Spargel-Orangensalat

Diesen Salat habe ich mir ausgedacht, um den Rest Spargel vom Risotto mit Spargelduo aufzubrauchen. Daher sind die Mengenangaben nicht so genau. Die Idee, Spargel mit Orange zu kombinieren, ist mir einfach so auf dem Markt in den Kopf gekommen, aber ich habe sie mir bestimmt irgendwo aufgeschnappt. Ich komme ja nicht aus einer Gegend, wo weißer Spargel so vergöttlicht wird wie in Deutschland. Eigentlich kannte ich aus meiner Provence nur die wilde, dünne, grüne Sorte aus dem Garten, die man hier als Kraut bezeichnen würde und aus der wir Omelette gemacht hatten. Ich habe gestaunt, das erste Mal, dass ich den dicken weißen Spargel gesehen habe. Ich kann mich nur nicht mehr erinnern, ob und wo ich diese Idee von Spargel mit Orange gelesen haben könnte. Egal. Lecker war’s.

Die Zutaten (für 2 Personen als kleine Vorspeise)

  • 1 mittelgroße Orange
  • 1 Bund minus 8 Stangen grüner Spargel
  • 1 Bund minus 4 Stangen weißer Spargel
  • 1 Schalotte
  • 1 gute Handvoll ganze Haselnüße
  • 1 Esslöffel Sonnenblumenkernöl
  • 2 Esslöffel von einem fruchtigen Essig (ich: selbstgemachter Heidelbeeressig vom letzten Sommer)
  • 2 Stangen glatter Petersilie
  • Salz

Die Zubereitung

  • In einer kleinen Salatschüssel, die Vinaigrette vorbereiten: Essig, Öl, Salz und die fein geschnittene Schalotte zusammen rühren.
  • Den Spargel waschen, schälen (weiß: über die ganze Länge, grün: den unteren Drittel), das harte Ende abschneiden und in mundgerechten Stücke schneiden. Beim grünen Spargel den Kopf länger schneiden und vollständig lassen.
  • In einem kleinen Topf, ein halbes Liter Salzwasser zum kochen bringen und die Spargelstücke ohne die grünen Köpfe drin zehn Minuten bei schwacher Hitze kochen. Abtropfen und abkühlen lassen.
  • Die Haselnüße mit einem scharfen Messer halbieren und in einer Pfanne ohne Fett so anrösten, dass die dünne braune Schale sich danach von selbst löst. Abkühlen lassen.
  • In der Pfanne, die Köpfe vom grünen Spargel mit Sonnenblumenkernöl scharf anbraten.
  • Die Orange schälen, die Filetstückchen halbieren und zur Vinaigrette geben.
  • Alle andere abgekühlte Zutaten zum Salat geben und mit den grob geschnittenen Petersilienblättern gut rühren.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 233 466
Eiweiß (g) 6,5 12,9
Kohlenhydrate (g) 16,2 32,3
davon Zucker (g) 13,5 27
Fett (g) 14,2 28,3
Ballaststoffe (g) 6,7 13,3
Advertisements

Das Wochenende in Bildern

Das Wochenende hat am Freitag nach Feierabend angefangen, als ich mich um halb fünf auf dem Weg zum Münchener Hauptbahnhof gemacht habe. Ich hatte mehr als genug Zeit, aber man weiß nie, mit ÖPNV. Ich bin eine Stunde vor Abfahrt des Zuges angekommen und habe es mir erstmals in der DB Lounge bequem gemacht. Ich hatte eine Fahrkarte in erster Klasse, also warum darauf verzichten? Dort kriegt man umsonst Speise und Getränke angeboten, und ich hatte Durst. Die Sitzplätze sind in der Lounge leider rar. Bis jetzt hatte ich immer Glück, und am Freitag konnte ich einen Sessel finden. Den letzten freien Sessel.

Die Fahrt selbst war in Ordnung, bis wir bei Zapfendorf eine ziemlich brutale Notbremse erleben durften. Mir gegenüber saß niemand, was gut war, da mein Handy und meine Brille vom Tisch aus zum leeren Sessel geflogen sind. Die Flasche Cola konnte ich gerade noch retten. Der Grund für diesen „außerplanmäßigen“ Aufenthalt: „Signalstörung“. Mein älterer Nachbar, der am Tisch auf der anderen Seite vom Gang saß, hat eine Weile gebraucht, um sich davon zu erholen, seinem lauten, aufgeregten Atem nach zu beurteilen. Die Weiterfahrt war anfangs zögerlich, und wir haben zwanzig Minuten Verspätung gesammelt. Da ich in erster Klasse saß, habe ich nicht mitbekommen, wie voll der Zug war, bis ich mich auf der Suche nach einer freien Toilette gemacht habe. Die Leute haben samt Gepäck mitten in den Fluren gesessen! Der Ehemann hat mich in Südkreuz abgeholt und wir sind direkt nach Hause gefahren.

An nächsten Morgen habe ich mich auf dem Balkon richtig gefreut: Die Nelken, die ich vor drei Jahren eingepflanzt hatte, haben endlich geblüht! Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben. Ich war zuletzt vor einem Monat in Berlin und habe die ganze Entwicklung nicht mitbekommen. Der Ehemann war so lieb und hatte mir zwischendurch Fotos von den Kuhschellen mit Schachbrettmuster geschickt, die dieses Jahr wieder gewachsen sind. Sonst hätte ich sie verpasst, sie sind schon verblüht. Wir sind früh zum Markt gegangen und unterwegs habe ich diese wunderschöne Blumen rechts in einem Garten entdeckt.

Es war ein sonniger Tag. Wir brauchten eigentlich nichts aus dem Markt, da der Ehemann schon eingekauft hatte. Am Abend waren wir zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, und ich hatte Hummus versprochen. Mir fiel dann ein, dass wir am Sonntag den Schwiegervater einladen könnten, und dass wir für Montag auch etwas planen sollten. Spargel, Rotbarsch und Gnocchi haben den Weg zur Einkaufstüte gefunden. Auf dem Rückweg nach Hause haben wir eine gemütliche Mittagspause beim Franzoser um die Ecke gemacht. Austern für den Ehemann, Pastete für mich. Angestoßen haben wir. Zwei Jahre schon… Und schon das zweite Mal, das wir es versäumen, unseren Hochzeitstag zusammen zu feiern. Letztes Jahr war ich in Finnland, dieses Jahr war er in Israel. Etwas muss sich ändern.

Als wir nach der Mittagspause zu Fuß weiter gegangen sind, ist mir dieser Baum mit dem Riesenpilz am Fuß aufgefallen.

Auf der Geburtstagsfeier sind wir nicht sehr lange geblieben. Um elf Uhr abends waren wir zu Hause. Müde, und meine Periode war so stark… Eine ganze Woche zu früh. Seitdem ich die Pille nicht mehr einnehme, ist mein Zyklus wieder durcheinander. Vermutlich die Wechseljahre.

Am Sonntag wussten wir zuerst nicht, was wir machen wollten, bis ich vom Karneval der Kulturen gelesen habe. Ich mag keine Menschenmenge, aber gegen mittags war es noch angenehm. Was sich vom Namen her zuerst interessant anhörte, hat sich am Anfang nur als großer Markt mit einer Sammlung von unauthentisch „authentischen“ berliner Hipster-Buden mit Superfood entpuppt. Ich hatte irgendwie andere Erwartungen. Das Gelände der Veranstaltung ist ziemlich groß und nach einer Weile war das Angebot doch abwechslungsreicher. Bei einer afrikanischen Bude habe ich ein paar Leckereien probiert, und die Verkäuferin war erfreut, dass ich Französisch spreche. Auf einer Bühne konnte man Kinder einer Musik-Schule beklatschen, die auf Spanisch gesungen haben. Es gab sogar ein Stand mit polnischer Wurst.

Als es mir zu viele Leute wurden, sind wir gegangen. Kurz vor dem Umzug. Wir haben den alten St.-Matthäus-Kirchhof besucht, den ich noch nicht kannte. Dort sind viele bekannte Persönlichkeiten begraben, wie zum Beispiel die Brüder Grimm. Oder der Chemiker Eilhard Mitscherlich. Die Ruhe vom Friedhof war willkommen. Trotzdem konnte man von dort ganz schön laut den Umzug hören. Beim Verlassen des Friedhofs konnte ich mir noch unbekannte Wandmalereien bewundern. Berlin ist voll von solchen Schätzen. Es hat übrigens am Wochenende zum allerersten Mal den Berlin Mural Fest zum Thema gegeben. Habe ich zu spät erfahren. Wie immer.

Am Abend habe ich den Risotto mit Spargelduo für den Schwiegervater gekocht, und der Ehemann hat den Fisch gebraten. Wir waren alle vom Ergebnis begeistert. Und es gab wieder Anlass zum Anstoßen, denn der Ehemann hat endlich eine Stelle in München gefunden! Gut, ich wusste es, der Schwiegervater aber noch nicht. Der Vertrag muss noch unterschrieben werden, und wenn es wie geplant läuft, fängt er im August an. Gekündigt hatte er sowieso schon, für seine aktuelle Stelle, da wir herausgefunden haben, dass er Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte, wenn er wegen mir umzieht. So wird jetzt der Umzug entspannter. Ich rechne damit, dass ich hier spätestens im Juli meine Küche habe. Ich vermisse sie. Den Ehemann auch, das dürfte klar sein.

Da es noch Spargel gab, habe ich sie alle für Montagmittag in einem leckeren Spargel-Orangensalat verarbeitet. Dazu gab’s die Rote-Bete-Gnocchi mit Mascarpone-Füllung aus dem Markt. Das Wetter war wieder toll und wir konnten den Balkon genießen.

Die Rückfahrt nach München lief ohne Problem. Fast. Es gab keine Gastronomie an Bord. Als ich es erfahren habe, war es zum Glück früh genug, um mir ein Sandwich und eine Flasche Apfelschorle in Südkreuz zu besorgen. Kontrolleure gab es anscheinend auch nicht, niemand hat nach Fahrkarten gefragt. Ob das Zugpersonal gestreikt hat? Kurz nach zehn war ich am Hauptbahnhof, und wegen zwei Minuten Verspätung durfte ich zwanzig Minuten lang auf meine nächste S-Bahn warten. Elf Uhr abends zu Hause.

Risotto mit Spargelduo

Die Zutaten (für 4 hungrige Personen)

  • 300 g Reis (runde Körner)
  • 1 Esslöffel Butter
  • 2 Schalotten
  • 1 Glas Weißwein, trocken
  • Gemüsebrühe
  • Grüner Spargel, 8 Stangen
  • Weißer Spargel, 4 Stangen
  • Glatte Petersilie, fein gehackt
  • Parmesan, gerieben

Die Zubereitung

  • Den Spargel waschen, schälen (weiß: über die ganze Länge, grün: den unteren Drittel), das harte Ende abschneiden und in mundgerechten Stücke schneiden.
  • In einem kleinen Topf, ein halbes Liter Salzwasser zum kochen bringen und die Spargelstücke drin zehn Minuten bei schwacher Hitze kochen.
  • In einer hohen Pfanne, die Butter schmelzen lassen und die klein geschnittenen Schalotten drin glasig dünsten.
  • Reis in die Pfanne hinzufügen und gut umrühren.
  • Weißwein zum Reis gießen und umrühren, bis die Flüssigkeit aufgekocht ist.
  • Nach und nach die Gemüsebrühe zum Reis geben und dabei ständig umrühren. Es soll immer ganz wenig Flüssigkeit vorhanden sein, um die Stärke aus dem Reis herauszuholen. Das führt dazu, dass am Ende der Risotto sämig wird.
  • Wenn der Reis gar ist, Spargelstücke, Parmesan und Petersilie runter mischen.
  • Auf Tellern anrichten und mit Parmesan und Petersilie bestreuen.

Nährwertangaben

pro Portion fürs Rezept
Energie (kcal) 402,5 1610
Eiweiß (g) 11,5 45,9
Kohlenhydrate (g) 58,1 232,3
davon Zucker (g) 1,8 7
Fett (g) 10,7 42,7
Ballaststoffe (g) 2,9 11,6

Erst prüfen, dann teilen

Das gilt sowohl für Falschmeldungen wie allgemein für Hoaxes. Ein sinnvoller Ratschlag, der von Hoaxbuster (auf Französisch) immer wieder empfohlen wird, und ich wünsche, meine Mami würde sich auch dran halten.

Heute Nachmittag habe ich eine private Nachricht von ihr via Facebook bekommen. Schon ungewöhnlich, vor allem, da wir uns keine Stunde später anrufen wollten. Ob etwas los war?

Nein. In der Nachricht war ein Foto von einem ausgedrucktem Brief, angeblich vom Uniklinikum in Nantes, wo ein Arzt nach einem Spender für eine Einjährige mit Leukämie sucht. Das Foto hatte ich schon ein paar Tage zuvor beim schnellen Durchscrollen bei einer anderen Person bemerkt und sofort ignoriert, denn es ziemlich stark nach einem Hoax roch. Es wundert mich immer wieder, was für ein Müll einige Leute ständig verbreiten, ohne ihre „Fakten“ zu prüfen.

Dass meine eigene Mutter es auch macht, das ist mir jetzt peinlich. Für mich. Weil ich dachte, ich hätte sie schon ausführlich über solche falsche Meldungen aufgeklärt und sie würde nicht reinfallen. Vor allem, da sie sonst nie Falschmeldungen auf Facebook teilt. Kurz habe ich mich gefragt, ob jemand Zugriff auf ihr Konto bekommen hätte. Aber am Telefon sagte sie auf Nachfrage, sie hätte wirklich selber die Nachricht geschickt. Die hätte sie von einer Freundin bekommen und schnell weiter geteilt, weil sie dringend klang, ohne sie überhaupt gründlich gelesen zu haben! Selbst den Text dazu hatte sie pauschal übernommen, wo drin steht, dass es sich um das Kind eines Freundes von ihr handelt! Ist es aber nicht!

In diesem Fall war es auch ganz leicht, die Meldung zu prüfen. Eine Google-Suche mit den Namen vom Klinikum und vom Arzt gab als erstes Ergebnis diese Erklärung vom Klinikum, wo drin steht, dass der Arzt nie am Klinikum gearbeitet hat, und die angegebene Telefonnummer nicht mal vom Klinikum ist. Der Clou: Die Erklärung ist von 2009! Wenn es nicht genug ist, gibt es auch zahlreiche Pressemeldungen, die von der Rückkehr des Hoaxes letztes und dieses Jahr berichten. Die Dinger sind einfach nicht tot zu kriegen.

Mit Durchfall in den Tag

Dabei hatte ich so vieles vor, heute.

Putzen, zum Beispiel. Staubsaugen, Boden wischen, Fenster putzen wären dran.

Mit dem Fahrrad zum nächstgelegenen Feld fahren, um Tulpen für zu Hause selbst zu schneiden. Das habe ich schon länger vor.

Oder zum Sport gehen. Ich war gestern mit einer Kollegin dort, da Fitness First diese Freitagsaktion anbietet. Dadurch, dass ich ihr erstmals alle Geräte erklärt und aufgepasst habe, dass sie die Übungen richtig ausführt, bin ich nicht mal zur Hälfte meines üblichen Programms gekommen, und ich dachte, ich könnte am Wochenende nachholen.

Oder endlich mal ein Stück Kuchen bei der netten Bäckerei im Stadtzemtrum essen. Dort war ich bis jetzt nur zum Frühstücken, wenn der Ehemann zu Besuch kommt. Man kriegt sogar Eduroam, also könnte ich nach Herzenslust Fotos von den letzten Wanderungen hier und auf Facebook hochladen, ohne auf mein Datenvolumen mit miesem Empfang angewiesen zu sein.

Pustekuchen. Seit heute Morgen gurgelt mein Bauch, und alle zehn Minuten muss ich zur Toilette rennen. Ich wage es nicht mal, zum Penny runter zu laufen, um Klopapier zu kaufen. Ich hoffe, die zwei letzten Rollen, die ich noch habe, werden reichen, bis sich mein Darm beruhigt hat. Hoffentlich ist es nur ein kurzfristiges Verdauungsproblem. Ich habe mir vielleicht zu häufig Couscous mit dem Wasserkocher zubereitet.

Es hätte schlimmer sein können. Es hätte beim Wandern passieren können.

Feiertag

Ich sitze alleine auf der Couch im Wohnzimmer meiner sonst immer noch fast leeren Wohnung und genieße die freie Zeit. Mal nichts zu tun muss auch sein. Kein Pendeln. Morgen arbeite ich. Das Wetter is nicht so toll, mal Sonne, mal graue Wolken, frisch ist es, windig, und es soll noch regnen. Ich bleibe lieber zu Hause. Vielleicht schaffe ich es, die zahlreiche Fotos, die ich bei unseren Wanderungen in den letzten Wochenenden gemacht habe, fertig zu bearbeiten und einige davon hochzuladen. Wir hatten echt tolle Zeiten, das will ich hier fest halten.

Der Ehemann ist jetzt auf Reise mit seinen Kumpeln. Nicht für Vatertag. Ein Schulfreund hat Geburtstag und will in seiner Heimat groß feiern. Ein halbes Jahrhundert ist es wert. Die Jungs sind heute Nacht in Tel-Aviv gelandet und scheinen Spaß zu haben. Sei es ihnen gegönnt.

Spät schlafen konnte ich heute Morgen nicht. Einerseits mache ich mir immer Sorgen, wenn der Ehemann fliegt. Andererseits kann ich morgens eh schlecht schlafen, wenn Licht ins Schlafzimmer kommt. Trotz Außenjalousien wird es früh hell.

Gestern Abend war ich sowieso schon nach Feierabend auf der Couch eingeschlafen. Bestimmt zwei Stunden lang lag ich da, bis der Ehemann sich kurz vor Boarding meldete. Eine Migräne hatte ich bekommen, die erste seit längerer Zeit. Ich vermute, das Wetter war schuld. Wir haben Gewitter bekommen, und seit mittags fühlte ich mich im Büro unwohl. Der Himmel war sehr schwer mit bedrohlichen dicken grauen Wolken, zum Glück ist der Regen nicht so stark geworden.

Schon blöd, weil wir auf Arbeit eine Grillparty veranstaltet hatten. CEO#2, Mitgründer der Firma, der mein Vorstellungsgespräch geführt und die Entscheidung über meine Einstellung getroffen hatte, verlässt die Firma. Ganz freiwillig war das nicht, obwohl er versucht hat, es so darzustellen, als er uns vor drei Monaten informiert hatte. Seit der Übernahme der Firma vor einigen Jahren hatte er nur noch einen befristeten Vertrag, und dieser wurde einfach nicht verlängert. Stattdessen haben wir eine vom Mutterkonzern ausgewählte Frau bekommen, die sicherlich auch gut ist. Dass CEO#2 uns verlässt hat aber viele von uns überrascht und traurig gemacht, meinen direkten Chef deutlich spürbar.

Um mich bei CEO#2 für meine Einstellung zu bedanken, habe ich Taboulé für die Grillparty gemacht – nicht wie mein Salat mit Petersilie und Tomaten, sondern richtig im Ottolenghi-Tamimi-Stil, mit ganz dünn geschnittener Petersilie und Minze. War das vielleicht aufwendig! Das Waschen der Kräuter allein hat schon lange gedauert. Ich habe Krämpfe in der linken Hand bekommen, die die gestapelten Blätter die ganze Zeit zusammen gehalten hat, damit ich sie mit dem scharfen Messer vorsichtig schneiden konnte. Über drei Stunden habe ich gebraucht. So sorgfaltig war ich beim letzten Mal nicht. Dank Wasserkocher konnte ich sogar ein kleines bisschen Couscous reinmischen. Das Ergebnis war jedoch geschmacklich nicht ganz zu meiner Zufriedenheit. Dafür hätte ich mehr Gewürze gebraucht, die alle noch in meiner Küche in Berlin sind. Das native Olivenöl Extra von Kristal aus dem türkischen Gemüseladen hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Trotzdem ist der Salat sehr gut angekommen, der Zitrone sei Dank.

Die Migräne habe ich gestern Abend mit Paracetamol und Süßigkeiten versucht zu vertreiben. Schlafen hat offenbar am besten geklappt. Heftige Krämpfe habe ich nach dem Aufwachen auf der Couch in den Waden und Füßen bekommen, obwohl ich regelmäßig Magnesiumcitrat einnehme, seitdem ich wieder so viel Sport treibe. Ich glaube, ich schlafe nicht genug.

Heute Abend mache ich mir einfach Couscous mit roher, frisch geschnittener Möhre und Paprika. Minze kommt noch rein, die ich vom Taboulé übrig habe. Ein Bier habe ich mir bei unserem Indthailiener hinter dem Bahnhof geholt – so von uns schmunzelhaft benannt, weil er Küche aus der ganzen Welt in seiner elend langer Menükarte anbietet. Trotzdem ist das Essen dort in Ordnung, wenn man keine Küche hat. Günstig auf jeden Fall.

Ach ja, Bier darf ich wieder trinken. Das Problemchen hat sich wie erwartet von alleine gelöst, was mich ehrlich gesagt sehr erleichtert. Auch im wahrsten Sinne des Wortes. Die drei Kilogramme, die ich trotz Sport und vorsichtiger Ernährung unfassbar schnell auf der Waage bekommen habe, sind wieder weg.

Rundweg durchs Murnauer Moos

Wir sind am frühen Sonntag mit der Bahn bis Murnau am Staffelsee gefahren, um den Rundweg durch das Moor zu machen. Das Moor stellt das größte zusammenhängende naturnah erhaltene Moorgebiet Mitteleuropas dar, sagt Wikipedia. Den Tipp hatte ich von meinem Chef bekommen. Er hat immer tolle Vorschläge, was man am Wochenende unternehmen kann.

Vom Bahnhof aus erstmals zum Kiosk von Petra an der Kreuzung, um Kaffee zu trinken, denn am Bahnhof war alles zu (und „alles“ war schon nicht viel). Nach der Stärkung ging es weiter durch den KulturPark. Einmal die Gleise überqueren, und nach einer hübschen Allee kommt man zum Münter Haus, wo Gabriele Münter und Wassily Kandinsky gelebt haben. Wir waren aber zu früh da und konnten das Haus nicht besuchen.

Weiter geht’s durch eine wunderschöne Eichenallee, Kottmüllerallee genannt, die vom Verschönerungsverein Murnau in den 1870er angelegt wurde. Die Frische der Bäume war jetzt nicht so nötig, bei dem Wetter. In München hatten wir strahlende Sonne, als wir weg fuhren. In Murnau war es kühl und teilweise nebelig. Was nicht schade war. Die Landschaft wirkte dadurch noch entspannender. Alles war ruhig. Kein Wunder, dass dieser Ort als Teil eines Meditationsweges gewählt wurde.

Der Weg fuhr links nach dem Feld zum Ramsachkircherl, auch Ähndl genannt. Es handelt sich um die vermutlich älteste Kirche Oberbayerns, ihre Gründung wird im 7. Jahrhundert geschätzt. Besuchen kann man sie nicht, die Tür ist geschlossen. Schade, ich hätte gerne die Handglocke gesehen, die aus dem 8. Jahrhundert stammen soll.

Direkt nebem dem Ähndl steht eine Gaststätte, wo wir uns kurz für einen Kaffee reingesetzt haben. Dem Ehemann war’s kalt. Die 3,20€ pro Tasse fand ich ganz schön heftig.

Der Rundweg fängt direkt hier an. Wir sind rechts rum dem Ramsach entlang gegangen. Ruhig war es hier nicht mehr, viele Leute waren unterwegs, viele mit Fahrrad, einige sogar mit Pferdekutsche, die ziemlich schnell fuhren. Die Landschaft ist, wie zu erwarten ist, sehr flach. Kurz nach unserer Mittagspause verbesserte sich das Wetter schlagartig und blieb bis zum Ende der Wanderung schön sonnig.

An der Weggabelung war ich sehr versucht, links zum Café zu gehen. Meine Blase stand unter Spannung. Aber ich wusste nicht, wie weit weg es noch war, und wir wolltem dem Rundweg rechts über die Brücke folgen. Ab hier ändert sich auf einmal die Landschaft und ein Waldstück fängt an. Der Kontrast zwischen dem kühlen, feuchten Wald und dem trockenerem Bohlenweg, wo überall Erika wächst, ist beeindruckend. Der Bohlenweg ist in gutem Zustand, außer an einer Stelle, wo die Planken durchgebrochen sind. Mit guten Schuhen kommt man aber gut voran.

Nach dem Waldstück geht man an einigen hübschen Holzhütten vorbei, dann läuft der Weg ab Westried der Straße entlang. Nicht zu lang, dann verlässt man links wieder die Straße, um hoch an den Gleisen lang zu gehen. Ich war froh, dass in der ganzen Zeit kein Zug vorbei fuhr. Gerade als wir die Gleise verlassen hatten und uns am Aufsichtspunkt befanden, kam ein Zug. Die huppen sowieso die ganze Zeit, weil sie wissen, dass Leute zu Fuss unterwegs ist, man kann sie nicht überhören. Es wäre mir nur sehr stressig gewesen, so nah an einem vorbei fahrenden Zug zu sein.

Nach dem Aussichtspunkt mit Panorama-Blick auf die Berge ging’s an Wiesen entlang, mit glücklich aussehenden Kühen. Wir sind zurück zur Gaststätte gegangen, da wir der Meinung waren, uns ein kühles Bier verdient zu haben. Und eine Kleinigkeit zum Essen. Ich muss leider sagen, dass ich von meiner Bestellung recht enttäuscht war. Ich hatte marinierten rohen Lachs auf Kartoffelpuffer bestellt (hieß nicht so, aber so was war’s). Dazu gab’s Rotkohl als Salat. Die Kartoffelpuffer waren versalzen (sagt eine, die gerne salzig isst), der Lachs war zu kalt und konnte sein Aroma nicht entfalten. Der Rotkohl war komisch mit Sahne zubereitet und hatte einen mir sehr unangenehmen Geschmack, ich hab’s liegen lassen. I mog’s net. Der Ehemann war von seiner Bestellung auch nicht begeistert, also lag’s nicht an mir. Die tun so, als ob sie kulinarisch was taugen würden, aber es war eine reine Enttäuschung. Und dafür sind sie nicht mal günstig.

Sehr gefallen hat es mir, die Pflanzenarten zu sehen, die hier wachsen. Besonders die vielen Blumen, die sich gerade blicken lassen. Der Käfer war mir neu, und von der Sorte hingen unglaublich viele an den gleichen Pflanzen. Die Eidechse hat sich nicht stören lassen und ist einfach so lange auf dem Bohlenweg geblieben, bis wir beschlossen haben, weiter zu gehen. Eine Smaragdeidechse haben wir sogar gesehen, einen Bruchteil einer Sekunde, so flink wie sie wieder ins Gras verschwunden ist.

Insgesamt sind wir 18 Kilometer gegangen, wenn man den Weg vom und zum Bahnhof berücksichtigt. Ein kleiner Spaziergang, verglichen mit dem vorherigen Wochenende.

Traum am Samstagvormittag

Es war ein sonniger Vormittag. Der Ehemann und ich haben beschlossen, bei einer uns noch unbekannten kleinen Bäckerei zu frühstücken. Als wir ankamen, war aber niemand hinter der Theke. Außer uns war überhaupt niemand im Laden. Wir haben gestanden und gewartet, bis eine andere Kundin herein kam und den Ehemann grob schubste, um sich vorzudrängeln. Ich habe protestiert, aber die Frau hat es einfach ignoriert und sich noch ungefragt zu uns hingesessen, als das Warten zu lange wurde, obwohl andere Tische frei waren.

Wir saßen zu zweit an einem Holztisch in einem kleinen Biergarten. Es war sonnig. Der Ehemann wollte zur Toilette und meinte, er würde sich auf dem Weg dahin noch ein Bier bestellen. Bevor er zurück kam, brachte ein Kellner eine Cranberry-Schorle zu unserem Tisch. „Mein Mann wollte doch ein Bier“, sagte ich. „Bier haben wir leider nicht mehr“, antwortete der Kellner. Als er weg ging, kamen neue Leute an, die sich an einen Nachbartisch hinsetzen wollten. Der Kellner sagte ihnen, sie müssten weg von hier, weil es zu viele Gäste gäbe, er käme nicht mehr dazu, sie alle zu bedienen. Die Leute haben den Biergarten beleidigt verlassen. Der Ehemann kam zurück und wunderte sich über die Schorle. Die wollte er nicht haben. Bevor wir gingen, sollte ich doch zur Toilette, meinte er, es wäre hübsch angerichtet. Ich ging, konnte die richtige Tür hinter der Bar aber nicht finden. Es gab viele ganz kleine Türe, durch die eine erwachsene Person unmöglich gehen konnte. Als ich die paar Stufen runter zur Bar ging, um zurück nach draußen zu gehen, bin ich ausgerutcht. Statt aber auf dem Rücken zu landen, habe ich angefangen in der Luft zu schweben. Wie geil ist das denn?

Ich bin aufgewacht. Menno, gerade als es interessant wurde! Der Ehemann lag wach neben mir und ich habe ihm meinen Traum erzählt.

Wir gingen eine Straße entlang in der Stadt. Wir waren gerade bei einer Tram-Haltestelle. Rechts Schienen, links Schienen. Vereinzelte Autos fuhren an uns vorbei. Es war ein sehr ruhiger Sommertag. Die Sonne schien, der Himmel war blau. Auf einmal sah ich einen riesigen Greifvogel weit über uns kreisen. Ich zeigte ihn dem Ehemann, der mit seiner Kamera begeistert anfing, wild zu fotografieren. Als der Vogel näher kam, wurde er größer und größer. Er landete hinter der Haltestelle und als seine Flügel noch breit gestreckt waren, konnte ich sehen, dass seine ganze Brust voll mit Krallen bedeckt war. Der Vogel stand da, fast ganz schwarz, und war so groß wie ein Mann. Mir wurde es zu unheimlich und ich lief davon, während der Ehemann noch fotografierte.

Ich ging die Straße weiter hoch, als eine große Katze mich überholte. „Och, Katze, süß“, dachte ich zuerst, bevor ich merkte, dass sie völlig aufgeregt war. Sie fauchte und grollte, was das Zeug hielt, und rennte weiter weg. Ich folgte ihr und kam zu drei anderen kampfbereiten großen Katzen, zu denen die, die mich überholt hatte, sich zugesellte. Vorsichtshalber bin ich zur anderen Straßenseite gegangen. So ein Verhalten kannte ich bei Katzen nicht. Mehr und mehr Katzen kamen an und plötzlich war ein großer, schwarzer und beängstigter Hund von den Bestien umgezingelt, die ihn am Kragen packten und zur Straße ziehten. Armer Hund.

Weiter bin ich gegangen. Der Ehemann kam zu mir und ich musste ihm das Geschehen mit den Katzen und dem Hund erzählen, weil er nichts davon mitbekommen hatte. Manchmal denke ich, er geht wie ein Blinder durch die Welt. Wir sind links zu einer Treppe gekommen, wo viele andere Leute waren. Unsere Gäste. Wir hatten sie zur Einweihung unserer Wohnung eingeladen. Als wir in die Wohnung rein kamen (die ich sonst im Leben gar nicht kenne), habe ich ganz schnell aufgeräumt und die Türe von Schränken geschlossen, die auf Kopfhöhe halb offen waren. Das sah so unordentlich und gefährlich aus! Die Gäste sind herein gekommen, und da wir nicht genug Platz auf der Garderobe hatten, haben sie die Schränke wieder geöffnet, um ihre Jacken an den Türen zu hängen. Einige sind sofort zur Toilette am Ende von Gang hinter mir gelaufen. Ich wollte auch hin und dachte, wie gut, dass wir eine zweite Toilette neben der Eingangstür haben. Aber dorthin wollte ebenfalls der Schwiegervater, der zu den Gästen zählte.

Das Telefon vom Ehemann hat uns vom Schlaf gerissen. Elf Uhr morgens. Unglaublich, wie lange ich geschlafen habe. Das passiert mir sonst nie.

Die Isar-Wanderung – Tag 3

Der dritte Tag unserer Wanderung fängt mit Regen an. Als wir jedoch fertig gefrühstückt haben und aus dem Hotel raus kommen, ist es nur noch grau, und die Sonne lässt sich nach einer Weile wieder blicken. Trotzdem ist es gut, dass ich diesmal meine lange Sporthose und mein dünnes Pulli mit langen Ärmeln an habe. Es ist ein bisschen frisch.

Wir wollen heute bis Bad Tölz. Es sind wie gestern um die 25 Kilometer. Ich fühle mich nicht so fit und die Blase unter dem kleinen Zeh stört mich. Der Ehemann hat mich davon abgeraten, sie zu platzen. Hätte ich sonst länge gemacht. Eine Nadel habe ich.

Als wir das Hotel verlassen und überlegen, in welche Richtung es denn geht, begrüßt uns ein junges Paar. Der Mann meint, wir wären uns gestern begegnet. Der Ehemann scheint sich daran zu erinnern. Ich nicht. Aber ich habe bekanntlich keine Gesichtserkennungssoftware im meinem Gehirn installiert. Nach ein bisschen Plaudern machen wir uns auf den Weg. Ab zur Brücke. Nach dem Regen fühlt sich die Luft schön frisch an und die Aussicht zum Sylvensteinsee ist bezaubernd.

Leider ist es Montag, und kein Feiertag. Ein LKW rauscht nah an uns vorbei, als wir auf der Brücke gehen. Der Wind, der dadurch verursacht wird, zieht sehr stark und stresst mich. Am Ende der Brücke hört der Bürgersteig auf. Ein Schild informiert die Autofahrer darüber, dass sie nun 1,4 Kilometer lang auf Fahrradfahrer auf der kurvenreichen Straße achten müssen. Sprich, wir müssten auch so lange am Rande der Straße gehen. Ein zweiter LKW rast vorbei. Mir wird es zu unheimlich, und ich überzeuge den Ehemann, zurück zum Hotel zu gehen und uns ein Taxi bis zur nächsten sicheren Wandergelegenheit zu bestellen. Vielleicht ist es an Wochenenden entspannter, da lang zu wandern, wie Komoot vorgeschlagen hat, aber heute grenzt es an einem Selbstmord. Auf dem Weg zum Hotel gehen wir durch das Zentrum von Fall. Die Ortschaft ist sehr überschaubar. Eine Tafel informiert uns darüber, dass die Schriftstellerin Frieda Runge hier einige Jahre gelebt hatte. Ich kenne sie nicht und denke, ich sollte bei Gelegenheit in einer Buchhandlung schauen.

Der Taxi bringt uns zum Bahnhof von Lenggries im Isarwinkel und wir sparen uns so einen guten Teil der Strecke. Inzwischen strahlt die Sonne, als ob der Regen nie gewesen wäre. Ab hier ist der Weg bis Bad Tölz sehr angenehm. Schön gepflegt und flach, vielleicht sogar unterfordernd. Aber ich beschwere mich nicht, am dritten Tag ohne Erholung bin ich müde. Bis Lain am Arzbach laufen wir an kleinen Wohngebieten vorbei, danach sind wir wieder in der Natur. Ob es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, weiß ich nicht mehr. Die Wiesen sind mit Elektrozaun gesperrt – nicht, dass ich dorthin gehen würde. Die Isar schlendert hier fast sinusoidal, wobei man es beim Gehen nicht merkt, nur auf der Karte. Ein Schild informiert über die hier lebenden bedrohten Arte. Ich halte die ganze Zeit Ausschau, aber eine andere Kreuzotter sehe ich nicht. Gestern war ein Glücksfall.

Unterwegs freue ich mich – wie immer – über die vielen Blumen. Heute sind es Maiglöckchen, die wir überall kürz vor Bad Tölz sehen. Fast pünktlich für den 1. Mai.

Obwohl wir dank Taxi nur noch um die zwölf Kilometer gehen, kommt mir das Ende der Wanderung elend lang vor. Die Blase unter dem kleinen Zeh ist immer noch da und ich merke, dass ich beim Gehen eine Schonhaltung annehme, wodurch die Innenseite vom Fuß jetzt schmerzt. Nicht gut. Wir kommen in Bad Tölz relativ früh an uns gönnen uns ein Stück Kuchen in einem Café, bevor wir zum Hotel gehen. „Ein Hotel mit Spa“, hatte der Ehemann versprochen. Die Ausstattung ist jedoch enttäuschend. In Fall war es viel größer und gemütlicher. Dazu kommt, dass sich heute eine Familie mit Kleinkindern im Schwimmbad neben dem Whirlpool breit gemacht hat, und die Kinder mit Wasserpistolen nur am Rumschreien waren. In einem Spa-Bereich. Erholung null. Wir sind nach der Sauna schnell raus gegangen und haben beim Ratskeller gegessen.

Hiermit endet unsere Isar-Wanderung. Den Rückweg nach München machen wir am nächsten Tag mit der Bahn, mit zwischendurch einer Schifffahrt von Seeshaupt bis Starnberg.

Die Isar-Wanderung – Tag 2

Wir starten den Tag nach einer sehr guten Nacht Schlaf mit erstaunlich wenig Muskelkater. Ich hatte Schlimmeres befürchtet. Nach einem leckerem Frühstück lassen wir uns Lunchpakets vorbereiten und gehen relativ früh los. Na ja, gegen zehn Uhr morgens. „Heute wird es leichter“, sagt der Ehemann. „Wir haben viel mehr Zeit als gestern“, sagt er. „Das schaffen wir locker“, sagt er. Ich klinge jetzt wie dieser Legionär in Asterix. Geplant sind um die 25 Kilometer. „Diesmal ohne Umweg“, antworte ich.

Wir verlassen Wallgau. Der Blick vom Dorf mit der Kirche und ihrem Friedhof, der grünen Wiese und den Bergen im Hintergrund ist entzückend.

Da gestern meine Schulter auf die Dauer so starke Schmerze bekommen haben, beschliesse ich, meine Wanderstöcke einzusetzen. So bleiben meine Arme und mein oberer Rücken in Bewegung, und hoffentlich hilft es.

Nach kurzer Zeit erreichen wir eine Brücke und gehen rechts an der Isar entlang. Pferdereiter sind auf den Kiesbänken unterwegs. Außer uns geht ein Mann mit seinem Hund spazieren. Es ist sehr ruhig hier. Am Rande des Flusses stehen viele Holzstöcke, und auf diesen haben Unbekannte Steinmänchen gebaut.

Wir machen uns auf dem Weg zum Vorderriß, nachdem wir unter einem Elektrozaun ganz flach kriechen müssen, weil wir plötzlich gemerkt haben, dass wir vom Weg getrennt sind. Dreieinhalbstunden Fußmarsch, steht auf dem Schild. Wir folgen zuerst dem „schönen breiten Weg zur Auhütte ohne Stufen“. Der Weg geht hoch, aber nicht so steil wie gestern, und wir laufen eine ganze Weile auf dem Radweg mit der Isar links unter uns. Als wir auf einem Stapel von Baumstämmen kurze Pause machen und ein Brötchen essen, überholt uns der Mann aus Wallgau mit seinem Hund.

Auf dem Weg zum Vorderriß begegnen wir sehr vielen Radfahrern. Die meisten sind freundlich und begrüßen uns mit „Servus!“. Ich gewöhne mich langsam dran. Ich glaube, dass ist die Begrüßung, die mir in Bayern am besten gefällt. „Grüß Gott“ passt nicht, dafür bin ich zu ungläubich. „Grüß Sie“ oder „Grüß di“ ist nett, aber da muss ich mich immer entscheiden, ob duzen oder siezen, und bis ich mir die Begrüßung zurecht überlegt habe, ist es schon zu spät. „Servus“ ist gut.

Der Radweg ist nicht ohne, da er ständig hoch und runter geht. Die Leute sehen alle so fit aus und fahren so schnell hoch und lächeln dabei, es ist deprimierend. Ich habe erst in Berlin angefangen, für längeren Strecken das Fahrrad zu benutzen. Es ist dort so schön flach. Hier? Keine Chance. Ich würde nur absteigen und das Rad schieben wollen. Können wir uns gleich sparen und zu Fuß wandern. Es tut mir also gut, als wir kurz vor dem Vorderriß den steilen Weg runter gehen und eine junge Frau auf ihrem Rad uns keuchend entgegen kommt, bevor sie austeigt und schiebt. Ihr Freund hinter ihr scheint auch zu leiden. Ich bin doch nicht nur von Übermenschen umgeben!

Heute sind die Schnecken unterwegs. Wir sehen viele mitten im Weg (immer noch der Isar-Radweg) und wundern uns, dass keine noch überfahren oder getreten wurde. Apropos Schnecken. Kennt ihr die Geschichte von Crunch die Schnecke? Es war einmal eine Schnecke, die die Straße überquerren wollte. Plötzlich kam ein Auto, und Crunch die Schnecke!

Die Flora ändert sich. Wir treffen zunehmend uns vertrauten Arte.

Als wir endlich am Vorderriß ankommen, machen wir eine längere Pause am Flussufer unter der Brücke. Ich esse mein zweites Brötchen, ziehe meine Wanderschuhe aus und gehe ins Wasser. Ganz kurz. Das Wasser ist eiskalt und wenn ich länger als zehn Sekunden drin bleibe, schmerzen meine Beine. Ich gehe mehrmals hinter einander. Eiskalt, aber es tut gut. Wir bleiben eine ganze Stunde da. Der Ehemann schläft ein.

Weiter über die Brücke zur linken Seite der Isar. Auf der Straße. Nach der nächsten Brücke zurück zur rechten Seite, und da sehen wir ein Gasthof mit vielen Motorrädern geparkt. Wir sitzen uns an einem langen Holztisch hin, aber das Weißbier schmeckt von weitem nicht so gut wie gestern unter der Geisterklamm.

Nach dem Bier geht’s auf den Kiesbänken. Man glaubt zuerst, alleine zu sein, um plötzlich zu merken, dass es nur von Menschen wimmelt. In einer Holzbarrikade sonnt sich eine Frau. Ich merke sie erst, als sie aufsteht. Weiter weg ist eine Familie mit Kleinkind. Überall sind einzelne Personen unterwegs.

Ich übe mich im Steinmännchen basteln, aber es sieht von weitem nicht so elegant wie die anderen aus. Kein Gefühl von Leichtigkeit und Balance. Es wirkt wie ein Klotz. Ich kann Mauer bauen. Mein Steinmännchen wird nicht umkippen.

Da wir irgendwann Richtung Fall gehen müssen, beschließt der Ehemann, uns durch Dickicht zum nächsten Weg zu führen. Ich motze. Ich mag es nicht, durchs Unterholz zu gehen. Da ist kein Weg. Ich mache vieles kaputt. Überall haben Spinnen ihre Netze gespannt, um mich zu fangen.

Als wir endlich zum Weg kommen, bleibt der Ehemann vorne. Er trampelt und schaut, ich weiß nicht wohin, aber nicht auf den Weg, den er gerade betritt. Hören tut es scheinbar auch nicht richtig. Ich schon. Es zischt. Oder es faucht. Ganz schön laut. Ununterbrochen. Ich kann es nicht so gut beschreiben aber es kommt mir sehr bekannt vor. Und als der Ehemann unwissend weiter geht und mir die Sicht von dem, was vor ihm lag, nicht mehr sperrt, kann ich nur noch „Ach du meine Güte“ rufen. Er dreht sich um. Die total angepisste Kreuzotter ist schon zur Hälfte ins Gebüsch links vom Weg verschwunden, als er sie wahrnimmt. „Die war aber nicht so groß“, behauptet er nachher. Die hat er nicht in der ganzen Länge gesehen. Ich habe keine Phobie vor Schlangen wie bei Spinnen, aber vor der habe ich schon Respekt.

Nach einem langen Fußmarsch unterbrochen von Minipausen kommen wir am Hotel. Das einzige Hotel in Fall. Ich bin froh, da zu sein. Ich bin völlig platt. Unter meinem kleinen rechten Zeh hat sich eine Blase gebildet. Eine tolle Überraschung war der Spa-Bereich. Das hatte mir der Ehemann verschwiegen. Wir hüpfen ganz kurz ins Whirlpool und in die Sauna, bevor wie zum Restaurant essen gehen. Brotzeitbrettl mit Obazda. Doch gar nicht so klein, das Brettl. Aber da fddb behauptet, in nur drei Stunden leichter Wanderung verbrennt man über 1000 kcal, und wir viel länger mit schweren Rucksäcken gegangen sind, mache ich mir keine Gedanke darüber, wieviel ich esse.

Ich habe jedenfalls etwas Wichtiges gelernt: Beim Wandern mit Rucksack ist es sehr ratsam, die Arme ständig in Bewegung zu halten. Mit Wanderstöcken geht es automatisch. Auf der Art konnte ich Schmerze in den Schultern deutlich reduzieren. Schon komisch, dass ich vor gut zehn Jahren mit dem selben Rucksack einen zweiwöchigen Urlaub in Finnland alleine gemacht hatte, und ich mich nicht erinnern kann, dass ich solche Probleme bekommen hatte. Vielleicht habe ich es aus meinem Gedächtnis verdrängt. Ich war auch zehn Jahre jünger.