Nichts für die Minestrone

Ich bin entsetzt. Unsere letzten Bohnen hatte ich zum Trocknen geerntet, um sie später für eine Suppe zu benutzen. Eine Art Minestrone hatte ich im Kopf. Aus frischen Bohnen aus der Terrasse hatte ich uns schon im frühen Herbst einen ganz leckeren Chili con Carne gemacht. Nachdem ich die Bohnen zuerst separat gekocht und das Wasser entsorgt hatte, weil die Feuerbohnen sonst giftig sind.

Ich hatte mich erkundigt, wie die Bohnen zu lagern sind. Seitdem haben die vor sich hin getrocknet, und mit dem ganzen Trubel am Ende des Jahres (neuer Arbeitsvertrag, Familienbesuch über Weihnachten, Wohnungssuche…), habe ich nicht besonders aufgepasst. Die Bohnen waren in einem dunklen, trockenen Ort, was könnte denn passieren? Tja.

So ganz wie Bohnenfliegen sehen die Viecher nicht aus. Auf dem Rücken ist es auch schwer zu sagen. Ich wollte sie mir genauer anschauen und dabei ist mir aufgefallen, dass sie sogar noch leben! Da streckt jemand ein Beinchen, dort zittert eine Antenne… Sind sie gerade geschlüpft? Die Löcher sehen schön sauber rund aus, die Deckel liegen auf dem Teller rum. Sie haben sich den Weg nach draußen gefressen. Die Bohne oben rechts hat den runden Deckel dran, vielleicht ist jemand noch dabei, da raus zu kriechen.

Was tun damit? Weg schmeißen geht nur, wenn ich gleich die Tüte in die Mülltonne draußen am Parkplatz entsorge. Sonst haben wir die Viecher überall in die Wohnung. Da ich aber heute Morgen mit einem bösen versteiften Nacken aufgewacht bin, will ich mich lieber schonen. Den Ehemann habe ich schon zum Einkaufen fürs Abendessen geschickt. Also habe ich die Bohnen zurück zur Terrasse in die Kälte gebracht.

Wenn ich die Minestrone mache, wird es ohne die Feuerbohnen aus der Terrasse sein. Ich will mir nicht vorstellen, dass es schon Larven in den Bohnen gab, als ich den Chili gemacht hatte. Äh, zu spät.

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Sturmbedingte Migräne

Friederike habe ich nicht kommen sehen. Ich bin momentan ziemlich abgeschnitten, was Nachrichten angeht. Im Hotel hatte ich schon kaum Fernsehen geguckt. Jetzt in der neuen Wohnung habe ich noch keinen Fernseher, bis der Ehemann zuzieht, und bin froh, wenigstens das Handy zu haben, um ein bisschen surfen zu können.

So lange bin ich abends sowieso nicht dabei. Die Vermeterin war so lieb, mir eine Grundausstattung auszuleihen: Klappstuhl, kleiner Tisch, elektrisch aufblasbares Bett. Ich war am Montag mit der Isomatte und dem Schlafsack angekommen, so lässt es sich doch besser schlafen. Am Tisch mit dem Laptop zu sitzen ist aber nicht so bequem. Und kalt ist es, in der Wohnung. Ich habe eine zentrale Steuerung für die Temperatur, die ich über den Tag programmieren kann, aber wie ich inzwischen gelernt habe, ist die Temperatur im Raum drei Grad kühler als auf dem Heizkörper, und sie braucht recht lange, um abends wieder zu steigen. Ich muss zwei Stunden bevor ich ankomme auf 22°C regeln, um 19°C zu haben (18,5°C, sagt mir gerade der Thermometer). Daher war ich gestern einkaufen und habe mir zwei Leggins bei C&A besorgt. Der Onesie bei Hunkemöller kam mir übertrieben und nicht so sexy vor, aber vielleicht hätte ich doch zuschlagen sollen. Oder wenigstens bei den Hausstiefeln. Meine dicken Thermosocken über die dünneren Strumpfhosen reichen nicht. So bleibe ich jedenfalls nicht lange am Tisch und tüte mich früh in den Schlafsack ein. Vielleicht geht es besser, wenn die Wohnung möbliert wird.

Meine einzige Sorge gestern und heute morgen galt also der Kälte und dem vorgesehenen Schnee. Ich und Glätte… Es war zum Glück halb so schlimm wie befürchtet, und ich bin heil zur Arbeit angekommen. Ich konnte sogar ein bisschen das Gehen auf Glätte mit dem matschigen Schnee üben. Ich bewundere all die Leute, die auf dem nicht gefegten Bahnsteig so schnell unterwegs waren, selbst mit glatten Sohlen, und scheinbar kein Problem hatten. Mir wird schon schwindelig, wenn ich nur zusehe, wie jemand mit dem Fuß zwei Zentimeter beim Gehen rutscht… Na ja, so richtig glatt war es auch nicht, heute morgen. Was meine App nicht erwähnt hatte, war die Sturmwarnung. Windows halt, keine vernünftige App mehr…

Im Laufe des Tages ging es mir zunehmend schlechter, und ich musste drei Paracetamol-Tabletten einnehmen, ohne eine große Linderung zu spüren. Dabei hatte ich mich letzte Woche schon gewundert, dass ich in diesem Zyklus noch keine Migräne bekommen hatte und mich ausnahmsweise so lange so toll fühlte. Der Wind ist schuld, habe ich zuerst gedacht. Dass es so ein starker Sturm war, hatte ich im Büro trotz pfeifendes Windes nicht mitbekommen, bis ich die Nachrichten heute Abend gelesen habe. Kein Wunder, dass mein Kopf sich so anfühlt, als ob es explodieren möchte. Schon wieder ist es die linke Schläfe, die am stärksten schmerzt. Der Burger beim Asado auf dem Umweg nach Hause hat geholfen. Ich hoffe, dass der Sturm morgen nicht mehr so stark ist, damit ich nach Hause fahren kann. Am Abend soll die Bahn wieder funktionieren, heißt es.

Wohnungssuche in München

Darüber sollte ich ein Buch schreiben, meinte CEO#2 heute.

Am Anfang habe ich mich beschwert, dass ich keine Rückmeldung auf meine Anfragen auf Immobilienscout24 bekommen habe. Ich hatte mir eine Suche eingerichtet und alle Anbieter kontaktiert, die eine dazu passende Wohnung hatten. Mir ist inzwischen klar geworden, dass einige Makler es nicht ernst mit der angebotenen Wohnung meinen. Die Wohnungen dienen nur als Köder, um Leute dazu zu bringen, sich auf die Immobilienportale der Makler selbst anzumelden. Datenkraken.

Ich habe zwischen Weihnachten und Neujahr immerhin zwei Wohnungen besichtigt. Beide wurden nichts. Letzte Woche ging es dann aufwärts. Ich hätte mir denken können, dass man zwischen den Jahren nicht viel erwarten kann. Ein paar Absagen sind jetzt angekommen, alle für Wohnungen, die mich nicht mehr interessieren. Ich dachte zuerst, ich nehme eine kleine Wohnung bis der Ehemann kommt, und danach suchen wir eine Größere für uns beide. Jetzt suche ich von vorne rein eine größere Wohnung. Den Stress will ich mir nicht zweimal antun.

Für die Wohnung von Dienstag habe ich nichts gehört. Vermutlich denkt der Makler, wenn ich nicht nachfrage, bin ich nicht interessiert. Ich habe nicht abgesagt, weil ich dachte, besser die Wohnung nehmen als gar nichts haben, sollte sie doch länger verfügbar bleiben.

Am Donnerstag hatte ich einen vierten Termin. Eine Stunde Fahrt von der Arbeit. Die Wohnung hat mir sehr gut gefallen. Ich war aber nicht die einzige Interessentin. Ich habe ein bisschen mit einem Inder gequatscht, der von einer Hilfsperson begleitet war und der mir sympatisch vorkam. IT-Ingenieur, spricht noch kein Deutsch, seit drei Monaten in München. Immer noch keine Wohnung gefunden. Er wartet darauf, um endlich seine Familie bei sich zu haben. Autsch, wie lange werde ich noch warten müssen? Ich fange erst jetzt richtig an zu suchen.

Am Freitagnachmittag gab es zwei neue Termine. Die erste Wohnung liegt ebenfalls eine Stunde von der Arbeit entfernt. So südlich, dass es nicht mehr München ist. Es wäre nicht weit, bis zu den Seen und Bergen. Als ich die Wohnung betreten habe, hat sie mir den Atem beraubt. Wie schön! Auf zwei Etagen verteilt, unter dem Dach, mit Balkon vor der Küche. Die Eigentümer, die selber drin gewohnt haben, haben praktische Aufräummöglichkeiten unter den Dachschrägen gelassen. Ich habe mich auf der Stelle völlig verliebt. Dazu kommt, dass es keine Einbauküche gibt. Wir könnten unsere problemlos mitbringen. Der Preis ist höher, aber für so eine Wohnung lohnt es sich. Wir würden nicht so schnell ausziehen wollen, und der Ehemann kann bestimmt damit rechnen, in München besser als in Berlin zu verdienen. Es wird schon. Ob die Maklerin und die Eigentümer auch davon überzeugt sind? Immerhin beträgt die Miete die Hälfte meines Nettogehalts. Es heißt, über ein Drittel sollte es nicht werden. Aber ab einem bestimmten Gehalt bleibt trotzdem immer noch genug übrig, um gut leben zu können. Und das Gehalt vom Ehemann kommt dazu, und unsere Wohnung in Berlin werden wir vermieten können, da bin ich mir ganz sicher. Schön war auf jeden Fall, dass sich die Frau der Agentur so viel Zeit genommen hat, um Einzeltermine anzubieten. So konnte ich in Ruhe staunen.

Die zweite Wohnung am Freitag hat mir wiederum gar nicht gefallen. Mit der Raumteilung wirkte sie sehr unbequem. Direkt nach der Eingangstür kommt man ins riesige Wohnzimmer, das sich verwinkelt über die Breite der Wohnung erstreckt. Ich habe mich schon beim Eintreten unwohl gefühlt. Kein gemütlicher Eingangsbereich. Das Schlafzimmer ist riesig lang, und ich könnte mir nicht vorstellen, drin gut schlafen zu können. Viel zu groß. Dafür gibt es ein kleineres Kinder- oder Arbeitzimmer, das direkt am Treppenhaus liegt, also ungeeignet, um selber drin zu schlafen, und das man durch eine Wand in zwei teilen könnte, erzählte stolz der Makler. Die Fenster sind alle sehr breit aber nicht hoch. Und es gibt eine Einbauküche, die man nicht raus nehmen darf. Dafür, dass die Wohnung viel näher zur Arbeit liegt, bräuchte ich eine halbe Stunde ÖPNV, mit einem Bus pro Stunde. Nee, sie kann nicht ernsthaft in Frage kommen, obwohl sie günstiger ist. Aber doch besser als gar nichts. Ich habe meine Bewerbungsunterlagen hinterlassen.

Am Samstag konnte ich gemeinsam mit dem Ehemann zur siebten Wohnung fahren. Sie ist schön, wenn auch nichts Besonderes. Nach der ersten Wohnung am Freitag war es schwer, mich für normalere Wohnungen zu begeistern. Die Eigentümer sind sehr nett und haben sich die Mühe gemacht, einen Termin extra für uns anzubieten, weil ich am ursprünglich vorgesehenen Termin nicht anwesend sein konnte. Sie melden sich, sobald der geplante Termin statt gefunden hat.

Am frühen Sonntagnachmittag hätte es einen achten Termin geben sollen. Die Vermieter, ein Paar, hatten mich am Freitag angerufen, als ich unterwegs zur ersten Wohnung war. Ob ich reden könnte, wollte der Mann wissen. „Ja,“ habe ich gesagt. „Ich bin unterwegs“. Es wäre blöd, mit dem Handy. Gäbe es keine Festnetznummer, unter der ich angerufen werden könnte? „Ich bin unterwegs“, habe ich wiederholt. „Draußen.“ Der Mann sagte, ich könnte mir am Sonntag um zwei die Wohnung anschauen. „Geht nicht, ich habe schon am Sonntag um zwei einen Termin. Ginge es um zwölf?“ Nein, aber um eins könnten die Vermieter da sein. Sie kommen aus Regensburg, früher ginge es nicht. Um eins hätte ich aber unmöglich Zeit, die Wohnung ausführlich zu besichtigen und pünktlich zu meinem schon länger geplanten Termin mit ÖPNV zu fahren, habe ich erklärt. Wo müsste ich denn hin, wollte der Mann wissen. „Ach, bis dahin brauchen Sie nur eine Viertelstunde, Frau Doktor“, meinte er dann, als ich seine Neugier gestillt habe. Wie hat es mich genervt, dass er mich bei jedem Satz bei Namen mit Frau Doktor angesprochen hat! „Na gut, wenn es stimmt, nehme ich den Termin an.“ Unterwegs beim Telefonieren konnte ich es schlecht prüfen, ich hätte das Handy dafür nutzen müssen. Es gäbe aber einige Sachen, die in meiner schon geschickten Selbstauskunft korrigiert werden müssten, sagte der Mann. Da ich inzwischen zu meinem Termin angekommen war, habe ich ihn darum gebeten, mich eine halbe Stunde später zurück zu rufen.

In der Zwischenzeit hatte ich mich in die Traumwohnung verliebt… Der Rückruf kam. „Kann ich Sie auf eine Festnetznummer anrufen, Frau Doktor?“ „Ich bin immer noch unterwegs!“ Wie blöd kann man denn sein… Ob ich schreiben könnte? „Ich bin unterwegs!“ Unterwegs zu meinem zweiten Termin. „Wie unterwegs? Mit dem Auto?“ meinte er. Er klang dabei ein bisschen frech, als ob er sich noch über mich lustig machen wollte. „Nein, zu Fuß, auf dem Weg zur S-Bahn. Worum geht es denn?“ Also, ich hätte in der Selbstauskunft die Liste der Kinder leer gelassen. Hätte ich denn keine Kinder? „Nein.“ „Dann streichen Sie es bitte durch, damit ich es verstehe, Frau Doktor,“ verlangte er. Auch für die Frage über eventuelle andere Personen, die zum Aushalt gehören würden, und viele andere belangslosen Kleinigkeiten… Niemand hat sich je so penibel bei einer Selbstauskunft verhalten. Wenn ich das Kätschen „keine Kinder“ ankreuze, warum soll ich irgendwas in der Liste drunter schreiben? Ist doch klar… Als ich später feststellen konnte, dass ich mindestens fünfzig Minuten von einem Termin zum anderen brauchte, habe ich dem Paar abgesagt. Ohne Reue. Wenn sie sich schon so blöd anstellen, will ich nicht wissen, wie ein Mieter-Vermieter-Verhältnis aussehen würde.

Am Sonntagnachmittag kam deshalb erst der bisher achte Termin zustande. Sammeltermin. Wie am Tag davor, nette Leute, schöne Wohnung, nichts besonderes, groß genug, aber arg kleine Küche, unsere Küchenmöbel passen niemals rein. Unterlagen wurden trotzdem hinterlassen.

Ich habe am Abend weitere Kontaktanfragen über Immobilienscout24 geschickt. Prompt kam eine Antwort zurück, mit der Bitte, eine angehängte Excel-Tabelle auszufüllen:

Ich möchte Sie darum bitten, den angehängten Fragebogen auszufüllen und mir kurzfristig per E-Mail zurückzusenden. Entschuldigen Sie bitte, wenn Sie hier Informationen angeben sollen, die Sie mir ggf. bereits bei Ihrer Kontaktaufnahme genannt haben. Durch die Nutzung der Excel-Datei kann ich jedoch die Informationen der Interessenten besser konsolidieren.

Im nächsten Schritt könnte ich Ihnen einen Besichtigungstermin am Samstag (13.01.2018) in der Zeit von 10:00 bis 16:40 Uhr anbieten. Ich führe mit jedem Interessenten ein Einzelgespräch. Planen Sie hierfür ca. 20 Minuten ein. Hätten Sie Zeit? Ich würde Ihnen zeitnah einen Termin bestätigen.

Sie müssen im Vorfeld auf keinen Fall finanzielle und weitere persönliche Daten preisgeben. Dies erfolgt erst durch das Ausfüllen einer Mieterselbstauskunft nach der Wohnungsbesichtigung, wenn sich Ihr Interesse bestätigt.

Ist der Mann ernsthaft naiv, oder handelt es sich um einen Infizierungsversuch? Das kennt man schon lange von „Bewerbern“ auf Stellenangeboten, die Viren als Anhang in ihren Unterlagen verstecken. Und wie kann man davon ausgehen, dass Bewerber für eine Mietwohnung privat Microsoft Office installiert haben? Ich habe nicht geantwortet. Die Wohnung liegt eh eine Stunde von der Arbeit entfernt und sah von weitem nicht so schön wie die Traumwohnung von Freitag aus. Seufz…

Gestern kam ein Anruf von der Makleragentur für die zweite Wohnung am Freitag. Die merkwürdige, ungemütlich verteilte Wohnung, bei der mich der Eindruck nicht verlässt, dass sie ursprünglich für gewerbliche Zwecke gebaut wurde, und ohne Verstand als Wohnung versucht wurde umzubauen. Ich wäre die glückliche Auserwählte. Ob ich noch Interesse hätte? „Äh… Ich muss mit meinem Mann reden… Wie lange können wir es uns überlegen?“ wollte ich wissen, um Zeit zu gewinnen. „Morgen mittag wollen wir den anderen Bewerbern eine Antwort geben.“ Ich habe sofort eine Email zur Agentur#1 für die Traumwohnung geschickt. Ich hatte schon in der Danke-Email betont, wie sehr ich die Wohnung mochte. Ob sie mir zeitnah sagen könnte, wie es mit der Entscheidung aussähe? Am Abend kam eine Email vom Leiter der Agentur#2 persönlich an.

Wie mein Kollege Ihnen bereits mitteilte würden wir uns freuen, wenn Sie sich für die Wohnung entscheiden würden.

Wir haben noch weitere Interessenten, welchen wir morgen Mittag gerne zu oder absagen würden.

Nachdem Sie allerdings unsere „Favoriten“ sind, würden wir uns über ein positives Feedback freuen.

Na ja, wenn ich mich an die Mitinteressenten erinnere, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie hoch auf der Warteliste stehen. Als sie (verspätet) herein gekommen sind, war mein ersten Gedanke, „Ach du Scheiße!“ Der zweite: „Haben die sich verlaufen? Was haben die hier zu suchen?“ Der Mann, mitte fünfzig, hochnäsig, im dunklen Anzug, mit den halbgrauen Haaren voll mit Gel nach hinten gekämmt (Würg!), der mich zuerst für eine Mitarbeiterin der Makleragentur gehalten und mir die Hand gestreckt hat. Die Frau, wie man so viele im Fitness-Studio sieht, vollgeschminkt, blond mit einem langen, strengen, hoch gezogenen Pferdeschwanz, um die Wangen noch dünner erscheinen zu lassen, als sie es schon sind, die mit ihren hohen Absätzen auf dem Parkettboden und dem Mini-Dackel an der Leine ging. Mein dritter Gedanke: „Da haben sich zwei super Narzissten gefunden.“ Dazu hatten sie ein frisches Säugling dabei, was in sich erstmal schön ist, aber die Art, wie die Frau es in seinem Babykorb mitten im Wohnzimmer gelassen und gar nicht mehr beachtet hat… Wie ein Objekt, das man zur Schau rum trägt. Mein vierter Gedanke: „Wo hat sie es denn gekauft? Hat sie es geliehen bekommen?“ Es kam mir völlig unnatürlich vor, wie wenig sie sich für das anscheinend gerade geborene Säugling interessiert hat. Als es irgendwann anfing zu weinen (ja, wirklich ganz frisch), hat der Mann den Babykorb auf den Arm genommen. Warum interessieren sie sich für die Wohnung? Sie wirkten total fehl am Platz. Ja, irgendwo müssen sie auch wohnen… Oder der Mann sucht eine Wohnung für seine Geliebte, um sie zu unterhalten… Als wir den Keller besichtigt haben, der genau so groß wie unser aktueller Wohnzimmer in Berlin ist, meinte der Mann, man könnte daraus ein Kinderzimmer machen. Lustig ist anders. Also, als Maklerin oder Eigentümerin würde ich denen keine Wohnung vermieten wollen.

Heute kurz vor der Mittagspause hatte ich noch nichts von Agentur#1 gehört. Schweres Herzens habe ich der blöden Wohnung von Agentur#2 zugesagt. Besser als nichts, und wir könnten ja immer noch umziehen. Nachmittags kam dann ein Anruf von Agentur#1. Wenn ich die Wohnung will, kann ich sie haben! Schnell Agentur#2 abgesagt. Wenn alles gut geht, unterschreibe ich am Freitag den Mietvertrag, und am Montag ziehe ich in die Traumwohnung ein. Und das nach nur zwei Wochen in München! Es ging doch viel einfacher als bei meiner Ankunft in Berlin! Ich werde zuerst ohne Möbel in der Wohnung stehen, aber egal. Ich nehme am Wochenende Schlafsäcke von zu Hause mit.

Die Ferien sind vorbei

Das war heute morgen nicht zu übersehen. Es war schwierig genug, zur Arbeit zu fahren. Überfüllte Busse. Als ich in den ersten Bus eingestiegen bin, habe ich den ersten freien Sitzplatz genommen, an den ich vorbei gegangen bin. Direkt neben der Tür. Gut, dass ich nicht gezögert habe, weil noch ganz viele Schüler eingestiegen sind. So dicht aneinander gepackt! An der Haltestelle hätte ich nicht gedacht, dass so viele draußen standen. Vermutlich sind sie ausgestiegen, um wieder einzusteigen, weil andere Passagiere raus mussten. Unweit von mir standen zwei Mädchen, die kein Bock darauf hatten, zurück zur Schule zu gehen. Beide voll geschminkt, mit Übergewicht und langen künstlichen Nägeln. „Warum habe ich keine Ausbildung gemacht?“ fragte die eine. „Was für eine?“ wollte die zweite wissen. „Bei Douglas! Dann könnte ich viel Parfum mitnehmen,“ seufzte die erste.

Beim Umsteigen hat es mich recht sauer gemacht, dass zwei Busse an der Haltestelle vorbei gerauscht sind, ohne zu halten. Beide rappelvoll, mit Leuten an den Türen breit geklatscht. Auf den dritten Bus habe ich mitten auf der Straße gewartet. War doch nicht nötig, er war nicht so voll und hat angehalten. Auf die Art habe ich eine Viertelstunde mehr auf dem Weg zur Arbeit gebraucht. Dabei gibt es sogar unterschiedliche Fahrpläne bei Schule und Ferien. Wozu, frage ich mich. Fehlplanung.

Auf Arbeit waren die Ferien auch vorbei. Ich habe ganz viele neue Leute kennen gelernt, und natürlich konnte ich mir nicht alle Namen merken. Meine Zimmerkollegin Ute ist ebenfalls aus ihrem Urlaub zurück gekommen. Nach einem Tag geht sie mir schon auf die Nerven. Sie kommt mir ein bisschen wie Nina vor, in ihrer Art, obwohl sie wenigstens nicht so dumm wirkt. Bei unserem ersten Treffen im November hatte sie eher einen kompetenten Eindruck hinterlassen. Das kam davon, dass sie so affirmativ und selbstbewusst redet. Wie Mr Keen. Bei ihm war es alles Schau, bei Ute denke ich, es kann in ihrem Fach begründet sein. Obwohl ich schon mitgekriegt habe, wie sie heute genau so selbstbewusst in einem ganz anderen Thema Quatsch erzählt hat. Sie redet leider ununterbrochen und dabei ist es ihr völlig egal, was ihre Zuhörer denken. Sie erwartet Zustimmung und wenn sie sie nicht bekommt, fällt sie einem ins Wort und redet weiter. Sie lässt keine Unterbrechung zu und Gespräche mit ihr sind eher Monologen. Irgendwann habe ich ausgeschaltet, als sie sich mit Tim „unterhalten“ hat (ihm fällt sie auch ins Wort). Meine Arbeit muss erledigt werden. Mir ist aber aufgefallen, sie denkt, ihr würde weiterhin zuhören, weil sie manchmal auf Reaktionen meinerseits wartet, ohne mich vorher explizit angesprochen zu haben. Wozu soll ich zuhören und reagieren, wenn sie eh erwartet, dass ich ihr in allem zustimmen sollte? Anstrengend. Ich muss mir ganz schnell eine Überlebensstrategie aussuchen.

Eine Woche ist rum

Auf Arbeit ist noch nicht viel passiert. Scheinbar. Ich habe eine Aufgabe bekommen und lerne dabei viel. Ich muss mich jetzt mit Access und Visual Basic vertraut machen, um mehr Funktionalität in dem Programm von meinem Chef zu bringen. Sein Programm ist aber recht kompliziert geschrieben, und mein Chef selber kann teilweise nicht mehr nachvollziehen, warum der Code an manchen Stellen so aussieht. Wie gut, dass ich wenigstens vor fünf Jahren Grundlagen von Datenmanagement mit SQL gelernt hatte! Einiges ist noch gut genug in meinem Kopf erhalten, dass ich wenigstens die Datenbankabfragen verstehe.

Von lauter Aufregung habe ich am ersten Arbeitstag glatt vergessen, die Pille einzunehmen. Und das in der ersten Woche nach der Periode, was am gefährlichsten ist. Ich habe es am nächsten Tag gemerkt, als ein komisches Gefühl sich in meinem Bauch bemerkbar machte. Ich habe sie also mit etwa zwölf Stunden Verspätung eingenommen, und weiter gemacht wie geplant. Tja, ob ich jetzt schwanger werde? Nach all den Versuchen seit der Fehlgeburt, wo es nicht geklappt hat, wäre es ziemlich blöd, ausgerechnet jetzt, wo ich meine neue Stelle in der teuresten Stadt Deutschlands eingetreten habe. Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Daraus lerne ich, es ist besser, die Pille morgens statt abends einzunehmen. Da hat man mehr Zeit, in so einem Fall wieder daran zu denken, statt gut sieben Stunden durch Schlaf zu verlieren. Als der Ehemann mich am Wochenende besucht hat, habe ich ihn darum gebeten, Kondome mitzubringen.

Es traf sich gut, dass er am Wochenende gekommen ist, denn es gab weitere Wohnungsbesichtigungen. Jetzt ist es mir aber zu spät, um darüber zu berichten. Morgen stehe ich früh auf, um die ganze Zeit nachzuholen, wo ich letzte Woche zu Besichtigungsterminen fahren musste.

Wir haben noch keine Wohnung, aber eins haben wir geschafft: Ein Jahresabo zum Deutschen Museum zu erwerben. Gar nicht so teuer: 52€, sogar für uns beide! Wir haben den ganzen Samstagnachmittag dort verbracht. Am Abend waren wir im Kino, und ich kann Loving Vincent wärmstens empfehlen. Das Wochenende haben wir heute vor dem letzten Besichtigungstermin mit einem schönen Spaziergang an der Isar abgerundet. Was nötig war, da wir es uns auch gut gehen lassen haben. Am Freitagabend hatte ich uns einen Tisch am Jagdschlössl gebucht. Ich hatte gute Kritik über ihren Fisch gelesen, und es stimmt, mein Saibling auf Kürbis-Risotto war einfach fantastisch. Nachdem der Ehemann sich heute auf dem Rückweg zum Flughafen gemacht hat, habe ich das Fitnessstudio besucht, da ich überall in Deutschland in der Kette trainieren darf. Ich war aus Zeitmangel ewig nicht mehr sportlich tätig gewesen und habe daher als Neueinstieg nicht zu viel gemacht. Vielleicht schaffe ich es, morgen zur Wassergymnastik zu gehen.

Ein Nokia als WLAN Hotspot nutzen

Mir hat es gereicht, mit dem katastrophalen WLAN vom Hotel. Ich habe heute gelernt, wie ich mein Handy (Nokia Lumia Denim) als Hotspot einrichten kann.

Die Anweisung findet man hier auf Deutsch. Sollte sie verschwinden, kommt jetzt die Zusammenfassung:

  • unter Einstellungen, Internetfreigabe wählen (ich hatte mich immer gefragt, was das ist…),
  • das Stift-Symbol zum Bearbeiten drücken,
  • Hotspot-Name und Passwort eingeben (auf keinen Fall das automatisch generierte Passwort übernehmen, man weiß ja nie…),
  • speichern und Internetfreigabe aktivieren (Regler nach rechts schieben).

Das war’s, man braucht lediglich nur noch am Laptop den neu eingerichteten Hotspot in der Liste der verfügbaren Netzwerke auszuwählen und das Passwort einzugeben. Meine Internetverbindung ist jetzt viel besser als mit diesem dämlichen WLAN vom Hotel, und das mit nur einem Balken für den Netz-Empfang! Und nicht vergessen, nach der Benutzung die Freigabe wieder auszuschalten, es ist keine gute Idee, den Hotspot für alle auf Dauer sichtbar zu lassen…

Erster Arbeitstag

Fast wäre ich ins Bett gegangen, ohne meinen ersten Arbeitstag in München in meinem Tagebuch fest zu halten.

Viel gibt es eigentlich nicht zu berichten. Die meisten neuen Kollegen sind noch im Urlaub. Ich habe vormittags kurz mit dem Chef und Tim, meinem Zimmerkollegen, Kaffee getrunken, und danach haben wir meinen Arbeitsplatz fertig eingerichtet. Ich habe mich ein bisschen eingearbeitet. Die richtige Arbeit fängt noch nicht an. Morgen haben wir eine längere Diskussion, um meine Tätigkeiten besser zu planen. Ich habe immer noch die Sorge, dass mein Chef viel höhere Erwartungen an mich hat, als was ich wirklich bringen kann. Ich muss mich daran erinnern, wie erstaunlich schnell ich doch in meiner letzten Stelle produktiv werden konnte, obwohl ich bei meiner Anstellung noch nicht mal mit Python programmieren konnte.

Vor der Arbeit bin ich mit dem Ehemann zu einer Wohnungsbesichtigung gefahren. Die Wohnung ist toll, hat leider keine Tiefgarage, und schon eine Einbauküche. Da unsere Küche recht hochwertig ist, aus Massivholz und Granit, wollen wir sie auf jeden Fall mitnehmen können. Sie war teuer genug, wir wollen sie nicht irgendwelchen unbekannten Mietern auch nur zeitlich überlassen. Wir könnten sie auch eine Zeit lang irgendwo lagern… Diese Punkte hätten wir im Vorraus berücksichtigen können, aber der Ehemann ist auch widersprüchlich in seinen Angaben… Mal ist die Tiefgarage nur ein Wunsch, mal ist es doch sehr wichtig, dabei haben wir nicht mal ein Auto, er will nur sein Motorrad unterbringen. Wir benutzen nur das Auto vom Schwiegervater, wenn er es nicht braucht.

Was mich vor allem an der Wohnung gestört hat, ist die Lage. In sich toll. Leider an der Spitze eines Hügels, und ich kenne mich, sobald ich alleine bin und es ein bisschen glatt wird, verfalle ich in Panik. Ich bin in der Lage, einfach am Straßenrand verkrampft stehen zu bleiben und zu heulen, was für Anderen gar nicht nachvollziehbar ist. Vor allem, wenn die Straße eine Neigung hat. Ein Taxi anrufen kann ich nicht jedesmal. Der Bus, der sonst direkt vor der Haustür fährt, kommt gerade einmal pro Stunde. Wenn es mal ausfällt, was im tiefen Winter durchaus passieren kann, bin ich dann eine Stunde zu spät auf Arbeit. Oder ich müsste mir schnell ein kleines Auto zulegen. Mit Fahrstunden, da ich zuletzt vor zwanzig Jahren gefahren bin, und einer dementsprechend teuren Versicherung, und den anderen Kosten, die dazu kommen… Der Preisvorteil von der Wohnung schwindet. Wir könnten gleich mitten in München wohnen.

Ich habe also den Abend im Hotelzimmer damit verbracht, neue Anzeigen auf Immobilienscout zu suchen und Kontaktanfragen zu schicken. Bei der miesen Internetverbindung ist es kein Spaß. Vielleicht sollte ich mir ein prepaid-Stick ohne Vertrag für Internet besorgen. Mit dem Hotel bin ich insgesamt nicht wirklich zufrieden. Das Bett ist unbequem, mir tun schon die Schulter weh. Man kriegt alles mit, was in den Nachbarzimmern passiert. Wenn jemand im Klo die Spüle tätigt, macht es einen Höllenlärm. Fernseher oder Radio hören sich an, als ob sie aus dem eigenen Zimmer kämen. Die Lüftung im Badezimmer ist unglaublich laut. Und ab fünf Uhr morgens werden Mülltonnen vor meinem Fenster gerollt… Ich vermute, das ist was man bei dem Preis erwarten kann… Und sowas muss ich aushalten, solange ich keine Wohnung habe.

Ab nach München

Die Nacht war kurz. Wir haben den gestrigen Abend mit Freunden in einem Restaurant verbracht und sind noch früh nach Hause gefahren. Mit Taxi, weil Leute schon seit 18:00 am Böllern waren und ich es hasse, dabei draußen unterwegs zu sein. Ich musste sowieso meinen Koffer packen, weil wir uns Fahrkarten für einen frühen Zug nach München gebucht hatten. Um Mitternacht haben wir unter dem Glasdach vom Treppenhaus die viele Feuerwerke bewundert. Schön geschützt, warm und ohne Rauchbelästigung. Unglaublich, was da alles geknallt ist. Wie fühlen sich wohl Obdachlosen, wenn sie sehen, wieviel Geld die Leute einfach so verpulvern? Gegen 01:00 haben die Feuerwerke nachgelassen und wir haben uns ins Bett gepackt, aber einige Idioten meinten, hinter dem Haus noch dicke laute Böller bis fünf Uhr morgens anzünden zu müssen – es knallte wie Bomben. Da kann man geistig nicht mehr ganz dicht sein, wenn man so lange dran Spaß hat.

Um acht aufzustehen war also hart. Kurz geduscht, die letzten vergessenen Sachen noch eingepackt, und ab zum Bahnhof. Der Ehemann fährt mit, weil ich morgen früh, noch bevor ich den ersten Arbeitstag erlebe, einen neuen Termin für eine Wohnungsbesichtigung habe. Für die erste Wohnung, die ich am Donnerstag besucht habe, ist eine Absage gekommen. Es erleichtert mich doch, weil mir die Teilung der Räume nicht wirklich gefallen hatte. Wegen Zeitdruck hätte ich sie vermutlich angenommen, wenn die Entscheidung vom Vermieter positiv gefallen wäre, um es danach doch zu bereuen. Dem Ehemann hätte die Wohnung bestimmt nicht so gut gefallen. Am nächsten Sonntag habe ich einen anderen Besichtigungstermin. Es scheint entscheidend zu sein, so schnell wie möglich auf neue Anzeigen zu reagieren. Ich habe einen Suchagent am Laufen umd kriege Emails, wenn neue Wohnungen auf Immobilienscout angeboten werden. Die letzte zustande gekommenen Termine sind alle Wohnungen, bei denen ich sofort nach der automatischen Email eine Kontaktanfrage geschickt habe.

Ich habe mir jetzt für die nächsten zwei Wochen ein günstiges Hotelzimmer gebucht. Es kostet nicht mehr als eine Wohnung, und ich kriege Frühstück und Putzpersonal. In zwei Wochen sehe ich dann weiter, wo ich übernachte. Wenn ich die zweite Wohnung von Donnerstag bekomme, könnte ich direkt einziehen. Von der Lage her würde mir die Wohnung von morgen besser gefallen. Sie liegt in der Nähe vom Starnberger See, ist aber erst ab Februar frei. Wenigstens ist mir ein Stein vom Herzen gefallen: Die Frau von der Airbnb-Wohnung am Starnberger See hat am Ende die Buchung selber storniert, so dass mir keine Kosten entstanden sind.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir uns eine BahnCard zugelegt habe, vor allem jetzt, wo die Strecke zwischen Berlin und München schneller geworden ist. BahnCard 25 für erste Klasse. Die hat sich schon mehr als gelohnt. Im Nachhinein hätten wir sogar die BahnCard 50 nehmen sollen. Ich konnte mehrmals günstig dank Sparpreis erste Klasse fahren, und da merkt man richtig den Unterschied: WLAN funktioniert einwandfrei! Das ist in zweiter Klasse meistens nur zum Verzweifeln. So kann ich meine Zeit sinnvoll nutzen und weiter nach Wohnungen suchen.

Mein Jahr 2017 in Büchern

Ein Jahr geht zu Ende, und ich stelle wieder fest, seitdem ich nicht mehr alleine als Single lebe, lese ich viel weniger. Da ich mal gefragt wurde, ob und was ich gerne lese, kommt jetzt eine Revue der Bücher, die mir 2017 in die Hände gefallen sind.

Bücher

  • Albert Camus, L’étranger. Wir hatten mit dem Ehemann mal über erste Sätze von Romanen diskutiert, und diese kannte er noch nicht. « Aujourd’hui, maman est morte. Ou peut-être hier, je ne sais pas. » Im Gymnasium hatte uns der Lehrer im Literaturunterricht gesagt, diese zwei Sätze wären die Berühmtesten überhaupt. Wenn alle Literaturlehrer in allen französischen Gymnasien das ihren Schülern erzählen, dann stimmt es auch irgendwann 😀 Quatsch, selbst Wikipedia erwähnt es. Weil ich aber nach über zwanzig Jahren nicht mehr wusste, worum es sonst in dem Buch ging, nachdem die Mutter gestorben ist, habe ich es mir gekauft. Das Buch wird als ein der Hauptwerke vom Existentialismus beschrieben. Wenn ich mich vage an La Nausée von Sartre erinnere, kommt es mir vor, als ob es hauptsächlich um gefühllose sexuelle Erfahrungen ginge, um den Sinn des Lebens wieder für sich zu entdecken. Aber Philosophie ist ja nicht meine Stärke, schließlich bin ich in dem Fach für die Abitur grandios durchgefallen. Das hat man davon, wenn man seine Mathe-Aufgaben im Philosophie-Unterricht schreibt.
  • George Cham & Daniel Whiteson, We have no idea. Ein lustig geschriebenes Buch über alles, was man in der Physik noch nicht weiß.
  • Neil Gaiman, Norse Mythology. Neil Gaiman ist einer meiner Lieblingsautoren. Ich konnte es mir nicht entgehen lassen, die nordische Mythologie auf seiner zauberhaften Schreibweise erzählt zu bekommen.
  • Günter Grass, Rede vom Verlust. Leider immer noch sehr aktuell.
  • Sybil Marshall, The Book of English Folk Tales. Das Buch hatte ich mir letztes Jahr für Weihnachten gewünscht. Ich habe ein Faible für Märchen aller Art. Diese Sammlung bietet viel mehr als Märchen, es geht auch um Legenden und Erzählungen von lokalen historischen Ereignissen in England. Die Autorin hat sich bemüht, sogar die einzelnen Dialekten in den Dialogen wiederzugeben. Besonders gut gefallen hat mir die Schmuggler-Geschichte Bury Me in England (und der französische Matrose! My sheep, she is La Belle Jeanne. We ’ave English m’sieur on board. Köstlich!). Die fast vierzigseitige Einleitung habe ich, weil sie am Anfang des Buches lag, ebenfalls gelesen, was nicht immer leicht war. Dadurch habe ich verstanden, was folklore wirklich bedeutet: folk lore, „Wissen des Volkes“. Gut, Wikipedia wusste es auch schon längst.
  • Terry Pratchett, The Shepherd’s Crown. Ich habe alle Discworld Bücher gelesen. Und sowieso alle Bücher von Terry Pratchett. Mehrmals. Einige Bücher sind nur noch mit großer Vorsicht zu behandeln, da einzelne Blätter nicht mehr fest sitzen. Nur dieses Buch, das posthum veröffentlicht wurde, noch nicht. Ich hatte es sofort gekauft, als es verfügbar wurde, aber die Tatsache, dass es danach kein neues Buch mehr von ihm geben würde… 😥 Ich habe es dieses Jahr endlich geschafft.
  • Hariett Beecher Stowe, Uncle Tom’s Cabin. Eine Bildungslücke geschlossen.

Comics

  • Pénélope Bagieu, Culottées, Tome 1 & Tome 2. Man fährt nicht an Angoulême vorbei, ohne ein paar Comics mitzunehmen. In zwei Bändern erzählt und zeichnet die Autorin das Leben von dreißig außergewöhnlichen Frauen, die den Zwängen ihrer Zeiten getrotzt und dadurch ihre Gesellschaften beeinflusst haben. Beinhaltet teilweise richtig harten Stoff.
  • Neil Gaiman, Coraline. Die von Philip Craig Russell illustrierte Version vom gleichnamigen Roman.
  • Marcel Gottlieb, dit Gotlib, Les dingodossiers. L’intégrale.
  • Ralf König, Pornstory. Schön älter, ich war nur noch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

Ich schreibe wie

Analysetool, entdeckt bei Carrie. Eine nette Beschäftigungsidee, während die ersten Böller schon auf der Straße und im Hinterhof knallen.

Die Hits aus den Einträgen vom letzten halben Jahr:

Vielleicht doch keine so gute Idee und ganz viele andere Texte:

Ich schreibe wie
Stieg Larsson

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Offener Brief an Jasmina und nicht so viele andere Texte:

Ich schreibe wie
Joanne K. Rowling

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Die Ausreißer:

Unwohl:

Ich schreibe wie
Sidney Sheldon

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Eine Knirpssche Frechheit:

Ich schreibe wie
Erich Maria Remarque

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

Der verlorene Regenschirm:

Ich schreibe wie
Friedrich Glauser

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Außer Joanne K. Rowling kenne ich keine der anderen Autoren, und selbst Rowling habe ich nicht auf Deutsch gelesen.