Das Buchheim Museum

Bilder vom letzten Sonntag. Das Wetter war schön und wir haben beschlossen, den verschobenen Besuch vom Buchheim Museum der Phantasie[1] nachzuholen.

Das Museum liegt in einem großzügigen Park Bernrieds direkt am Starnberger See. Ein Geheimtipp zum Baden ist es nicht: Der Zugang zum Wasser wird durch Zäune unmöglich gemacht.

Schon draußen wird man von Kunstwerken begrüßt, wie der Hubschrauber, der von Street-Art-Künstlern aus München bemalt wurde.

Im Museum finden mehrere Ausstellungen statt. Direkt neben der Garderobe versteckt sich hinter undurchsichtige Türe die Expressionismus-Austellung „Farben der Avantgarde“, die Teil einer größeren Ausstellungsreihe in verschiedenen Museen ist. Allein dort verbringe ich anderthalb Stunden. Der Ehemann ist viel schneller durch. Ich bin manchmal verwundert, wie schnell man an Gemälde vorbei laufen und meinen kann, etwas davon mitzubekommen. Ich stehe gerne länger vor einem Bild und schaue mir Details an, mal ganz nah, mal von weiter weg mit halb zusammengekniffenen Augen, die Eindrücke sind ganz anders. Und ich lese mir die Texte durch.

An der Etage im selben Raum sind Werke von gegenwärtigen Künstlern aus der Münchner Umgebung zu entdecken. Besonders die Pastel-Arbeiten von Monika Grashäuser[1] haben mich angesprochen.

Es ist schon fast zwei Uhr nachmittags, als ich mit dem Raum fertig bin. Der Ehemann ist wieder bei mir und ich schlage vor, etwas essen zu gehen. Ich brauche eine Pause. Die Terrasse vom Café ist voll, wir sitzen an einem Tisch drin. Es ist mir lieber, die Sonne scheint zwar, aber es ist nicht so warm und das Essen würde schnell abkühlen. Wie bestellen beide den Basilikum-Risotto mit Wolfsbarsch, das Gericht ist hervorragend und die Portionen genau richtig, nicht zu viel. Ich denke, ein Nachtisch geht noch und bestelle eine Bayrisch Creme. Das kannte ich noch nicht. Das ist auch sehr lecker, leider viel zu viel, die Hälfte hätte locker gereicht. Das hätte ich aus der Portionsgröße vom Hauptgang nicht vermutet, sonst hätten wir uns den Nachtisch geteilt. Der Ehemann ist von seiner Schokoladenmousse am Ende nicht mehr begeistert, weil es bei ihm auch zu viel war.

Wir setzen den Besuch fort und ich bin von den Blätterbildern der Ditti (Diethild Buchheim, Frau von Lothar-Günther Buchheim, der das Museum gegründet hat) entzückt.

An der Etage befinden sich Objekte zum Thema U-Boot-Krieg im zweiten Weltkrieg, die mich weniger interessieren, außer die Enigma Maschine (unten links, leider unter Glas mit extremer Lichtreflexion). Wir kommen danach zu einem großen Bereich, der eine Rekonstruktion vom Haus der Buchheim ist, wenn ich richtig verstanden habe – meine Aufnahmefähigkeit war nach so viel Zeit begrenzt. Es sind unglaublich viele Sammlungen von Objekten zu sehen, wie die kleinen Figuren im Regal, oder Briefbeschwerer. Alle Wände und Türe sind mit Bleistift angemalt. Die bunten Küchenmöbel sind putzig. Ich verbringe einige Zeit im Kaleidoskop-Raum und drehe am Rad, um Bilder zu erzeugen. In einem anderen Raum sind PiPaPop-Postern an einer Wand nebeneinander aufgestellt. Ganz schön schrill.

Weitere Gegenstände auf der Etage. Der Herr Buchheim hatte wohl ein Faible für Karussells.

Der Ehemann meint, wir haben nicht alles besucht, aber ich bin platt, als wir um fünf aus dem Gebäude kommen. Wir laufen noch ein bisschen um die Wiese, bevor wir zurück nach Hause fahren. Den Rest schauen wir uns ein anderes Mal an.

[1] Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und/oder Verlinkung.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Ein verängstigter kleiner Junge

Heute nachmittags, gegen halb vier. Ich arbeite zu Hause, in meinem Arbeitszimmer unter dem Dach, wie seit schon anderthalb Jahren, und bereite mich für ein Meeting um vier vor.

Es klingelt. Ein Paket? Ich habe ganz viele für alle Nachbarn im Haus empfangen, seitdem ich zu Hause arbeite. Ich laufe die Wendeltreppe runter zur Sprechanlage, durch die Küche und den Eingangsbereich. Ich frage, „Allo?“ aber wie so häufig scheint es zu lange gedauert zu haben. Leute machen sich die Mühe zu klingen und können dann keine zehn Sekunden stehen bleiben, um auf eine Antwort zu warten. Ich breche mir aber kein Bein in der Treppe, um schneller an die Tür zu kommen. Ich wiederhole lauter, „Allo?“ Ich höre diesmal was, zuerst unverständlich, dann fragt eine weinende junge Stimme: „Mama?“

Schluß mit vorsichtig sein. Ich frage nicht mal wer das ist sondern drücke den Türöffner lange genug, schnappe meinen Schlüsselbund, verlasse die Wohnung, schließe die Tür und laufe in Hausschuhen ohne Brille die zwei Etagen runter zum Hauseingang. „Mama?“ höre ich wieder, als ich auf der ersten Etage bin. Ich komme unten an. Ein kleiner Junge steht da und hat Mühe, die Tür offen zu halten. Tränen auf den Wangen. Ich frage ihn, blöde Frage, ob er nach seiner Mutter sucht. Irgendwas muss man fragen. Ja. Kennt er ihre Telefonnummer? Nein. Das wird schwierig. Wo hat er zuletzt seine Mama gesehen? „Hier im Haus“, antwortet er. „Dann gehen wir schauen“, schlage ich vor. Er läuft zielstrebig die Treppe vor mir hoch zur ersten Etage und macht die Tür der Praxis auf. Ich folge ihm. Das erste Zimmer ist leer, er geht zu einer anderen Tür und öffnet sie. Eine Frau steht dahinter, diskutiert scheinbar mit der Ärztin, die ich nicht sehen kann und sagt mit einer kalten Stimme, als sie ihn sieht: „Ich hatte dir doch gesagt, im Auto  zu warten!“ Sie merkt mich dann und ich erkläre, dass er bei mir geklingelt hat. „Warum bist du nicht im Auto?“ fragt sie nochmal, bedankt sich aber immerhin im letzten Moment bei mir, als ich wieder raus gehe.

Irgendwie komisch. Sie sieht ihren kleinen Jungen weinend ankommen und hat kein Wort Trost sondern nur Vorwürfe. Ich frage mich, ob der Junge die ganze Zeit im Auto war, oder ob sie ihn dahin geschickt hat. Jedenfalls ist es in dem Alter recht fahrlässig, alleine dadurch, dass viele Autofahrer in unserer Tempo-30-Zone wie Sau fahren und der Kleine zu spät zu sehen ist, wenn er zur Straße läuft. Mir scheint, zu sagen, dass die Frau ihren Sohn nicht liebt, wäre ein Euphemismus.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Cottage Pie mit Kürbis und Erbsen

So ungefähr. Briten würden bestimmt die Augen verdrehen, wenn sie lesen, was ich hier als Cottage Pie bezeichne. Genau so wie ich mich an die Haare fasse, wenn ich sehe, wie manche Leute Champignons oder Brokkoli in Ratatouille packen.

Wir hatten für gestern Abend ein Stück Rindfleisch, aus dem wir Steaks machen wollten. Es war von vorne rein klar, es war viel zu viel, und wir haben einen Teil vom Fleisch klein gewürfelt und in der Pfanne gebraten. Abgekühlt die ganze Nacht im Kühlschrank, zusammen mit den Erbsen, die ich den ganzen Tag in Wasser eingeweicht und am Vorabend gekocht hatte. Mit der Hälfte vom Kürbis, aus dem ich am Wochenende eine Suppe gemacht hatte, ist es eine Art Cottage Pie geworden. Mit den Erbsen schon drin und nicht separat dazu serviert.

Die Zutaten (für zwei hungrige Personen)

  • Etwa 150 g Rindfleisch, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 100 g grüne Erbsen, trocken – alternativ kann man auch Erbsen aus der Dose nehmen, dann braucht man nicht den ganzen Tag, um sie einzuweichen
  • Ein halber Muskatkürbis, geschält und geschnibbelt (den hatte ich am benachbarten Feld gekauft)
  • Eine mittelgroße kartoffel, auch geschält und geschnibbelt
  • Eine große Zwiebel, geschält und klein geschnitten
  • 3 Esslöffel Traubenkernöl
  • 50 g Parmesan
  • Kümmel
  • Salz und Pfeffer

Die Zubereitung

  • Die Erbsen einen ganzen Tag in kaltem Wasser mit etwas Natron einweichen lassen. Sie anschließend abgießen, spülen und eine Stunde in Wasser kochen.
  • Die Fleischstücke in einem Esslöffel Öl in einem Topf scharf anbraten und beiseite legen.
  • Im selben Topf, die Zwiebelstücke glasig dünsten. Beiseite legen.
  • Im selben Topf, die Kürbis- und Kartoffelstücke mit einem Esslöffel Öl und etwas Wasser zwanzig Minuten mit Deckel köcheln lassen, anschließend mit einem Pürierstab prozessieren. Nach Geschmack salzen.
  • Den Backofen bei 180°C vorheizen.
  • Eine Auflaufform mit Öl einpinseln.
  • Den Boden der Auflaufform mit den Zwiebeln bedecken, Kümmel drüber streuen, dann die Hälfte der Erbsen. Salzen, Fleisch drauf verteilen, dann den Rest der Erbsen und nochmal Kümmel. Pfeffern. Ein kleines bisschen Wasser geben. Das Kürbis-Kartoffel-Püree auf den Erbsen glatt verteilen. Den geriebenen Käse oben drauf streuen.
  • Für etwa zwanzig Minuten mit Umluft und Grillfunktion backen.

Ich habe zwei kleine Auflaufformen für individuelle Portionen benutzt, was den Vorteil hat, dass ich beim Ehemann den Kümmel raus lassen konnte. Er mag keinen Kümmel.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 596 1192
Eiweiß (g) 40,3 80,5
Kohlenhydrate (g) 54,5 108,9
davon Zucker (g) 9,3 18,5
Fett (g) 23,9 47,7
Ballaststoffe (g) 13,6 27,2

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Upgrade auf Ubuntu18.04

Ich habe lange gezögert, den Upgrade durchzuziehen. Zum einen, weil mein Rechner gut lief, als Ubuntu18.04 raus kam, warum sollte ich das Risiko eingehen, dass nach dem Update Abhängigkeiten von installierten Programmen brechen? Zum anderen lag damals die Unsicherheit, ob Steam[1] überhaupt für die neueren Linux-Betriebssystemen weiter entwickelt werden würde. Besser also, mit einem funktionierenden System zu bleiben. Als es vor einigen Monaten hieß, die Sicherheitsupdates gäbe es für Ubuntu16.04 nicht mehr, habe ich mich für ESM angemeldet.

Heute wollte ich nach langer Zeit Baldur’s Gate II[1] spielen, während der Ehemann das Wochenende in Berlin verbringt. Ich hatte zuletzt das Spiel von Steam aus im April gestartet. Heute ging’s nicht. Ich habe auf „Play“ geklickt, kurz sah es aus, als ob das Spiel starten würde, dann doch nicht, ohne Erklärung, keine Fehlermeldung, nichts. Ich bin zur Seite vom Spiel in Steam gegangen und habe gesehen, dass jetzt Ubuntu18.04 als minimale Anforderung steht.

Tja, dann doch den Upgrade machen. Im Terminal:

sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade && sudo apt-get dist-upgrade && sudo apt autoremove (mein  üblicher Update-Befehl, den ich als update in der Datei ~/.bashrc als Alias eingerichtet habe)

sudo apt install update-manager-core

sudo do-release-upgrade

Die Ausführung vom letzten Befehl hat anderthalb Stunden in Anspruch genommen. In der Zeit sollte man zwischendurch den Stand der Installation prüfen, weil man zwei- oder dreimal gefragt wird, etwas zu bestätigen, zum Beispiel ob die obsolete Programme entfernt werden sollen.

Am Ende vom Upgrade wird man gefragt, ob der Rechner neu gestartet werden soll. Ich habe zugestimmt und mit Furcht den Bildschirm angestarrt, als der Rechner hoch fuhr. Nach dem GRUB gab es merkwürdige grafische Artefakte, das Starten vom Betriebssystem hat ewig gedauert. Ich hatte schon Strg+Alt+F1 gedrückt, um zum Konsolenmodus zu wechseln, weil ich dachte, mit der grafischen Oberfläche wird nichts, aber es ging nicht. Vielleicht hatte ich mich auch vertippt. Beim Probieren habe ich gerade festgestellt, unter Strg+Alt+F1 gibt es jetzt auch eine grafische Oberfläche. Nach vielleicht zwei Minuten hatte ich dann doch ein Anmeldefenster, und danach wieder mein Desktop. Erleichterung.

Nicht ganz. Die Auflösung war völlig mies, das Bild flackerte. Einige Programme schienen sich zu öffnen, aber ich konnte das Fenster nicht sehen. Zum Glück habe ich schnell gemerkt, dass die Anzeige auf einem virtuellen Bildschirm erweitert wurde. In den Einstellungen konnte ich die Nutzung von nur einem Bildschirm erzwingen, und alle geöffnete Programme waren wieder sichtbar. Blieb das Problem der Auflösung. Während des Upgrades wurden scheinbar die Treiber für meine Grafikkarte (NVIDIA Corporation GF108 [GeForce GT 620][1]) deinstalliert. Nochmal installiert, das Repository hatte ich früher selber hinzugefügt und es wurde auch beim Upgrade entfernt:

sudo add-apt-repository ppa:graphics-drivers/ppa

update (siehe oben)

sudo apt-get install nvidia-driver-390

Und nochmal Neustart. Nach drei Stunden Upgrade und Fehlersuche hatte ich meine übliche Auflösung zurück bekommen und konnte wieder Baldur’s Gate II spielen.

Ich weiß, eigentlich sollte ich schon auf Ubuntu20.04 sein. Das mache ich jetzt nicht, weil ich einige selbstgeschriebene Programme auf Python2.7 habe, die ich in Python3.8 umschreiben müsste. Weil Python2.7 in Ubuntu20.04 nicht mehr unterstützt wird. Bis ich wirklich wechseln muss, habe ich hoffentlich einen neuen Rechner. Dieser ist schon neun Jahre alt, Pillars of Eternity[1] läuft nicht gut drauf.

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Pizza mit Pommes

Mein heutiger Krankengymnastiktermin war in der Mittagspause. Auf dem Weg nach Hause habe ich beschlossen, beim neuen Imbiss um die Ecke etwas zu nehmen. Ich war noch nie drin.

So neu ist der Imbiss nicht, er hat schon einige Monate auf dem Buckel. Ich war am Anfang skeptisch, weil in diesem Lokal ständig neue Buden eröffnet haben, teilweise mit monatlichem Personalwechsel, seitdem unsere Kiezstammbäckerei geschlossen hat. Der neue Imbiss hat sich länger durchgesetzt, er muss doch gut sein.

Ich also rein. Die Auswahl ist auf dem ersten Blick nicht so groß, sie arbeiten vor allem mit Bestellungen. Ich wähle ein Stück Pizza Margherita und eine Portion Pommes zum Mitnehmen. Super Gesundes. Beim Warten fällt mir das leise Radio auf, aus dem Französisch wahrzunehmen ist, auch zwischen den Liedern. Französisch mit einem Akzent aus der anderen Seite vom Mittelmeer. Ich bin erstaunt und frage mich, was das für ein Sender ist. Zwei Männer am Tisch hinter mir reden auf Arabisch, sie verhalten sich, als ob sie auch hier arbeiten würden.

Am Hafen von Hyères, vor drei Wochen.

Das letzte Mal, dass ich Pommes gegessen hatte, war vor drei Wochen im Urlaub. Wir hatten mit dem Ehemann auf dem Weg zu meiner Mami am Hafen von Hyères[1] kurz angehalten. Ursprünglich wollten wir im Mittelmeer schwimmen, aber an dem Tag war es stürmisch und wir haben stattdessen kurze Pause in einem Strandlokal gemacht. Ich hatte Lust auf Pommes bekommen und die Karte versprach ein Pommesduo mit Kartoffeln und Süßkartoffeln. Das waren die ekligsten Pommes, die ich je gegessen habe. Sehr braun frittiert, völlig labrig, fast wie Brei und geschmacklos, vermutlich wieder erwärmt. Ich denke, die Saisonarbeiter machen sich nach der Touristenflut keine Mühe mehr.

Heute waren die Pommes auch nicht so prickelnd. Knusprig waren sie nicht, sie waren glatt und ihre Farbe war viel zu hell. Sie sind definitiv nicht lange genug im Öl geblieben. Wenigstens hatten sie eine gewisse Konsistenz, auch wenn sie recht biegsam waren. Die Pizza war immerhin gut.

Worum es mir eigentlich ging, als ich den Beitrag angefangen habe: Als ich zahlen wollte, meinte der freundliche Mann hinter der Theke, es wären nur vier Euro fünfzig. Trotz Maske muss mein Erstaunen zum Ausdruck gekommen sein. Die Portion Pommes alleine sollte doch drei Euro fünfzig kosten. Der Mann: „Ja, für Schüler machen wir niedrigere Preise“. Menno.

Ich weiß noch, wie ich einmal in einem Supermarkt in Berlin meinen Ausweis an der Kasse zeigen musste, weil ich Tiramisù kaufen wollte. Tiramisù enthält Alkohol. Ich war sechsunddreißig. Der Spuck der ewigen Jugend dürfte aber in ein oder zwar Jahren vorbei sein. Im Dorf bei meiner Mami habe ich letzten Monat einige Frauen gesehen, die ein bisschen älter als ich sind und die mir immer wieder bei meinen Besuchen auf dem Weg laufen. Wir hatten die selben Schulen besucht aber waren nicht vom selben Jahrgang, befreundet sind wir nicht. Es war ein Schock zu sehen, wie sie auf einmal älter aussehen.

[1] Am Tag davor gab es unweit mal wieder Überschwemmungen und Hochwasser. Angeblich sollte das Wetter in Hyères noch in Ordnung sein, meinte die Wetter-App vom Ehemann, aber das war glatt gelogen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Wandelmut

Lange haben wir gewartet.

Vor zweieinhalb Jahren habe ich Karten für ein Konzert von Bodo Wartke in München gekauft. Es war ein Samstagabend, und ich hatte gerade die Meldung über den geplanten Auftritt für sein neues Programm Wandelmut[1] auf sozialen Medien gelesen (hier[1] eine Rezension). Ich hatte sofort zugeschlagen und war überglücklich, Karten in der zweiten Reihe ergattern zu können. Eins war sicher, ich würde im folgenden Jahr auf jeden Fall in München sein, egal, ob ich den Job und die Stadt wechsle oder nicht.

Ein Jahr später war Pandemie. Der Auftritt wurde erst um sechs Monate verschoben, und dann um ein weiteres Jahr. Gestern war es endlich so weit und bin ich froh, dass die Migräne vorbei war! Am Sonntag wollten wir zum Buchheim Museum[1], mir hatte der Schädel nach zehn Minuten im Auto so gebrummt, dass wir stattdessen in Starnberg am See gefrühstückt haben.

Vor dem Eingang wurde nach den 3G geprüft und ich habe mich gefragt, warum man dafür so lange warten musste, da man es lange gewohnt ist, seine Daten bei jedem Gastronomiebesuch zu hinterlassen. Ach so, ja, weil jetzt so viele geimpft sind und eine Ansteckung nicht mehr so schlimm ist. Wobei ich mich frage, wie viele Leute ihre Impfnachweise gefälscht haben.

Jedenfalls war der Saal gestern Abend rappel voll. Fast alle von den dreitausend Sitzplätzen waren belegt. Die zweieinhalb Stunden sind wie im Flug vergangen, ich hätte noch länger bleiben können. Unten einige Fotos schlechter Qualität aus dem Handy. Links in der ersten Programmhälfte, mit rotem Anzug und grüner Belichtung, dann in der zweiten Hälfte mit grünem Anzug und roter Belichtung. Ach, hätte ich die Kamera mitgebracht…

Es ist nicht das erste Mal, dass ich Bodo Wartke bei einem Auftritt erlebe. Ich bin erstaunt, dass ich noch nie darüber geschrieben habe, nicht mal ein Video habe ich verlinkt. Vor einigen Jahren hatte ich den Ehemann zum Admiral Palast für das Programm Swingende Notwendigkeit geschleppt. Ich weiß nicht mehr wann, nicht mal in welchem Jahr. Kennen gelernt hatte ich ihn durch seinen Kollegen Sebastian Krämer, den ich einmal vor noch viel längerer Zeit in Aachen gesehen hatte. Während der Konzert-Pause hatte ich eine DVD von ihm gekauft, und Bodo Wartke hatte drin einen Gastauftritt. Auch über Sebastian Krämer habe ich noch nie hier geschrieben, obwohl ich auch den Ehemann zu einem Auftritt von ihm in Neukölln eingeladen hatte. Wofür halte ich denn Tagebuch?

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Augenmigräne, die Zweite

Ich war auf Arbeit, in dem Institut, in dem ich meine Doktorarbeit gemacht habe. Ich saß am Schreibtisch. Plötzlich konnte ich nicht mehr richtig sehen, meine Sicht wurde trüb und es gab einen farbigen Klumpen in meinem Blickfeld. Augenmigräne. Ich bin aufgestanden und zum Büro von meinem Doktorvater gegangen, um ihm Bescheid zu sagen, dass ich gerade nicht arbeiten konnte. Sein Büro war leer. Ich habe eine Nachricht beim Sekretariat gegeben.

Als ich wieder im Flur war, traf ich meinen IT-Kollegen aus meiner zweiten Postdoc Stelle in Berlin. Ich habe ihm das mit der Augenmigräne erzählt, ein kleiner bunter Halbkreis hatte sich schon in meinem linken Auge gebildet. Die IT-Kollegin hat sich zu uns mitten im Flur gesellt. Ich habe meinen IT-Kollegen gefragt, „wie geht es dir sonst so?“ Ich hatte ihn ewig nicht mehr gesehen. Er hat etwas Unverständliches wie „ra ra ra ra“ geantwortet, mehrmals, es wurde mich unheimlich.

Ich bin aufgewacht. Der Ehemann neben mir war am Schnarchen. Genau das Geräusch, das mein IT-Kollege im Traum von sich gegeben hatte. Ich habe den Ehemann an der Schulter geschubst. Er hat sich umgedreht und war so genervt, dass er mich schlagen wollte. Mir wurde kalt in den Rücken.

Ich bin aufgewacht. Der Ehemann neben mir war immer noch ruhig am Schnarchen, mit dem Rücken zu mir gedreht. Meine Arme waren noch unter der Decke, ich konnte ihn nicht im Traum angeschubst haben. Ich habe ihm gesagt, „du schnarchst“. Er hat sich umgedreht, das Schnarchen eingestellt und weiter geschlafen. Die Augenmigräne war immer noch im Gange. Wie letzte Woche ist der bunte Halbkreis genau an der gleichen Stelle gewachsen und gewachsen, bis er links aus meinem Sichtfeld verschwunden ist.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Krank

Ich habe mich heute beim Aufstehen schlecht gefühlt. Eigentlich hat es früher angefangen, ich habe mich schon schlecht gefühlt, als ich gegen vier Uhr morgens aufgestanden bin, um zu trinken und die Blase zu leeren. Ich dachte, nach drei weiteren Stunden Schlaf würde es mir besser gehen. Nein.

Nach einer langen Dusche und einem kleinen Frühstück, bestehend aus Wasser, einem Mini-Schokokuchen[1] und einem Apfel aus dem Markt, habe ich um acht den Laptop aufgeklappt und angefangen zu arbeiten. Nach und nach hat sich mein Magen schwer angefühlt, Kopfschmerze sind gekommen und ich konnte das Licht vom Bildschirm kaum ertragen. Ich habe es gerade geschafft, eine Modellberechnung auf unserem Server zu starten, und habe mich dann nach anderthalb Stunden Arbeit krank gemeldet. Mit insgesamt 38:40:20 Arbeitsstunden für diese Woche. Was ist der Sinn von Urlaub, wenn ich danach so viel arbeite, dass ich die Zeit nachhole? Fakt ist, egal wie viel ich arbeite, es wird immer so viel zu tun geben.

Nochmal zur Toilette, Durchfall. Ich habe meinen Krankengymnastiktermin abgesagt, eine Tablette gegen Kopfschmerze geschluckt, das Schlafzimmer verdunkelt und mich ins Bett gepackt. Mir war kalt. Zwanzig Minuten später vom Bett gesprungen. Mein Frühstück ist rückwärts in die Kloschüssel gelandet. Die Apfelstücke haben noch fein geduftet. Mund mit Wasser gespült, Zähne putzen soll direkt nach dem Erbrechen schlecht sein, und zurück ins Bett. Ich habe drei Stunden geschlafen.

Ich war alleine in einer Stadt unterwegs. Es war schön sonnig mit blauem Himmel. Es gab ein lustiges Gebäude, wie eine Kirche, aber mit schrillen bunten Wasserspeiern aus Kunststoff, schwarze Totenschädel und hell grüne Darth Vaders[2]. Ich habe gedacht, ich müsste sie fotografieren, es würde Bianca[3] sicherlich erheitern. Meine Kamera konnte ich nicht auf die schnelle finden. Ich habe versucht, das Bild stattdessen mit meinem Handy aufzunehmen, es wollte aber nicht richtig fokussieren. Wenn ich auf den Turm zielte, wollte es den Dach runter fotografieren, oder den jungen Mann an der Terrasse vom Café unten, alles, nur nicht den Turm. Ich habe aufgegeben, wollte das Handy zurück in die Handtasche stecken und habe auf einmal gemerkt, die Handtasche hatte ich nicht dabei. Umgedreht. Sie lag ganz offen auf einer grünen Bank, neben meinem Rucksack, ebenfalls offen, in dem mein Dienstlaptop auch steckte. Der Laptop ging von alleine an. Ein Glück, dass niemand die Taschen mitgehen lassen hatte.

Ich war mit dem Ehemann in einer unterirdischen Einkaufshalle. Vielleicht waren wir in einer U-Bahn-Station. An der Theke einer Fleischerei haben wir eine ältere Freundin getroffen, eine Dame mit kurzem blonden Haar, die uns spontan bei sich zu Hause einladen wollte. Dort angekommen habe ich mich ausgezogen[4]. Ich kam vom Bad mit meinem langen braunen Rock, meinem T-Shirt und meinem BH auf dem Arm, als jemand an der Tür klingelte. Ich bekam Panik und guckte, wo ich mich verstecken könnte. Gegenüber vom Bad war die Tür zu einem großen Raum, in dem meine Schwester mit ihrem Sohn war. Ich bin rein gelaufen, als die Freundin die Tür öffnete. Ich schrie „Attends, attends!“[5], weil ich noch nicht die Tür zum Zimmer geschlossen hatte.

Beim Aufwachen war mir immer kalt. Ein komisches Gefühl. Am oberen Teil vom Körper ging’s, meine Füße und meine Beine unterhalb vom Knie waren kalt. Dabei war ich vollständig in der Daunendecke eingepackt. Ich bin aufgestanden, habe ein Stück Brot gegessen, es scheint besser zu gehen. Ein heißes Getränk musste auch sein, ich habe mir eine Tisane mit Zitronenstrauch gemacht. Das ist etwas, wonach ich mich in den letzten Monaten sehr gesehnt habe, das ich aber in den Läden nie finden konnte. Die richtige Übersetzung vom Kraut ins Deutsche muss man auch finden. Lange dachte ich, es würde Eisenkraut heißen. Tja. Der Ehemann hat im Urlaub das Auto mit Wein beladen, ich habe die Koffer voll mit verveine gepackt.

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[2] Ich habe vorgestern die Vorschau von der SchleFaZ[1] gesehen, ich hoffe, meine Migräne klingt vollständig ab, ich will die heute Abend unbedingt gucken. Es wird episch.

[3] Die Witwe von meinem Bruder, auch wenn sie nicht verheiratet waren, sie waren länger zusammen als ich mit dem Ehemann.

[4] Warum auch immer.

[5] „Warte, Warte!“

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.

Augenmigräne

Heute vormittags war komisch. Ich saß vor dem Laptop und war am Arbeiten, als ich plötzlich merkte, dass ich den Bildschirm nicht mehr so gut sehen konnte. Es war nur eine kleine Störung, aber ich musste mich anstrengen, um zu fokussieren. Ich habe die Augen geschlossen und gemerkt, dass etwas in der Mitte vom linken Auge flackerte.

Ich habe versucht, weiter zu arbeiten. Nach einer Weile hat sich der Fleck verbreitet und angefangen, wie ein bunter halber Kreis auszusehen, der aus kleinen Segmenten aus den drei RGB-Grundfarben besteht. Es war schwer, das Muster genau zu beobachten, weil es flackerte. Hinter und um den Kreis war alles verschwommen. Der Kreis ist langsam aber sicher gewachsen. Ich musste Pause machen. Selbst beim Gitarrespielen hatte ich Schwierigkeiten, die Saiten zu sehen. Die Augen zu schließen hat keine Verbesserung gebracht, der Halbkreis war immer noch da.

Ungefähr so kann man sich den Effekt vorstellen, außer, dass die Zick-Zack-Linien geflackert haben:

Das ist nicht mein Laptop für die Arbeit sondern mein privates PC, am Abend mit schlechtem Lichtverhältnis fotografiert. Zick-Zack mit Krita gemalt, in Gimp auf das Foto kopiert und den Bereich um das Zick-Zack in der Foto-Ebene unscharf gemacht. Jetzt fällt mir auf, wie dreckig meine Tastatur ist, der Aufnahmewinkel ist wirklich ungünstig.

Der Kreis ist so lange gewachsen, bis er zum Schluss nur noch am oberen linken Rande von meinem Blickfeld wahrzunehmen war. Es hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert. Danach konnte ich wieder gut sehen, aber ich habe mich die nächsten Stunden völlig matschig gefühlt.

Ich erinnere mich, einmal in Berlin diese Erfahrung gemacht zu haben. Es soll nichts Schlimmes sein.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf Meckereien & Co. erschienen.