oder lag es daran, dass ich gleichzeitig als Doktorandin an der Uni angemeldet war und somit einen Studentenstatus hatte? Wie auch immer.

Viele Jahre später, als ich wegen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und trotz vieler Bewerbungen wieder arbeitslos wurde, habe ich mit neuen Zugangsdaten von zu Hause aus mein Lebenslauf aktualisieren wollen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Bearbeiterin Jahre zuvor ziemlich viel Müll reingeschrieben hatte. Bestimmte Stichwörter passten nur ungenau, einige Fähigkeiten stimmten einfach nicht. Die Beschreibung von Tätigkeiten lag total daneben. Blöderweise konnte ich nichts editieren, weil ich keine Rechte dazu hatte. Für meinen eigenen Lebenslauf in meinem eigenen Profil! Ich habe die Jobbörse deswegen nicht mehr benutzt und mir die Mühe auch nicht gegeben, die neuen Arbeitserfahrungen zu erfassen. Es war auch nicht so, als ob ich jemals von einem Arbeitgeber über diese Plattform kontaktiert worden wäre…

Ich habe mich zuletzt im Dezember als Arbeitssuchende gemeldet. Mit Verspätung, da ich auf Arbeit ziemlich viel zu tun hatte, und erst nachdem mir bewusst wurde, dass es ganz bequem online geht. Wenn man Zugangsdaten hat. Meine alten Daten habe ich nicht mehr gefunden. Außerdem war ich umgezogen, hatte inzwischen geheiratet und einen neuen Namen… Viel einfacher, sich ein neues Profil anzulegen. So konnte ich sauber mein Lebenslauf von vorne richtig angeben, damit die Jobbörse doch nützlich wird. Einige Zeit später bin ich von einer freundlich klingenden Frau der Arbeitsagentur angerufen worden, um Details über meine Anmeldung zu besprechen. Ich habe erwähnt, dass ich früher schon als Arbeitssuchende angemeldet war, und sie meinte, sie würde beide Konten zusammenfügen. Ich habe darauf bestanden, das alte Lebenslauf zu vergessen und nur das neue zu behalten. Kurz danach kamen Briefe mit neuen Zugangsdaten. Meine gespeicherten Nutzernamen und Passwort, die ich mir mühsam ausgesucht hatte, konnte ich vergessen.

Als ich im Februar die Verlängerung von meinem Arbeitsvertrag in der Jobbörse angeben wollte, habe ich die neuen Zugangsdaten benutzt. Es ging nicht. Eine Nachricht ist erschienen, in der stand, dass mein Konto stillgelegt wurde und ich mich an eine Hotline wenden musste. Am Telefon habe ich dann erfahren, dass die Stilllegung aufgrund der Zusammenfügung meiner alten und neuen Konten statt gefunden hatte. Die Frau hat mir neue Zugangsdaten am Telefon diktiert und das Konto entsperrt. Warum hatte ich dann im Dezember nach dem ersten Telefonat neue Zugangsdaten bekommen? Und warum bin ich nicht schriftlich über die Sperrung von meinem Konto in Kenntnis gesetzt worden? Das weiß nur die Arbeitsagentur, falls es wirklich eine Begründung dafür gibt. Und beim Bearbeiten von meinem Lebenslauf habe ich festgestellt, dass es neue Einträge gab… Alle meine bisherige Einträge wurden dupliziert, aber die Kopien darf ich nicht editieren. Die Kontenverwaltung bei der Jobbörse ergibt für mich keinen Sinn.

Ich habe also im Februar die Verlängerung meines Arbeitsvertrages angegeben, und war deswegen nicht wenig überrascht, letzte Woche von der Arbeitsagentur angerufen zu werden. Das oben angefangene Gespräch lief in etwa weiter so: „Sie haben angegeben, bis zum 28. Februar beschäftigt zu sein.“ „Äh, nein, mein Arbeitsvertrag ist verlängert worden, wie ich in meinem Lebenslauf in der Jobbörse eingetragen habe.“ „Sie hätten sich am 1. März als arbeitslos in der Arbeitsagentur persönlich anmelden sollen.“ „Wie gesagt, mein Arbeitsvertrag wurde verlängert, ich bin nicht arbeitslos. Das habe ich in meinem Lebenslauf bereits angegeben.“ Kurze Pause. „Ah ja, sehe ich…“ „Habe ich etwas vergessen zu tun, um Sie darüber in Kenntnis zu setzen?“ „Hmm, dann sollten Sie aber am ersten Tag der Arbeitslosigkeit zur Arbeitsagentur kommen, um sich als arbeitslos anzumelden. Sie können es aber auch früher machen, Sie müssen nicht bis Ende Dezember warten.“ Erstaunen meinerseits, das wusste ich nicht und es trifft sich gut, da ich sonst am 2. Januar dort erscheinen soll, was den üblichen längeren Besuch bei den Eltern ausschließt. Meine Frage hatte sie aber nicht geantwortet. „Was hätte ich zusätzlich machen sollen, damit Sie wissen, dass ich doch nicht ab dem 1. März arbeitslos bin?“ Keine Antwort, sondern gleich die Ankündigung: „Dann werde ich Sie wohl als Arbeitssuchende abmelden.“ „Nein, bitte nicht! Bis Dezember ist es nicht lang, ich will weiter als Arbeitssuchende bleiben!“ „Na gut, ich melde Sie nicht ab. Auf Wiederhören!“

Ich muss prüfen, dass ich immer noch als Arbeitssuchende gemeldet bin. Wenn ich weiß, wo ich danach suchen muss. Sonst verpenne ich bestimmt wieder die nächste Anmeldefrist.

Dienstreise abgesagt

Ich hätte heute zu einer Tagung fahren sollen. Aber. Mir geht es immer noch nicht so gut, wie ich es erwartet hatte. Ich habe schon im Urlaub gemerkt, dass ich noch psychologisch ziemlich instabil bin. Ich kriege häufig einen Kloß im Hals und muss mich dann zusammen reißen, um nicht auf der Stelle in Tränen auszubrechen. Auch wenn ich abgelenkt bin. Wie soll ich da für ein paar Tage weit weg verreisen und einen Vortrag halten?

Zum Glück habe ich den besten Chef überhaupt, den man sich wünschen kann. Nicht nur, dass er mich während der Schwangerschaft so viel unterstützt hat, jetzt zeigt er nach der Fehlgeburt so viel Verständnis! Wenn ich nicht in der Lage bin, zur Tagung zu fahren, soll ich aus gesundheitlichen Gründen absagen. Punkt. Gemacht. Ein Nachgeschmack von Versagen ist trotzdem da. Die kleine Stimme flüstert mir ins Ohr, „Stell dich nicht so an, du Jammerlappen!“. Körperlich geht es mir ja gut. Die Stimme weiß nicht, wovon sie redet.

Ich brauche noch Zeit für mich, um mich besser zu fühlen. Ich habe mich heute um mich gekümmert. Statt zur Arbeit zu fahren, bin ich zuerst zum Fitnessstudio gegangen. Anderthalb Stunde Wassergymnastik, obwohl die Frauenärztin mich davon abgeraten hatte. Ich habe zwei Kurse hintereinander mitgemacht. In der Sauna war ich auch[1]. Danach habe ich zu Hause gearbeitet. Mein Hausarzt hatte mir angeboten, mir nach Bedarf nach dem Urlaub eine neue Krankschreibung zu geben. Das will ich zur Zeit nicht, weil ich zu Hause arbeiten kann.

Der Arzt hatte mir auch Antidepressiva verschrieben, weil ich Schlafprobleme hatte. Ich habe die Tabletten gekauft, aber noch nicht benutzt. Depressiv bin ich nicht. Ich will die ganze Zeit heulen, das ist doch das Gegenteil von einer Depression, wo man sich nur noch leer und antriebslos fühlt. Was sollen die Tabletten? Womöglich ändern sie mein Verhalten, und dann bin ich nicht mehr ich. Das fand ich schon furchtbar, als ich die Pille ausgesetzt hatte. Da ich keine Gefahr für mich selbst darstelle, sehe ich nicht ein, dass ich Antidepressiva schlucken sollte. Außerdem schlafe ich wieder gut, seit letzter Woche.

Ich bleibe also zu Hause, statt nach Skandinavien zu fliegen. Mit den Streiks an den Flughäfen hätte ich sowieso nicht fliegen können. Wie gut, dass ich mich immer noch nicht darum gekümmert hatte, Flug und Hotel zu buchen. Die Folien zu meinem Vortrag habe ich den Veranstaltern geschickt. Ein der Veranstalter ist eigentlich Uschi, unser ehemaliger Chef. Er kennt mein Thema und hat sich angeboten, um den Vortrag für mich zu halten. Ich habe dadurch weniger schlechtes Gewissen, nicht zur Tagung zu fahren. Theoretisch hätte ich auch von zu Hause aus mit Skype oder ähnliches den Vortrag halten können. Mir fehlt dafür die Ausstattung. Weder Mikrofon noch Kamera habe ich am Rechner angeschlossen. Ich habe sowas nie gebraucht.

[1] In der Dusche bin ich einem gut gebauten jungen schwarzen Mann begegnet, und ich war schockiert darüber, wie sehr ich mich plötzlich zu ihm angezogen gefühlt habe. Wilde Fantasien sind mir durch den Kopf gegangen. Das nach einer frischen Fehlgeburt, und obwohl ich doch so glücklich verheiratet bin! Ein Eisprung ist auch nicht so schnell zu erwarten, der solche Hormonschübe erklären würde. Ich habe schließlich immer noch Schmierblutungen. Ich habe mir die Haare schnell gewaschen und bin aus dem Wellnessbereich auch schnell weg gegangen.

Der Urlaub ist vorbei

Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Schnee und ich passen nicht zusammen. Ich weiß, ich war schon mal in verschneiten Bergen. Es war damals nur für ein Wochenende. Und wir waren damals auch nur zu zweit, was viel entspannter als letzte Woche war. Denn wir waren mit einem Teil seiner Familie im gleichen Urlaubsort. Nicht in der gleichen Unterkunft, aber täglich zusammen. Und obwohl wir uns gut vertragen, es ist für mich nicht so schön wie wenn wir alleine zu zweit Urlaub machen. Ich bin nur dazu gekommen, weil der Ehemann so darauf bestanden hatte. Ich war noch nie dort. Er hätte von mir aus alleine mit seiner Familie die Woche dort verbringen können, wie er es sonst immer gemacht hat.

Das Hauptproblem war der Schnee. Sagen wir so, Gleitsportarten sind nicht meine Stärke. Wenn es in Berlin ein bisschen glatt ist, breche ich schon in Panik aus und bewege mich nur noch sehr langsam vorwärts, auch wenn ich Spikes trage. Ich nutze jede Gelegenheit aus, um mich an Gegenständen fest zu halten. Am besten ist es, wenn der Ehemann mir zur Seite steht und ich mich verkrampft an seinem Arm fest klammern kann. Wie die ganze Zeit letzte Woche. Während die Familie tagsüber die Zeit auf den Skiern verbracht hat, bin ich mit Schneeschuhen gewandert. Das Einzige, was mir im Schnee Spaß macht. Damit ist man am Boden fest verankert und läuft keine Gefahr, weg zu rutschen. Und wenn ich nicht am Wandern war, war ich im Spa zu finden. Das war toll. Fast so toll wie die Carolus Thermen in Aachen. Nur viel teurer.

Nicht nur mit Schnee habe ich Probleme. Sobald ich den Boden nicht fest unter meinen Füßen spüre, stehe ich (oder liege ich) völlig hilfslos da. Das fing schon in der Grundschule an, als wir in der zweiten Klasse im Sportunterricht Rollschuhe tragen mussten. Die Sorte mit zwei Rädern vorne und zwei Rädern hinten. Ich glaube, in der Vorstellung der Lehrerin war es so, dass man Kinder nur in Rollschuhe packen muss, und alles von selbst läuft. Kinder lernen schnell. Nicht bei mir. Ich habe die meiste Zeit damit verbracht, auf dem Po zu fallen, oder gegen die Wand am Ende vom Hof zu klatschen, bis sie eingesehen hat, dass es bei mir keinen Zweck hat. Ich durfte danach nur noch bei den anderen Schülern zu gucken, obwohl ich mich an frustrierende Übungsversuche im Garten zu Hause erinnern kann. Einige Jahre später hatte eine Freundin ein Skateboard bekommen, weil es so cool war, und es hatte keine Sekunde gedauert, bis ich schmerzhaft auf dem Steißbein gefallen war. Inline-Skates habe ich gar nicht ausprobiert. Ski fahren habe ich nie lernen wollen, obwohl ein zweiwöchiger Aufenthalt in den Alpen zu diesem Zweck ebenfalls in der Grundschule geplant war. Ich habe stattdessen die zwei Wochen in einem anderen Klassenzimmer ausgesessen. Im Gymnasium hatten wir einen Tag in der Eishalle in Nizza verbracht, und es ging, so lange ich mich am Rand festhalten konnte. Versuche auf der Mitte der Eisfläche sind auf dem Hinten abgebrochen worden, wobei ich das Pulli von einem guten Freund ziemlich gezerrt habe. Es ist ein Wunder, dass ich Fahrrad fahren kann. Vielleicht hilft, dass ich dabei die Arme auf dem Lenker benutzen kann, um die Balance zu halten.

Ich bin also froh, wieder in Berlin zu sein. Nicht nur wegen des Schnees. Im Urlaub war alles teurer. Berlin ist fürs essen gehen schon ziemlich günstig in Deutschland, ich habe schlimmeres gesehen. Frankreich ist teurer, und so ein erhobenes Skiressort in den Alpen umso mehr. Für eine Portion Pommes kann man locker 10€ ausgeben. Knapp 20€ für ein Teller Spaghetti Carbonara. Und ich habe noch nicht die Flasche Champagne à 9500€ erwähnt, die von Russen an Nachbartischen tatsächlich bestellt wurde. Bescheuert. Natürlich musste ich viele Sachen essen, die ich in Berlin nicht täglich sehe. Bavette à l’échalote (ich durfte während der Schwangerschaft gar kein blutiges Fleisch genießen, was ich doch so liebe), magrets de canard à la framboise (Entenbrust mit Himbeersauce)… Alles sehr lecker, das hat sich gelohnt. Wir haben viel ausgegeben, und ich habe es noch nicht gewagt, mich auf der Waage zu stellen. Ich fürchte, ich könnte über die 70 Kilogramme zurück gekommen sein.

Und wieder unterwegs

Kaum bin ich nicht mehr krank geschrieben, bin ich auf Dienstreise. Gut, es ist nur halb so schlimm. Wir hatten schon länger Urlaub geplant, und es hatte sich zufällig ergeben, dass ich mit anderen Wissenschaftlern in der Nähe vom Urlaubsort etwas bearbeiten wollte. Die einen haben Verbesserungsvorschläge für Programm#1, die anderen wollen Programm#2 testen. Ich hatte die Idee, dass ich einen Tag früher verreisen könnte und habe Termine für Besprechungen vereinbart. Also morgen. So war es mir nicht zu stressig, und ich musste nicht als Schwangere mehrmals zum gleichen Ziel hinfliegen. Schwanger bin ich nun leider nicht mehr, aber es ist mir immer noch angenehmer, Urlaub und Dienstreise so zu kombinieren. Es wird mich auf jeden Fall ablenken. Und es ist mir egal, dass ich dabei morgen zur Besprechung unter anderen zufällig mit einem Ex-Freund verabredet bin. Es ist so lange her, es spielt keine Rolle mehr. Ach so, aber erwähnen tue ich es trotzdem, was?

Wo ich bin? Eine Wissenschaftsstadt in der Nähe von Bergen. In der Heimat. In den Bergen wollen wir Urlaub machen. Der Ehemann kommt morgen nach. Wir haben uns heute kurz am Flughafen getroffen, da er aus seiner Dienstreise gerade zurück kam und ich zu meiner weg musste. Er hatte übrigens nachmittags einen Vorstellungsgespräch, und es hat so gut geklappt, dass er in Kürze den neuen Arbeitsvertrag in den Händen halten darf. Es freut mich so sehr für ihn. Der Job klingt viel interessanter, er wird nicht mehr so häufig verreisen müssen, und das Gehalt stimmt viel besser als momentan. Sein jetziger Chef wird blöd gucken. Morgen Abend stoßen wir an. Ich darf ja wieder.

Blöd war heute das Fliegen. Ich hatte keinen direkten Flug, sondern musste in Frankfurt umsteigen. Der erste Flug ist mit einer halben Stunde Verspätung aus Berlin gestartet, weil es Probleme mit einer Sitzplatzreservierung gab. Ich glaube, der Platz wurde zwei Mal vergeben. Es gab aber noch freie Plätze. Als wir in Frankfurt gelandet sind, war es so spät, dass das Boarding für meinen nächsten Flug schon angefangen hatte, als ich noch im Gang stand und darauf wartete, das Flugzeug endlich verlassen zu können. Ich bin gerannt, ich war den langen Flur entlang sogar schneller als die Leute, die aufs Laufband gingen, der Flughafen in Frankfurt ist ja riesig, und ich bin völlig außer Atem gerade noch mit den letzten Reisenden durch gekommen. Es hätte mir klar sein sollen: Das Gepäck war nicht so schnell wie ich. Beim Ankommen fehlte mein Koffer.

Ich habe Formulare gefüllt und mir wurde erklärt, dass der Koffer mit dem letzten Flugzeug aus Frankfurt um halb elf kommen soll. Ich musste aber noch eine Stunde Bus bis zu meinem Ziel fahren, und ich hatte schon Migräne. Der Koffer wird mir morgen zugeschickt. Ich bin mit einer Notfallsmappe von Star Alliance, explizit für Frauen, für die Nacht entschädigt worden. Beim Ankommen im Gästehaus vom Forschungszentrum habe ich die Mappe geöffnet. Zahnbürste und Zahnpasta, eine Haarbürste, die mit meinen dicken lockigen Haaren recht nutzlos ist, Shampoo und Vaseline sind drin. Auch ein Shirt, riesig, aber keine Unterwäsche und nicht mal Binden. Tampons sind in einer Plastiktüte vorhanden, aber die ist echt schwer zu öffnen, vor allem, wenn man nur mit Handgepäck ankommt und keine Schere drin haben darf. Morgen werde ich mit nicht frischen Unterwäschen zu den Terminen laufen müssen, weil das Zimmer so kalt ist, dass ich sie nicht waschen will. Sie würden nie trocknen. Es ist mir recht unangenehm, auch wenn es durch die Nutzung von Binden, die ich im Handgepäck habe, nicht so schlimm ist.

Eine lustige Geschichte gab es noch, beim Aussteigen aus dem Bus. Na ja, nicht alle haben es lustig gefunden, denke ich. Ich bin bei einer Haltestelle in der Nähe vom Forschungszentrum ausgestiegen, sowie ein anderer Mann. Der Mann kam mir schon bekannt vor, als wir am Flughafen eingestiegen waren, aber ich könnte nicht sagen, woher. Eins wusste ich, ein Wissenschaftler ist er. Ich wollte ihm also beim Aussteigen folgen, weil er bestimmt zum Gästehaus gehen würde. Er hat im Gepäckfach nach seinem Koffer gesucht, der Fahrer hat dann die Außentür zu gemacht und ist zurück in den Bus gegangen. Ich folgte gerade seit ein paar Schritten dem Mann, als er plötzlich zum Koffer runter schaute und entsetzt laut „Oh Gott!“ rief, worauf mir klar wurde, dass er 1) Deutsch sein musste und 2) den falschen Koffer mitgenommen hatte, und er ist zurück zum Bus gelaufen. Der Fahrer hat ihn aber trotz Brüllens nicht gemerkt und ist weiter gefahren, mit dem Mann, der ihm hinterher auf der Straße gerannt ist. Vermutlich ist er bis zur Endhaltestelle weiter so gerannt, zehn Minuten mit dem Bus noch entfernt. Ich habe ihn nicht mehr gesehen und musste den Weg zum Forschungszentrum selber finden, was mir nach einiger Verwirrung doch gelungen ist.

Gut geschlafen, und Arztgeschichten

Kurz vor zwölf im Bett, um halb neun heute aufgewacht. Unglaublich. So was passiert mir so selten. Ich hatte seit Anfang des Jahres Schlafprobleme, aber selbst vor der Schwangerschaft konnte ich nie so lange schlafen. Ein paar mal bin ich aufgewacht, um halb sechs, wie häufig in letzter Zeit, um sieben, und zuletzt um halb neun, weil der Ehemann mir aus seiner Dienstreise eine „guten Morgen“ Nachricht geschickt hat. Meine kleine innere Stimme behauptet ganz frech, ich hätte vielleicht nicht so gut geschlafen, wenn er zu Hause gewesen wäre. Wegen schnarchen und so. Womöglich hat sie recht.

Heute Nacht tat gut, und das kann ich momentan echt gebrauchen. Gestern fühlte ich mich noch so schlapp. Ich habe mich ins Fitnessstudio geschleppt, wie am Sonntag, weil Sport gut für die Seele sein soll, aber es war ein Kampf. Ich habe seit der Fehlgeburt Schwierigkeiten einzuschlafen. Bin häufig bis zwei, drei Uhr morgens oder später wach geblieben. Wie gut, dass ich krank geschrieben bin.

Am Montag war ich beim Arzt. Ich sollte nochmal die Konzentration vom β-HCG Schwangerschaftshormon im Blut prüfen lassen. Entweder bei meiner Frauenärztin, wofür ich zwei Stunden hin und zurück mit ÖPNV bräuchte, oder im Krankenhaus, zwanzig Minuten von zu Hause aus. Ich dachte, ich frage mal zuerst beim Hausarzt. Ich hatte schon bei ihm eine Blutabnahme machen lassen, aber speziell für β-HCG konnte er nichts machen.

Also bin ich zum Krankenhaus gefahren. Ich bin dort über drei Stunden geblieben, was nicht anders zu erwarten war, da Notfälle Vorrang haben. Ich habe am Schal vom Ehemann weiter gehäkelt. Als die Ergebnisse der Blutuntersuchung bekannt wurden, bin ich von einer anderen Ärztin untersucht worden. Der β-HCG Wert ist gut gefallen. Sie hat noch eine Echographie gemacht. Das war die unsanfteste Untersuchung, die ich je erlebt habe. Die Sonde hat sie in allen Richtungen gedreht, was recht unangenehm war. Die Gebärmutter scheint in Ordnung zu sein, Blutungen sollten noch nicht so schnell aufhören. Irgendwann meinte sie, „Ihr Darm ist gerade am Arbeiten, ich sehe Flüssigkeit“. Häh? Erstens will ich hoffen, dass mein Verdauungssystem funktioniert. Mir ist da nichts aufgefallen. Aber ich dachte, sie prüft meine Gebärmutter, was hat sie beim Darm zu suchen?

Ich bin danach zu Fuß nach Hause gegangen. Das Wetter war am Vormittag toll gewesen, jetzt war es dicht bewölkt. Zum Glück ohne Regen. Laut Navi-App hätte ich eine knappe Stunde brauchen sollen. Es wurden doch nur fünfig Minuten, und ich war zwischendurch bei einer Pommesbude. Es war schon nachmittags, und mir war danach. Pommes mit Mayo. Den Rest des Tages habe ich mit Schmerzen im Bauch und im unteren Rücken zu Hause verbracht, obwohl ich seit der Fehlgeburt so gut wie keine gespürt hatte. Ich habe gedacht, ich könnte mir gut vorstellen, dass man nach einer Vergewaltigung solche Schmerze spürt. Nur am nächsten Morgen sind sie verschwunden. Es muss von der Untersuchung gekommen sein. Verflucht sei diese Frau.

Doch keine OP

Warnung: Dieser Beitrag kann verstörend wirken. Wer empfindlich ist, sollte weglesen.

Ich hatte mich auf die Ausschabung eingestellt. Gestern Abend vor dem Schlaf hatte ich mir die zwei Tabletten eingeführt, wie von der Ärztin empfohlen, „um den Muttermund einzuweichen“. Cytotec heißt das Präparat. Ursprünglich als präventive Maßnahme gegen Magenprobleme entwickelt, hat sich das darin enthaltene Misoprostol als hilfreich in der Gynäkologie erwiesen, um, unter anderen, verhaltene Fehlgeburte auszulösen, wie ich gerade lese. Die Ärztin hatte die Einnahme am Mittwoch damit begründet, dass es die Einführung von operativen Ustensilien vereinfachen würde.

Um drei Uhr morgens bin ich mit Schmerzen im Bauch aufgewacht. Beim Toilettenbesuch habe ich Blut gemerkt. Es sollte normal sein, die Ärztin hatte mich gewarnt. Es kam mir trotzdem viel vor. Ich habe ein Glas Wasser getrunken, da ich es um die Uhrzeit vor der Narkose noch durfte, und bin zurück ins Bett gegangen. Wegen Schmerze konnte ich schlecht schlafen. Ich habe viel geträumt und bin mehrmals aufgewacht. In einem Traum war ich im Badezimmer und hielt in der Hand das gerade vom Leib ausgestoßene Embryo. In Wirklichkeit sah es gar nicht wie ein Embryo aus, aber im Traum fällt sowas nicht auf. Ich konnte sehen, dass es einen offenen Rücken hatte, und dass es sich deswegen nicht normal entwickeln konnte. In einem anderen Traum saß ich in einem weißen Raum im Kreis mit anderen Menschen und musste mich vorstellen: Wie ich heiße, was ich beruflich mache…

Um halb sieben bin ich aufgestanden. Toilette besucht. Wahnsinn, wieviel Blut ich verloren hatte. Es war ein Wunder, dass ich die Bettwäsche nicht versaut hatte. Die Binde war so voll, wie ich es noch nie erlebt hatte. Nachdem ich auf Toilette war und als ich mich wieder anziehen wollte, habe ich etwas die Vagina entlang runter rutschen gespürt. Schnell noch Klopapier geholt und drunter gehalten: Es war tatsächlich das Embryo, das von blutigem Gewebe umgeben war. Kurz danach gab es ein zweites Ausstoß. Was nun damit? Ich habe den Ehemann gebeten, mir ein kleines Behälter zu bringen, damit ich es zum Krankenhaus mitnehmen konnte. Dabei habe ich ihm ausdrücklich verboten, das Badezimmer zu betreten. Es war wahrlich kein schöner Anblick.

Nach dem Duschen habe ich die Station im Krankenhaus angerufen. Ich wollte vor der OP eine Ultraschalluntersuchung machen lassen, da ich den Verdacht hatte, dass die OP nicht mehr notwendig war. Es war kein Problem. Wir sind schnell mit dem Auto dahin gefahren. Eine andere Ärztin hat mich untersucht und ist zum selben Schluss gekommen. Der OP-Termin wurde gestrichen. Ich habe nochmal Cytotec bekommen, das ich diesmal unter der Zunge zergehen lassen sollte, da die starke Blutungen sonst die Tabletten weg spülen würden.

Enttäuscht war ich, dass das Embryo nicht untersucht wird, um die Ursache der Fehlgeburt zu bestimmen. Es wird erst ab der dritten Fehlgeburt übernommen. Also bei der nächsten, wobei ich hoffe, es kommt nicht dazu. Ich hätte die genetische Untersuchung selber bezahlen können, aber die Ärztin hat lediglich angeboten, das Embryo zu entsorgen.

Bevor wir das Krankenhaus verlassen haben, habe ich wieder die Toilette besucht. Mein Bauch schmerzte. Dort habe ich zu meiner Überraschung wieder etwas riesiges runter rutschen gespürt. Ich hatte keine Zeit zu reagieren, und es ist mit einem lauten „Plop“ ins Wasser gefallen. Ich habe nicht rumgewühlt um zu schauen, was es war. Es hatte sich schwer angefühlt und ich war danach erleichtert. Seitdem sind die Blutungen nicht mehr so stark.

Ein echt mieser Tag

Die Nachricht am Morgen hat mich umgehauen. Ich selbst war überrascht, weil ich ja immer gedacht hatte, mal schauen, ob es überhaupt gut läuft, erst nach drei Monaten kann ich mich auf die Schwangerschaft freuen. Ich wollte mir keine Hoffnung machen. Der Verlust macht mich trotzdem sehr traurig.

Die Frauenärztin hatte mir eine Einweisung zum Krankenhaus gegeben, mit dem Hinweis, ich sollte nichts essen und nichts trinken, falls ich eine Narkose am Tag bekommen sollte. Blöd, weil ich nur ein Keks auf die Schnelle gegessen hatte, bevor ich das Haus verlassen hatte, und ich schon Hunger spürte.

Nachdem ich vorher wieder zu Hause war, um mich umzuziehen und die Arbeitssachen auszupacken, habe ich mich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht. Das Krankenhaus, wo ich für die Bauchhöhlenschwangerschaft operiert wurde. Die Krankschreibung für meinen Arbeitgeber wollte ich noch ganz schnell zur Post bringen. Tja. Als ich ankam, standen zwei Männer an den Schaltern vorne, und nur eine Frau war da, um sie zu bedienen. Sie kam mir extrem langsam vor. Weil ich in Eile war, dachte ich. Ich sollte mich geduldig verhalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen Leute bis zur Tür hinter mir, eine Frau beschwerte sich schon, und die zwei Männer waren immer noch an den Schaltern. Der eine wollte ein Paket schicken und hat es noch vor Ort gestaltet und zu geklebt. Als die Frau den Preis von 22€ angegeben hat, hat er sich beschwert und gefragt, ob es günstiger ginge. Hat ewig gebraucht, um endlich zu zahlen. Noch gefragt, ob er die Nummer zur Sendungsverfolgung haben könnte, obwohl er sie schon hatte. Als er endlich fertig war, wollte der andere Mann irgendwas schicken. Ich habe nicht aufgepasst, wegen Diskretion und so, aber die Frau hat ihn kaum verstanden, obwohl er deutlich gesprochen hatte, und musste quasi alles, Name, Adresse, buchstabiert bekommen. Danach war ich endlich mit meinem Brief dran. 0,70€, bezahlt, raus, keine Minute gebraucht, aber ewig gewartet. Briefmarken habe ich blöderweise nie zu Hause.

Den Bus hatte ich natürlich gerade verpasst und ich musste fast zwanzig Minuten auf den nächsten warten. Ich bin zu Fuß zur nächsten Haltestelle gegangen, weil ich keine Lust hatte, unter dem Regen stehend zu warten. Ich habe dann doch lange warten müssen, weil der Bus verspätet war. Erst um halb eins war ich in der Notaufnahme, und die Warterei hat angefangen. Gut, es war mir schon klar, und ich sollte glücklich sein, warten zu müssen, da es hießt, ich habe keine akute lebensbedrohliche Beschwerde. Ich war bewaffnet und habe so viele Reihen am Schal vom Ehemann wie noch nie an einem Tag geschafft. Ätzend fand ich es im Wartezimmer von der Gynäkologie, weil eine ältere gehbehinderte Dame dort von Pflegern gebracht wurde und nicht mehr beachtet wurde. Sie hat sehr viel alleine gesprochen, wobei ich nur die Hälfte verstanden habe. Und ich dachte, Deutsch kann ich mittlerweile gut. Die Dame war anscheinend geistig verwirrt und sprach entweder mit nicht anwesenden Personen oder erzählte Dinge, die kaum Sinn ergaben.

Um halb vier war ich bei einer jungen Frauenärztin dran, die ich schon aus der Bauchhöhlenschwangerschaft kannte. Sie hat nochmal ein Ultraschall gemacht, um den Befund vom Vormittag zu bestätigen. Kein Herzschlag. Sie hat mir dann die verschiedenen Möglichkeiten erklärt, und ich habe mich für eine Ausschabung entschieden. Sie wird am Freitag statt finden, weil ich an dem Zeitpunkt schon stark an Migräne leidete, die durch Hunger und Durst verursacht wurde, und ich hatte keine Lust, noch auf unbestimmte Zeit da zu warten. Ich habe zwei Tabletten bekommen, die ich mir morgen Abend in die Scheide rein schieben sollte, um den Muttermund weicher zu machen. Danach musste ich noch zur Anästhesie, um ein Vorbereitungsgespräch für Freitag durchzuführen. Die Ausschabung wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Um halb fünf war ich endlich aus dem Krankenhaus wieder raus, und ich freute mich schon riesig darauf, zu Hause etwas trinken und essen zu können. Ich habe unter strömendem Regen an der Haltestelle auf den Bus gewartet. Es ist die Endhaltestelle der Linie, man könnte meinen, dass die wenigstens dort pünktlich starten. Denkste. Der Bus fährt alle zwanzig Minuten. Ich war kurz vor Abfahrt da und habe über dreißig Minuten gewartet, bis ich beschlossen habe, dass es keinen Zweck hat und mit der U-Bahn gefahren bin. Es war natürlich ein Umweg, aber wenigstens war ich nicht mehr unter Regen. Danach musste ich sowieso auf einen anderen Bus warten, und oh Überraschung, der kam ebenfalls verspätet an. Aber nur acht Minuten. Inzwischen war es recht stürmisch geworden, mein Regenschirm hatte sich schon mal umgedreht, und die schnell fahrende Autos hatten meine Füße völlig durchnässt, weil das Wasser nicht mehr durch den Ablauf auf der Straße floss.

Erst um sechs war ich zu Hause. Theoretisch braucht man mit dem Bus vom Krankenhaus aus nur zwanzig Minuten. Ich war klatsch nass und durchgefroren und musste mich zuerst umziehen. Trinken, Aspirin (jetzt darf ich wieder), essen, schlafen. Es geht langsam besser, und der Ehemann ist auch gerade vom Flughafen angekommen.

Das war’s

Nachdem ich heute beim Aufwachen Blutungen bemerkt habe, die eindeutig nicht normal waren, bin ich pünktlich zur Eröffnung zur Praxis meiner Gynäkologin erschienen. Da der Ehemann bis heute Abend auf Dienstreise ist, hieß es eine Stunde Fahrt mit ÖPNV. Ich musste schon um 07:00 das Haus verlassen. Gut, dass ich den Wecker eine halbe Stunde davor gestellt hatte.

Meine Gynäkologin war nicht da, aber ich konnte bei einer ihrer Kolleginen untersucht werden. So wie es aussieht, hat sich das Embryo seit einer Woche nicht weiter entwickelt. Das Herz schlägt nicht mehr, und die Eihülle (oder heißt es Eischale?) hat schon angefangen, sich zu lösen. Wahrscheinlich die Ursache für die Kontraktion am Montag.

Mein Plan war ursprünglich, nach der Untersuchung ins Büro zu gehen, da es nur zehn Minuten zu Fuß von der Praxis liegt. Das kann ich vergessen. Eine Woche bin ich jetzt krank geschrieben, um den fetalen Tod zu verdauen.

Ich habe eine Einweisung fürs Krankenhaus bekommen und fahre auch gleich hin, wenn ich bequemere Kleider angezogen habe. Ich wünsche, ich würde nicht alleine hin fahren.